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Unruhen in der Türkei Erdogan attackiert westliche Medien


Am Tag nach der Räumung des Gezi-Parks feiern Zehntausende Anhänger den türkischen Ministerpräsidenten. Erdogan findet markige Worte - und die Polizei geht erneut gegen Demonstranten vor.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bleibt auf Konfrontationskurs. Vor Zehntausenden von Anhängern beschimpfte er am Sonntag in Istanbul die Protestbewegung, die wenige Stunden zuvor mit Polizeigewalt aus dem Gezi-Park vertrieben worden war, als "Terroristen" und "Gesindel". Er wies auch Kritik des Europaparlaments an seiner Politik der harten Hand zurück. Unter dem begeisterten Jubel seiner Parteifreunde sagte er: "Es gab auch in Frankreich, Deutschland und Großbritannien viel Gewalt gegen Protestierende, was habt Ihr dagegen getan?"

Erdogan lässt Blumen pflanzen

Ausländischen Medien warf Erdogan vor, ein Zerrbild der Türkei zu zeichnen. "Wer das (wahre) Bild der Türkei sehen möchte, (...) hier ist es", sagte Erdogan mit Blick auf die eigene Kundgebung. Die Räumung des Gezi-Parks verteidigte er damit, dass der Platz nicht einer einzelnen Gruppe, sondern allen Bewohnern Istanbuls gehöre. "Die Stadtverwaltung hat den Platz gesäubert, pflanzt jetzt Blumen und begrünt ihn. Die wahren Umweltschützer sind jetzt am Werk."

Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP veranstaltete ihre Kundgebung als Antwort auf die Protestwelle auf dem größten Platz von Istanbul im Vorort Zeytinburnu. Das Treffen stand unter dem Motto "Los, lasst uns das große Spiel stören und Geschichte schreiben!". Nach Ansicht von Beobachtern ist mit dem "großen Spiel" eine angebliche "Verschwörung" gemeint, die das Ziel haben soll, den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei zu stoppen.

Streik gegen Gewalt

Erdogan sprach länger als eine Stunde. Währenddessen demonstrierten in der Innenstadt Zehntausende gegen seine Politik. Zwei der größten Gewerkschaften des Landes für Montag zu einem landesweiten Generalstreik aufgerufen. "Wir werden morgen gemeinsam mit der Gewerkschaft DISK und anderen Berufsorganisationen die Arbeit niederlegen", sagte der Sprecher der Gewerkschaft KESK. Gleichzeitig rief er zu einem Ende der Polizeigewalt auf.

Zehntausende Menschen haben sich zu neuen Demonstrationen gegen den islamisch-konservativen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan versammelt. Nach einem Aufruf der Protestbewegung versuchten die Demonstranten aus umliegenden Stadtvierteln in Richtung des von der Polizei abgeriegelten Taksim-Platzes zu gelangen, berichteten Augenzeugen.

In mehreren Vierteln gab es heftige Zusammenstöße der Demonstranten mit der Polizei. In der zum Taksim-Platz führenden Istiklal-Straße versuchte die Polizei stundenlang vergeblich, tausende Demonstranten mit Wasserwerfern und Tränengas zu vertreiben. "Überall ist Taksim, überall ist Widerstand", riefen die Demonstranten. Am Sonntag schlossen sich erneut Tausende Fußballfans den Protesten an, die von Besiktas aus zum Taksim-Platz gelangen wollten.

swd/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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