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US-Wahlkampf in der Endphase: Obama und Romney fechten um Ohio

Im Wahlkampfendspurt ringen US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney vor allem um Ohio. Der Bundesstaat könnte das Zünglein an der Waage sein.

In dem Bundesstaat Ohio im Mittleren Westen, der bei der Wahl am Dienstag zum Königsmacher werden könnte, präsentiert sich Barack Obama vor allem als Retter der Autoindustrie. Mitt Romney versucht dagegen, die Staatshilfen für General Motors und Chrysler auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 mit einer Flut von Wahlspots zu diskreditieren. Doch der Präsident kann in Ohio auf die Unterstützung der mächtigen Auto-Gewerkschaften bauen.

"Romney lügt", empört sich Dave Green, Gewerkschaftsführer aus dem kleinen Ort Lordstown im Nordosten Ohios. Mehrmals am Tag sieht er einen Wahlspot des Republikaners im Fernsehen, der Angst davor schürt, dass Autokonzerne wegen Obamas Rettungsaktion Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Chrysler werde seinen Jeep künftig nicht mehr in Toledo in Ohio, sondern in China fertigen, wird in dem Spot behauptet. Green rief seine Kollegen in Toledo an: "Die haben mir gesagt, dass das alles Quatsch ist. Sie schaffen sogar neue Jobs."

Jeder achte Arbeitsplatz hängt in Ohio von der Autoindustrie ab, die in der schweren Rezession am Rande des Zusammbruchs stand. Obamas Regierung bewahrte GM und Chrysler damals vor der Pleite, insgesamt flossen etwa 80 Milliarden Dollar an den Autosektor. Romney hatte dagegen gefordert, dass die beiden Konzerne ein Insolvenzverfahren ohne Staatshilfen durchlaufen.

Angst vor Republikaner-Sieg

Nach einer Umstrukturierung sind GM und Chrysler mittlerweile wieder erfolgreich. "Ich weiß, dass es richtig war, auf die amerikanischen Arbeiter zu setzen", sagte Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung am Freitag in Ohio. "Diese Wette hat sich ausgezahlt." Romney warf er vor, den Angestellten der Autoindustrie mit seinen Wahlspots einen Schrecken einzujagen, nur um sich einige Stimmen zu sichern.

In Lordstown leben etwas mehr als 3400 Menschen. Die Ortschaft hat eine große Straßenkreuzung, einen kleinen Supermarkt, viel Weidefläche - und ein stattliches Werk von General Motors. Die Arbeiter fertigen hier den Mittelklassewagen Chevrolet Cruze. Rund 5000 Auto-Jobs gibt es in Lordstown, wenn Zulieferer wie das österreichisch-kanadische Unternehmen Magna dazugezählt werden. Einst habe der GM-Standort sogar 12.000 Angestellte gehabt, erinnert sich der Bürgermeister von Lordstown, Arno Hill. "Wir haben mittlerweile mehr Pensionäre von GM, die in unserem Ort leben, als aktive Angestellte."

Die meisten Arbeiter sind in der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) organisiert. Anführer Green schaudert bei dem Gedanken an einen Sieg der Republikaner bei der Wahl am Dienstag. "Romney hat sehr klar gemacht, dass er die Gewerkschaften angehen wird", sagt er. "Präsident Obama glaubt dagegen, dass die Organisation von Arbeitern in Amerika dazugehört."

Gewerkschaften unterstützen Obama

Die UAW macht im GM-Werk in Lordstown Wahlkampf für Obama. "Wir sprechen die Arbeiter an, fragen sie, wo sie stehen," sagt Green. Gut 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder seien auf der Seite der Demokraten. "Für den Rest sind bestimmte Fragen wie Religion oder Waffenrechte wichtiger", sagt er.

Die Gewerkschaft in Lordstown unterstützt die Demokraten auch bei der Jagd nach Stimmen außerhalb der Autoindustrie. Mitglieder helfen als Freiwillige in den Telefonzentren in Obamas Wahlkampfbüros aus und gehen in der Region von Haustür zu Haustür. "Der Präsident hätte keine Chance, Ohio zu gewinnen, wenn es die Rettung der Autoindustrie nicht gegeben hätte", sagt Dave Beachers, der örtliche Vorsitzende der Demokraten. Die UAW sei "sehr aktiv" im Wahlkampf, hunderte Gewerkschafter würden bei der Mobilisierung helfen.

Meinungsforscher sagen einen knappen Wahlausgang für Ohio voraus, in Umfragen lag Obama aber durchgehend vor seinem Herausforderer. Der Webseite realclearpolitics.com zufolge hat der Präsident derzeit im Schnitt einen Vorsprung von knapp drei Prozentpunkten. Dave Green ist optimistisch: "Ich glaube, dass wir diesen Vorsprung halten werden und dass Ohio für Obama die Präsidentschaft gewinnt."

ivi/AFP / AFP