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Umfrage: Amerikaner wollen Abzug aus dem Irak

Die Mehrheit der US-Bürger will einen Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak, das ergab eine Umfrage. US-Vizepräsident Dick Cheney informiert sich gerade auf einer Nahost-Reise über die Lage im Irak, die Anschlagsserie dort setzt sich fort.

Die meisten US-Bürger wollen einen klaren Zeitplan für einen Abzug aus dem Irak, ganz gleich ob es danach zu einem Bürgerkrieg in dem Golfstaat kommt oder nicht. Das ergab eine Umfrage von "USA Today" und Gallup, deren Ergebnisse veröffentlicht wurden. Dies zeige, dass die Argumente der Regierung gegen einen Abzugsplan für die Bürger nicht überzeugend seien, kommentierte die Zeitung "USA Today" die Ergebnisse. Präsident George W. Bush begründete seine Ablehnung eines Abzugsplanes damit, dass die Extremisten im Irak darauf warten würden, um dann loszuschlagen.

Eine deutliche Mehrheit der Amerikaner rechnet zudem mit terroristischen Anschlägen auf die USA, unabhängig davon, ob die US-Truppen abziehen oder nicht. Nur 22 Prozent der Befragten stimmen der Argumentation der Bush-Regierung zu, die Anwesenheit von US-Truppen im Irak verhindere solche Anschläge.

Mindestens 19 Tote bei Anschlag im Nordirak

Im Irak reißt die Anschlagserie unterdessen nicht ab: Beim jüngsten Anschlag hat ein Selbstmordattentäter in der nordirakischen Stadt Erbil mindestens 19 Menschen mit in den Tod gerissen. Rund 80 Menschen wurden bei der Explosion der Autobombe verletzt, fünf davon lebensgefährlich. Der Anschlag ereignete sich vor dem Innenministerium der autonomen Region Kurdistan. Der Attentäter sprengte sich in Erbil in einem Lastwagen in die Luft. Ein Sprecher des Gouverneurs erklärte, Ziel des Anschlags sei das Innenministerium gewesen. Das kurdische Fernsehen zeigte Aufnahmen des fast völlig zerstörten Gebäudes. Auch das nahegelegene Hauptquartier der kurdischen Sicherheitskräfte wurde beschädigt.

Das 350 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Erbil ist die Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan, die bislang weniger von Gewalt betroffen war als andere Landesteile. Der letzte größere Anschlag in Erbil liegt mehr als drei Jahre zurück: Am 1. Februar 2004 töteten zwei Selbstmordattentäter bei Angriffen auf kurdische Parteibüros 109 Menschen.

Unterdessen traf US-Vizepräsident Dick Cheney zum Auftakt einer einwöchigen Nahost-Reise zu einem nicht angekündigten Besuch in Bagdad ein. Von US-Befehlshaber David Petraeus ließ er sich aus erster Hand über die Lage im Irak informieren. Auch ein Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki stand auf dem Programm. Cheney will nach Angaben von Mitarbeitern die Bemühungen um eine Versöhnung zwischen den Konfliktparteien im Irak vorantreiben. Weitere Stationen seiner Reise sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien.

AP/Reuters / AP / Reuters