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"Fake News"-Vorwürfe US-Journalist: So frustrierend ist es, unter Trump aus dem Weißen Haus zu berichten

Interview mit Brian Karem, amerikanischer Journalist und Korrespondent im Weißen Haus, Chefredakteur der "Montgomery County Sentinel Newspapers".
Brian Karem: "Ich glaube, dass alles, was ihm [Trump; Anm. d. Red] nicht gefällt, Fake News ist, und alles, was ihm gefällt, eben nicht. Es tut mir leid, wir sind nicht hier, um ihm zu gefallen. Das nennt man Propaganda." 
US-Journalist Brian Karem ist Chefredakteur der "Sentinel Newspapers" in Washington. Als Korrespondent für das Magazin "Playboy" berichtet er zudem regelmäßig aus dem Weißen Haus. Während einiger Pressekonferenzen mit Trumps Sprecherin Sarah Sanders ist dem Journalisten bereits mehr als einmal der Kragen geplatzt.
Brian Karem: "Ernsthaft, beantworten Sie die Frage. Es ist eine ernsthafte Frage."
Im Skype-Interview berichtet Brian Karem von seinen Erfahrungen aus dem Weißen Haus.  
Brian Karem: "Als Mensch kann man den Grad der Absurdität, der von diesem Podium auf uns Journalisten projiziert wird, nicht länger tolerieren. Zu diesem Zeitpunkt müssen verantwortungsbewusste Leute sagen: genug ist genug."
Sarah Sanders: "Medien nutzen jeden Tag anonyme Quellen. Sie machen Geschichte ohne Quellen. Sie erwähnten die Scaramucci-Story – da mussten sie Reporter für entlassen." 
Brian Karem: "Wir sind hier, um Ihnen Fragen zu stellen. Sie sind hier, um uns Antworten zu geben. Was Sie gerade getan haben, bestärkt die Leute in unserem Land, die sagen: Schau, der Präsident hat Recht, alle Journalisten sind fake. Jeder in diesem Raum versucht einfach nur, seinen Job zu machen."
Karem wird von vielen Kollegen für seine Rede gefeiert. Das Video geht viral.
stern: Wie ist es unter Trump als Journalist im Weißen Haus zu arbeiten?
Brian Karem: "Es ist frustrierend, es ist beängstigend. Es ist hart an der Grenze. Es handelt sich um eine wirklich schwierige Regierung. Vor allem, weil es in der Regierung kaum Leute mit Erfahrung gibt. Sie glauben, was sie tun, ist normal. Sie glauben, was sie tun, ist richtig. Sie haben keinen Vergleich, dass das, was sie tun, nicht normal und nicht richtig ist. Ich würde sagen, es ist wie eine tägliche Darmspiegelung, nur ohne Betäubung."
stern: Sie sind seit über 25 Jahren Korrespondent im Weißen Haus. Wie unterscheidet sich Ihr Job im Vergleich zu früher?
Brian Karem: "Die erste Regierung über die ich berichtet habe, war die von Ronald Reagan. Ich habe noch nie zuvor eine Regierung wie diese gesehen. Die Obama-Regierung war in manchen Fällen elitär, aber wenigstens waren sie höflich. Wenigstens haben sie zurückgerufen, auf E-Mails geantwortet und nicht versucht, dich bei allem anzulügen. Diese Regierung kann dir nicht über eine Sache die Wahrheit sagen."
stern: Welche Folgen haben Trumps Medienschelten auf Ihren Alltag als Journalisten?
Brian Karem: "Die Lokalpolitiker waren früher nicht annähernd so ausweichend wie heute. Viele von ihnen nutzen den Begriff Fake-Medien, weil es einfacher geworden ist, das zu sagen. Trump hat es gesellschaftsfähig gemacht. Da liegt das Problem – nicht bei den Lesern. Das Problem sind die Politiker, die jetzt ein neues Buzz-Wort haben, das sie erfolgreich nutzen können. Das glauben sie zumindest."
stern: Welche Strategie nutzen Sie im Umgang mit Trumps Fake-News-Anschuldigungen?
Brian Karem: "Ich glaube, dass alles, was ihm [Trump; Anm. d. Red] nicht gefällt, Fake News ist, und alles, was ihm gefällt, eben nicht. Es tut mir leid, wir sind nicht hier, um ihm zu gefallen. Das nennt man Propaganda. Der Weg, um diesen Kampf zu gewinnen, ist weiterhin, die richtigen Fragen über sie zu stellen, die wichtig sind. Man darf sich nicht darüber Sorgen machen, was sie über dich denken. Mir ist es wirklich egal, was die über mich denken."
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Brian Karems Wortgefechte mit Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders sind in den USA schon jetzt legendär. Via Skype schildert der "Playboy"-Korrespondent, wie sich Trumps "Fake News"-Vorwürfe auf seine Arbeit auswirken – und wie er dagegen ankämpft.

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