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UN-KONFERENZ: Rassismus trübt Südafrikas Regenbogen

Immer wieder bohrten sich die scharfen Zähne der Hunde ins Fleisch ihrer schreienden Opfer. Unter dem Gejohle ihrer Herrchen verbissen sich die Tiere in die um Gnade flehenden Männer. Ein Polizei-Übergriff, der weltweit bekannt wurde.

Immer wieder bohrten sich die scharfen Zähne der Schäferhunde ins Fleisch ihrer schreienden Opfer. Unter dem Gejohle ihrer Herrchen verbissen sich die Tiere in die drei am Boden liegenden Männer, die vergeblich um Gnade flehten. Das war 1998, als sechs weiße südafrikanische Polizisten ihre Hunde »zur Übung« auf illegale schwarze Einwanderer aus Mosambik hetzten. Der brutale Polizei-Übergriff wurde weltweit bekannt, weil er von den Beamten selbst gefilmt wurde. Das im vergangenen Jahr im Fernsehen ausgestrahlte Video löste Entsetzen aus und offenbarte, dass die junge Demokratie Südafrika auch nach dem Fall der Apartheid 1994 noch immer unter Rassismus leidet.

Das Gastgeberland der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus in Durban musste sich dieser Tage auch wachsende Ausländerfeindlichkeit vorhalten lassen. Die von Erzbischof Desmond Tutu einst als Regenbogen-Nation gepriesene Bevölkerung des Kap- Staates ist sieben Jahre nach dem Ende der Rassentrennung weit davon entfernt, das harmonische Miteinander von Schwarz und Weiß zu kultivieren. Rassismus nimmt auch in Südafrika wieder zu, wie jüngst veröffentlichte Studien belegen. Auf beiden Seiten prägen nach der Euphorie der Anfangsjahre heute rassistische Ressentiments und diffuse Ängste den Alltag.

»Weiße fallen durch ihre Abwesenheit auf«, lautete am Donnerstag die Schlagzeile der überwiegend von Schwarzen gelesenen Zeitung »Sowetan«, die über die landesweite Aktion »Fackeln der Toleranz« berichtete. Die Aktion hatte im Vorfeld der

UN-Konferenz Südafrikas Verbundenheit mit nicht-rassistischem Gedankengut und nationaler Aussöhnung symbolisieren sollen. Penibel zählt der Reporter Beispiele ab 1995 für die Kluft auf, die zwischen Weiß und Schwarz nach wie vor besteht. »Wird die Aussöhnung in Südafrika jemals Realität?«, fragte er rhetorisch. Weiße Leser dagegen staunen immer häufiger über den Begriff des »schwarzen Rassismus«, der zunehmend salonfähig wird - nicht nur im Zusammenhang mit dem Chaos im Nachbarland Simbabwe.

Ausländerfeindlichkeit auf dem Vormarsch

»Ausländerfeindlichkeit als Phänomen ist auf dem Vormarsch - Ausländer sind der neue Feind«, notierte Bronwyn Harris in einem Bericht für das südafrikanische Studienzentrum für Gewalt und Versöhnung (CSVR). Die einzige Industrienation des Kontinents sieht die armen Vettern aus Nigeria, Sambia, Angola, Mosambik als Quell allen Übels. Vergessen die Zeiten, als die Nachbarn südafrikanischen Anti-Apartheid-Aktivisten Asyl gewährten. Seit im Nachbarland Simbabwe das grassiert, was der südafrikanische Menschrechtler Barney Pityana als »rassistische Kampagne« gegen weiße Farmer bezeichnet, drängen auch von dort die Menschen über die Grenze nach Südafrika.

Doch während Europäer oder Amerikaner als Devisenbringer gern gesehen sind, stoßen arme Schlucker aus der Nachbarschaft auf offene Ablehnung, Vorurteile, Belästigung, Gewalt und Ausbeutung. Meldungen über Misshandlungen illegal im Lande lebender Ausländer sind Legion - etwa auf Farmen, wo Bauern die Dienste illegaler Einwanderer gern in Anspruch nehmen, dann aber beim Wunsch nach Bezahlung mit Polizei drohen. Ein aktueller Bericht der Organisation Human Rights Watch listet auf 230 Seiten Beispiele dafür auf.

Ralf E. Krüger