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Unicef-Bericht: Mehrere 100 Millionen "unsichtbare Kinder"

Laut Unicef bleiben bei den herkömmlichen Maßnahmen der Armutsbekämpfung mehrere 100 Millionen Kinder außen vor. Sie werden ausgebeutet, missbraucht und zu Soldaten ausgebildet. Offiziell existieren diese Kinder nicht.

Sie leben auf der Straße, müssen körperlich schwer arbeiten, werden verkauft oder missbraucht: Mehrere 100 Millionen Kinder weltweit werden von den herkömmlichen Maßnahmen der Armutsbekämpfung nicht erreicht, mahnt der Unicef-Jahresbericht 2006, der in Berlin vorgestellt wurde.

"Die ärmsten und am stärksten bedrohten Kinder dürfen nicht länger übersehen werden. Armutsbekämpfung und Kinderschutz gehören zusammen", forderte Reinhard Schlagintweit, Vorsitzender von Unicef Deutschland: Die UN-Kinderrechte müssten endlich von allen Regierungen umgesetzt werden.

"Kinder ohne Kindheit" seien vor allem die über 100 Millionen Straßenkinder weltweit, arbeitende Kinder, junge Flüchtlinge, ethnische Minderheiten und Waisen. Eine der schlimmsten Formen: Kindersoldaten, wie sie etwa in Nord-Uganda für die Rebellenarmee kämpfen und töten müssen.

Kinder ohne Existenznachweis

Laut Unicef fehlt derzeit jedem zweiten Kind in den Entwicklungsländern - also rund 48 Millionen Neugeborenen jährlich - eine Geburtsurkunde und damit die Voraussetzung für einen Schulplatz, medizinische Versorgung und Sozialleistungen. Etwa 171 Millionen Kinder arbeiten anstatt zur Schule zu gehen und unter Bedingungen, die ihrer Gesundheit schaden. 8,4 Millionen von ihnen werden als Sklaven oder Schuldknechte ausgebeutet.

Auch weil die jungen Opfer in keiner Statistik vorkommen, würden selbst schwere Verletzungen der Kinderrechte wie Sklavenarbeit, Prostitution oder willkürliche Gewalt kaum verfolgt. "Diese Kinder werden verdrängt, vergessen und dadurch unsichtbar", sagte Schlagintweit.

Unicef: Armutsbekämpfung korrigieren

Aids ist laut Unicef zu einem entscheidenden Faktor dieser Ausgrenzung geworden. 15 Millionen Kinder haben durch die Immunschwächekrankheit bereits mindestens einen Elternteil verloren - immer mehr von ihnen sind vor allem in den südlichen Ländern Afrikas dann sich selbst überlassen.

Als weitere wichtige Gründe nennt Unicef extreme Armut, bewaffnete Konflikte und schlechte Regierungsführung. "Wir müssen die Strategien zur Armutsbekämpfung korrigieren, um gerade die Kinder am unteren Rand der Gesellschaft einzubeziehen", forderte Schlagintweit. Auch der Schutz vor Aids, vor allem der HIV- Übertragung von Mutter zu Kind, sowie der Kampf gegen die Diskriminierung von Mädchen, ethnischen Minderheiten und Behinderten müsse verstärkt werden.

DPA / DPA