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UN-KONFERENZ: Die alten Wunden sind noch tief

In Durban suchen 14000 Delegierte aus 194 Ländern nach Wegen zur Bekämpfung von Rassismus. Doch bereits im Vorfeld wurde die heute beginnende Konferenz in Südafrika von Boykottdrohungen überschattet.

UN-Generalsekretär Kofi Annan und Südafrikas Präsident Thabo Mbeki eröffnen an diesem Freitag die UN-Weltkonferenz gegen Rassismus in der südafrikanischen Stadt Durban. Bereits im Vorfeld wurde die Konferenz vom Nahost-Konflikt und Boykottdrohungen überschattet. Wegen der beabsichtigten Gleichsetzung von Zionismus mit Rassismus wollen die USA und Israel nur weniger ranghohe Delegationen schicken. In den USA und Europa stießen auch Forderungen nach Entschädigung für Sklaverei und Kolonialismus auf Ablehnung.

Nach US-Außenminister Colin Powell sagte am Donnerstag auch sein kanadischer Kollege John Manley wegen »ernster Besorgnisse« über die Israel-Kritik im Resolutionsentwurf seine Teilnahme ab. In einer Stellungnahme betonte Manley, Kanada werde mit einer »starken Delegation« dennoch einen »positiven Beitrag« zu dem Treffen leisten.

Bundesaußenminister Joschka Fischer will am Rande der Konferenz mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat zusammentreffen. Das kündigte Fischer selbst am Donnerstag in Paris an. Er wird am Samstagmorgen in Durban eintreffen und nach einer Rede vor den Delegierten die südafrikanische Hafenstadt am Abend wieder verlassen. Arafat traf bereits am Donnerstag in Durban ein.

Einen Tag vor der Konferenzeröffnung war es erneut zu verbalen Zusammenstößen zwischen jüdischen und arabischen Teilnehmern des vorgeschalteten Forums der Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen gekommen. Delegationsteilnehmer warnten, dass der Nahost-Konflikt wie schon bei den beiden vorangegangenen Rassismus-Konferenzen 1978 und 1983 in Genf das Treffen sprengen können.

Rassismus auch in Deutschland bekämpfen

Auch die deutsche Flüchtlingshilfeorganisation Pro Asyl reagierte besorgt auf Versuche arabischer und anderer Staaten, die Konferenz mit Blick auf den Nahost-Konflikt zu instrumentalisieren. Zu einem entschlossenen Vorgehen gegen alle Formen des Rassismus gehöre untrennbar das entschiedene Eintreten gegen Antisemitismus, erklärte Pro Asyl und forderte die Bundesregierung zu einem entschiedeneren Kampf gegen Rassismus in Deutschland auf.

Zu der Konferenz werden 14 000 Delegierte aus 194 Ländern erwartet. Auf dem achttägigen Treffen soll nach Wegen zur Bekämpfung von Rassismus in all seinen heutigen Formen gesucht werden.