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US-Wahlkampf: Angriff und Konter

US-Präsident George W. Bush, nach dem Parteitag im Aufwind, macht sich über seinen Herausforderer John Kerry lustig. Der will nicht ins Hintertreffen geraten und legt an Tempo zu. Bei einem Wahlsieg will er die US-Truppen im Irak abziehen.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat John Kerry hat die Irakpolitik von US-Präsident George W. Bush scharf angegriffen und im Falle seines Wahlsieges einen Truppenrückzug binnen vier Jahren angekündigt. "Es ist der falsche Krieg am falschen Ort zur falschen Zeit", sagte Kerry am Montag in Canonsburg (US-Bundesstaat Pennsylvania). Bush führe das Land in eine falsche Richtung. "Mein Ziel ist es, sie die US-Truppen möglichst in meiner ersten Amtszeit nach Hause zu holen", so Kerry. Die 200 Milliarden Dollar für den Krieg hätten auch für das Gesundheits- und das Sozialsystem ausgeben werden können, warf er dem Amtsinhaber vor.

Bush mache den Wählern etwas vor, wenn er von einem breiten Bündnis von Alliierten im Irak spreche, betonte Kerry. 90 Prozent der ausländischen Truppen im Irak stammten aus den USA, der amerikanische Steuerzahler komme für 90 Prozent der Besatzungskosten auf.

Bush reagiert mit Spott

Präsident Bush machte sich über Kerrys Äußerungen lustig und nannte sie einen neuen Beleg für die Wankelmütigkeit seines Herausforderers. "Mein Gegner ist heute Morgen mit neuen Beratern aufgewacht und schon hat er eine neue Position", sagte Bush auf einer Wahlkampfveranstaltung in Poplar Bluff (Missouri). Kerry hat in den vergangenen Wochen Mitarbeiter von Ex-Präsident Bill Clinton in sein Wahlkampfteam aufgenommen. Bush kritisiert, dass Kerry den Irak-Krieg zunächst unterstützt hatte, ihn dann mehrfach kritisierte, vor wenigen Wochen schließlich betonte, er hätte auch nach dem heutigen Wissensstand im Senat für den Krieg gestimmt.

Den US-Wahlkampf dominiert auch "9/11". Erstmals seit 1972 - damals ging es um Vietnam - steht die Sicherheits- und Außenpolitik im Zentrum des Kampfes um die Macht im Weißen Haus. Der Demokrat John Kerry will vor allem mit seinen Verdiensten im Vietnamkrieg belegen, dass er patriotisch, stark und kämpferisch ist. Bush versteht sich ohnehin als der eiserne "Kriegspräsident" in Zeiten "großer Gefahr für die Nation", wie er selbst immer wieder betont.

Spätestens seit "9/11" sieht sich Washington nach den beiden Weltkriegen und dem Kalten Krieg in einem neuen globalen Konflikt "historischen Ausmaßes": Im "Dritten Weltkrieg" der Moderne, diesmal gegen den internationalen Terrorismus, der den gesamten Westen politisch, kulturell und existenziell herausfordere. "9/11" und die politischen Folgen gehören so gut wie in jede Rede im Wahlkampf - viele Angehörige der Opfer fühlen deshalb die Tragödie politisch missbraucht, insbesondere von Bush. Die Furcht vor einem neuen verheerenden Terroranschlag in den USA ist aber in diesen Wochen vor der Präsidentenwahl am 2. November Dauerthema in Medien und Politik.

Umfragen sehen Bush deutlich vor Kerry

Bush führt nach den jüngsten Umfragen deutlich vor Kerry. Einer am Dienstag veröffentlichten Gallup-Umfrage zufolge erklärten 52 der Befragten, sie wollten für Bush stimmen, Kerry käme nur auf 45 Prozent, der unabhängige Kandidat Ralph Nader auf 1 Prozent. Bei einer Gallup-Umfrage vor dem Parteitag der Republikaner vergangene Woche hatte Bush nur mit zwei Prozentpunkten geführt. In der bisher zentralen Frage dieses Wahlkampfs, dem Thema Terrorismus-Bekämpfung, führt Bush sogar mit 27 Prozentpunkten vor Kerry, so die Zeitung "USA Today", die gemeinsam mit dem Sender CNN wöchentlich die Gallup-Umfrage in Auftrag gibt.

DPA/AP / AP / DPA