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US-Diplomat: "Irak ist schlimmer als Vietnam"

Der designierte neue britische Premier Brown hat Fehler in der Irak-Politik eingeräumt und eine Kurskorrektur angekündigt. Unterdessen hat der frühere UN-Botschafter der USA gesagt, die Lage im Irak sei schlimmer als in Vietnam.

Der designierte Nachfolger des britischen Premierministers Tony Blair, Gordon Brown, hat eine Kurskorrektur in der Irak-Politik angekündigt. Es sei Zeit für eine neue Ausrichtung der britischen Politik in dem Golfstaat, sagte Brown am Freitag bei einer Pressekonferenz, bei der er seine Kandidatur erklärte. Es müsse mehr Wert auf die Versöhnung der Religionsgruppen und die wirtschaftliche Entwicklung gelegt werden, damit die Iraker einen größeren Einfluss auf ihre Zukunft nehmen könnten.

Blair hatte am Vortag seinen Rücktritt für den 27. Juni angekündigt. Er stand wegen des Irak-Kriegs unter Druck, der von einer Mehrheit der Briten abgelehnt wird. Großbritannien ist im Irak-Konflikt der engste Verbündete der USA. Die britische Armee übernahm nach dem Einmarsch im März 2003 die Verantwortung für den schiitisch dominierten Süden.

"Ich akzeptiere, dass Fehler gemacht wurden", sagte Brown. "Ich werde mir in den kommenden Wochen anhören, was die Regierung des Iraks und was die Menschen vor Ort zu sagen haben." Brown will noch vor seiner Wahl zum Nachfolger Blairs eine Reise in die Region unternehmen und die britischen Truppen besuchen.

Holbrook: Irak hat größeres Ausmaß als Vietnam

Der Irak ist nach Ansicht des ehemaligen hochrangigen US-Diplomaten Richard Holbrooke längst in einen Bürgerkrieg geglitten, der außer Kontrolle geraten ist. Für die USA sei die Situation in und um Bagdad eine außenpolitische Krise, die ein größeres Ausmaß habe als damals der Krieg in Vietnam, sagte Holbrooke bei einer Vorlesung. "Der Irak zeigt uns schon jetzt die schlimmste internationale Lage in der modernen Geschichte der USA auf." Der frühere UN-Botschafter der USA hatte selbst in Vietnam gedient und sich später auf politischer Ebene mit dem Thema befasst. "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal sagen würde, irgendetwas wäre schlimmer als Vietnam, aber der Irak ist dies in der Tat."

Der Nachfolger von US-Präsident George W. Bush trete ein herausforderndes Erbe an, sagte Holbrooke weiter. Auf ihm werde der Krieg im Irak lasten, die andauernde US-Präsenz im instabilen Afghanistan sowie der ungelöste Streit mit dem Iran über dessen Atomprogramm.

Bush hatte im Januar angekündigt, mehr Soldaten in den Irak zu schicken, um die Sicherheitslage dort zu verbessern. Er steht dabei innenpolitisch unter starkem Druck - so verweigert das US-Repräsentantenhaus bisher Finanzspritzen für den Irak-Krieg, weil Bush keinen konkreten Abzugsplan für die Truppen festgelegt hat.

Reuters / Reuters