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Analyse

US-Demokraten: Die zweite Vorwahl könnte Klarheit bringen – dass Joe Biden nicht der Kandidat wird

Die US-Demokraten gehen in die nächste Vorwahl. Von den zahlreichen Kandidaten haben sich bereits Bernie Sanders und Pete Buttigieg leicht abgesetzt. Etwa von Joe Biden, der lange als Favorit galt. Durch ist nach diesem Abend aber noch niemand.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden gerät zunehmend unter Druck

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden gerät zunehmend unter Druck

DPA

Bernie Sanders reitet gerade auf einer Welle des Erfolges. Das sieht man daran, dass er zwischen Mülltonnen am schäbigen Hintereingang eines Einkaufszentrums zu seinen jubelnden Anhängern spricht. Der Raum, in den er sprechen sollte, war einfach zu klein für den Ansturm seiner Anhänger in einer Kleinstadt in New Hampshire.

Auch Pete Buttigieg ist im Aufwind. Als er vor Hunderte Zuschauern in einer Turnhalle in Exeter auftritt, blinzelt er erst einmal in die Menge und sagt: "Vor einem Jahr war ich froh, als 30 bei meinen Veranstaltungen waren, darunter ein paar Hunde. Damals musste ich den Leuten erklären, wie man meinen Nachnamen ausspricht. Seht, wo wir heute angelangt sind!"

Der Bürgermeister aus Indiana ist wirklich unglaublich weit gekommen. Er gilt nun zusammen mit Senator Bernie Sanders als einer der möglichen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten für die Wahl im November.

Sanders und Buttigieg: Wer hätte die besten Chancen gegen Trump?

Und wenn am Abend die Demokraten in New Hampshire bei ihren Vorwahlen, den Primaries, über ihre Kandidaten abstimmen, könnten beide Kandidaten sich vom restlichen Feld absetzen. Bernie Sanders liegt im Durchschnitt der Umfragen bei 28 Prozent, Pete Buttigieg bei 21 Prozent, gefolgt den Senatorinnen Amy Klobuchar, Elisabeth Warren und dem ehemaligen Vizepräsident Joe Biden, allesamt bei gut elf Prozent.

Und weil das Wahlchaos von Iowa keine Klarheit gebracht hat, soll nun New Hampshire endlich einen Trend aufzeigen. Es fragen sich jetzt alle Beobachter: Wird es zu einem Zweikampf zwischen Pete Buttigieg und Bernie Sanders kommen? Und: Wer von beiden hätte die besten Chancen gegen Trump?

Im Wahlkampfendspurt war der Zweikampf schon ausgebrochen. Bernie Sanders fuchtelte mit dem Zeigefinger durch die Luft, als er polterte: "Pete Buttigieg hat Spenden von 40 Millionären angenommen. Das tut man nicht!" Er hingegen lasse sich nicht von Superreichen kaufen.

Pete Buttigieg hingegen giftete in Richtung Bernie Sanders: "Wir bringen das Land nicht wieder zusammen, wenn wir eine Revolution planen. Die Leute wollen Verlässlichkeit nach dem Chaos dieser Regierung." Außerdem könne Sanders seine Pläne sowieso nicht bezahlen.

US-Vorwahlen: Wer ist Pete Buttigieg? Und was sind seine Chancen gegen Trump?

Ein Duell der Gegensätze

Es zeichnet sich ein Duell sehr gegensätzlicher Männer ab. Da ist der grimmige Arbeiterführer Bernie Sanders, der wie eine alte Schallplatte klingt, wenn er mit kratziger Stimme die linken Schlager von "Zerschlagung der Banken", "Besteuerung der Reichen" und "Kampf den Großkonzernen" abspielt. Er ist damit vor allem bei jüngeren Wählern außerordentlich erfolgreich, aber Vinyl ist ja bei ihnen auch wieder in.

Auf der anderen Seite Pete Buttigieg, der junge Bürgermeister, der wie ein Motivationstrainer seine Anhänger auf die Reise zum besseren Amerika nimmt. Der ihnen immer wieder diese Worte in die Seele massiert: Hoffnung, Zukunft, Zusammen.

Auf der einen Seite steht in Person von Sanders auch ein großer Teil des erstarkten linken Flügels der Demokraten. Auf der anderen Seite schart sich eine wachsende Gruppierung von moderaten und konservativen Parteianhängern hinter Buttigieg.

Michael Bloomberg wird noch groß ins Rennen einsteigen

So wie es im Moment aussieht, dürfte in diesem Rennen Sanders die besseren Chancen haben. Denn noch ist nicht klar, ob Buttigieg seine Erfolge auch in anderen Staaten anknüpfen kann. In South Carolina zum Beispiel sind ein Großteil der Wähler Afroamerikaner, und zu ihnen hat Buttigieg bisher keine Verbindung aufbauen können. Hier könnte sich Joe Biden unter den konservativeren Demokraten doch noch einmal durchsetzen und ihm wertvolle Delegiertenstimmen abjagen. Auch Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota, buhlt um die Stimmen der Moderaten. Und am großen Wahltag, dem Super Tuesday am 3. März, wird auch der ehemalige New Yorker Bürgermeister und Multimilliardär Michael Bloomberg groß ins Rennen einsteigen. Vor allem bei älteren, konservativen Demokraten ist Bloomberg noch immer beliebt. So kämpfen neben Buttigieg drei Kandidaten um die moderate Mitte, während Bernie Sanders nur mit Elisabeth Warren auf dem linken Flügel konkurriert. Und die hat mit sinkenden Umfragewerten zu kämpfen.

Deutlich aber ist nach Iowa und kurz vor der Abstimmung von New Hampshire: Buttigieg oder Sanders. Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten wird eher einer von den beiden - und wohl kaum mehr Joe Biden.

rw