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Exit Polls US-Wahl-Analyse: Trump kann bei Frauen, Latinos sowie Schwulen und Lesben punkten


Mehr weibliche Wähler, mehr Gutverdiener, mehr Schwule und Lesben - auch wenn Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl verlieren sollte, konnte er bei vielen Minderheiten zulegen, wie die Nachwahlbefragung ergeben hat. Kurios: 23 Prozent fürchten ihn. 

"Die Liberalen sagen, die Republikaner seien rassistisch, aber das sind sie nicht. Diese Demokraten haben uns Frauen und den Latinos ja fast schon verboten, die Republikaner zu wählen. Aber wir sind Freigeister. Mehr denn je haben wir Donald Trump gewählt." Trotzig und kämpferisch kommentiert Pam Bondi vom konservativen Sender Fox News den Wahlausgang. Mehr als ein Rückzugsgefecht sind ihre Worte nicht, erst kurz bevor sie diese Worte spricht, wurde bekannt, dass Herausforderer Joe Biden auch im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania führt – ein weiterer, wenn nicht der letzte Nackenschlag für die Konservativen.

Gleichwohl: Pam Bondi hat Recht. Wer auch immer die Präsidentschaftswahl gewinnt, er wird es äußerst knapp tun und beim Blick auf die Nachwahlbefragungen, für das Institut Edison Research 15.000 Interviews geführt hat, sind erstaunliche Details zu erkennen:

Auch wenn es Donald Trump bei weiblichen Wählern schwerer hatte als bei den männlichen – dieses Jahr haben mehr Frauen für ihn gestimmt als 2016. Damals hatte er bei ihnen einen Anteil von 43 Prozent, dieses Jahr waren es 49 Prozent. Joe Biden konnte übrigens mehr Frauen von sich begeistern als Hillary Clinton vor vier Jahren. 

Mehr Zustimmung für den Amtsinhaber kam auch aus Reihen der so genannten "People of Color" (PoC),  also der nicht-weißen Bevölkerung: 26 Prozent der Stimmen für Donald Trump stammt von Latinos, Afroamerikanern und asiatischstämmigen Amerikanern. Vor vier Jahren waren es noch 21 Prozent. Die größte PoC-Wählerschaft aller republikanischen Präsidentschaftskandidaten hatte übrigens Richard Nixon 1960 mit 32 Prozent.

Trump verdoppelt homosexuelle Wählerschaft

Verdoppeln konnte der US-Präsident auch den Anteil von homosexuellen und Transgender-Wählern. 28 Prozent von US-Bürgern, die sich selbst als schwul, lesbisch, bisexuell oder transgender betrachten, gaben an, für Trump gestimmt zu haben. Vor vier Jahren waren es 14 Prozent.

Donald Trumps Image als Minderheiten-Hasser scheint diese Minderheiten nicht davon abgehalten haben, ihn dennoch zu wählen. Laut Edison Research hat der US-Präsident in allen Wählergruppen zugelegt außer bei weißen Männern, die bislang als seine zuverlässigsten Anhänger galten.

Auch wenn in den Wahllokalen noch einige Tausend unausgewertete Wahlbriefe liegen, schon jetzt ist klar: Mit rund 69 Millionen Stimmen hat Donald Trump sieben Millionen Stimmen mehr bekommen als 2016. Und mit knapp 73 Millionen Wählern wäre Joe Biden der US-Präsident, mit den meisten Stimmen in der Geschichte des Landes. Insgesamt hat die Wahlbeteiligung um rund acht Prozent zugenommen.

54 Prozent der Trump-Wähler verdienen 100.000 US-Dollar im Jahr oder mehr. Die meisten Biden-Wähler (57 Prozent) verdienen 50.000 Dollar oder weniger.

Jeweils 49 Prozent der Wähler Trumps als auch Bidens sind Weiße mit Collegeabschluss.

Für Trump-Wähler waren folgende Themen am wichtigsten: Wirtschaft, Kriminalität/Sicherheit, Gesundheit, Corona, ethnische Probleme. Bei den Wählern Bidens war die Reihenfolge genau umgekehrt.

23 Prozent der Wähler Trumps fürchten ihn 

67 Prozent der Wähler von Joe Biden haben ihn gewählt, um Donald Trump zu verhindern. Dessen Wähler wollten jedoch nur zu 30 Prozent Biden verhindern.

23 Prozent der Trump-Wähler würden sich besorgt oder verängstigt fühlen, wenn ihr Kandidat das Präsidentschaftswahl gewinnen würde. Joe Biden kommt in dieser Kategorie immerhin noch auf 16 Prozent.

Quellen: Edison Research, "New York Times", CNN; Newsweek, Fox News

nik

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