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US-Wahlparteitag in Florida: Republikaner küren Romney zum Herausforderer Obamas

Tumulte auf dem Parteitag: Die US-Republikaner haben Mitt Romney zum Präsidentschaftskandidaten ernannt. Doch in Tampa wird auch deutlich, dass der 65-Jährige nicht die ganze Partei hinter sich hat.

Der Ex-Gouverneur und Multimillionäre Mitt Romney tritt bei der US-Präsidentenwahl im Herbst gegen Amtsinhaber Barack Obama an. Das hat der Parteitag der Republikaner am Dienstag in Tampa in Florida offiziell entschieden. Zugleich verabschiedeten die Delegierten ein Wahlprogramm, in dem sie den weltweiten Führungsanspruch der USA betonen. Das strikt konservative Programm bekräftigt ausdrücklich das Recht auf das Tragen von Waffen. Die Europäer werden indirekt aufgefordert, ihre Militärausgaben nicht weiter zu kappen.

Bei dem Parteitag wurden aber auch innerparteiliche Konflikte sichtbar. Es kam zu turbulenten Szenen und offenen Protesten. Anhänger des radikalliberalen Ron Paul reagierten mit wütenden Buh-Rufen auf eine Änderung der Parteitagsstatuten, von der sie sich benachteiligt fühlen. Ron Paul ist ein unbequemer, ein schwieriger Parteigenosse. Er will die US-Zentralbank Fed abschaffen und zum Goldstandard zurückkehren. Das ist in den USA zwar nicht mehrheitsfähig, doch Romney darf die Basis nicht verprellen.

Ein Höhepunkt war die offizielle Nominierung Romneys durch die Delegierten der Bundesstaaten. Doch ein paar Stimmen fallen auf Ron Paul ab, etwa drei aus Georgia und drei aus Hawaii. Aus Iowa kommen sogar 22 Stimmen für Paul, lediglich sechs für Romney. Muss den Kandidaten das irritieren? Eines ist sicher: Die ganze Partei hat Romney nicht hinter sich.

"In allen Ecken des Landes herrschen Zweifel und Angst"

Romney - der erst später auf dem Parteitag erschien – erhielt dennoch eine klare Mehrheit der rund 2000 Delegierten. Danach brach minutenlanger Jubel aus, Musik heizte die Stimmung zusätzlich an.

In dem Wahlprogramm betonen die Republikaner ihre Überzeugung, dass "unser Land einen einzigartigen Platz und eine einzigartige Rolle in der menschlichen Geschichte hat". Die USA seien für "Frieden durch Stärke".

Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, appellierte an seine Parteifreunde, Amerika aus der Krise zu führen. "In allen Ecken des Landes herrschen Zweifel und Angst", erklärte er unter dem Jubel der Delegierten. "Die Probleme sind riesig und die Lösungen nicht schmerzlos."

Die Charme-Offensive startet Ehefrau Ann

Die Republikaner schossen sich am Eröffnungstag der - wegen des Hurrikans "Isaac" um einen Tag verzögerten - National Convention auf die Wirtschaftspolitik von Obama ein. So warf ihm etwa der Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, vor, nicht genug Arbeitsplätze zu schaffen und nichts gegen das ausufernde Staatsdefizit zu tun. "Wir können das besser. Wir können das sogar viel besser. Es fängt damit an, den Politiker rauszuschmeißen, der es einfach nicht kapiert - und einen Präsidenten zu wählen, der den Durchblick hat."

Romneys Rede am Donnerstag soll der Höhepunkt des Parteikonvents werden. Er muss dabei eine gute Figur abgeben, da er in Umfragen mit Obama gleichauf oder leicht zurückliegt. Die Republikaner hoffen vor allem, Romneys "menschliche" Seite herauszustreichen, da viele Wähler den ehemaligen Manager einer Beteiligungsgesellschaft für einen prinzipien- und rücksichtslosen Geschäftsmann halten.

Den Anfang dieser Charme-Offensive machte Romneys Ehefrau Ann. "Ihr könnt Mitt vertrauen", rief sie den Delegierten zu. Ann Romney bemühte sich vor allem, das Image ihres Mannes zu verbessern und ihn als warmherzig und liebevoll darzustellen. Kritiker meinen, Romney wirke oftmals kühl und verschlossen.

jar/DPA/Reuters / DPA / Reuters