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Auch Deutscher sitzt in Haft: Regime hält US-Reporter stundenlang fest: "Stellen Sie sich vor, was mit den Venezolanern passiert"

Regierungstreue Sicherheitskräfte haben in Venezuela ein US-Fernsehteam über Stunden festgesetzt und ihm sogar die Verschleppung angedroht. Auch ein deutscher Journalist ist offenbar Repressalien ausgesetzt.

US-Journalist Jorge Ramos wurde in Venezuela festgesetzt

In Venezuela festgesetzt: US-Journalist Jorge Ramos und sein Team

AFP

Die Lage im südamerikanischen Krisenstaat Venezuela spitzt sich immer weiter zu: In dem Machtkampf zwischen (Noch)-Präsident Nicolás Maduro und seinem selbsternannten Nachfolger Juan Guaidó gehen die regierungstreuen Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Oppositionanhänger vor. An der Grenze zu Brasilien wurden zuletzt vier Menschen bei Zusammenstößen getötet, an der Grenze zu Kolumbien sollen nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP Hunderte Menschen verletzt worden sein.

Kritische Fragen zur Lage in Venezuela

Wie prekär die Menschenrechtslage in dem Land ist, zeigt auch ein Vorfall, in den eine US-amerikanische Fernsehcrew verwickelt war. Nachdem der in den USA bekannte Reporter Jorge Ramos vom Sender Univision am Montag ein Interview mit Machthaber Nicolás Maduro geführt hatte, sollen der Journalist und seine fünf Teammitglieder stundenlang festgesetzt worden sein.
Ramos habe dem Präsidenten mehrere kritische Fragen gestellt, berichtet sein Arbeitgeber. Unter anderem habe er Maduro Aufnahmen von Kindern gezeigt, die in dem von Armut gebeutelten Land auf der Suche nach Essen in einem Müllwagen wühlten. 

"Ich habe ihn gefragt, ob er sich als Präsident oder als Diktator sehe, weil Millionen von Venezolanern in ihm nicht den rechtmäßigen Anführer ihres Landes sehen", sagte der Reporter. Maduro habe daraufhin das Interview nach einer guten Viertelstunde abgebrochen.

Der Journalist berichtet, er und sein Team seien danach über drei Stunden gegen ihren Willen in einem Zimmer ohne Licht im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Caracas festgehalten worden, ihre Kameras und Handys seien durchsucht und beschlagnahmt worden. Zudem sei dem Team für den Fall von Widerstand die Verschleppung angedroht worden.

Journalist Jorge Ramos will das Land verlassen

Ramos reagierte nach der Freilassung entsetzt auf die Behandlung durch die Maduro-treuen Sicherheitskräfte: "Das ist eine Verletzung der Meinungsfreiheit, eine Verletzung der Menschenrechte, eine Verletzung der Rechte aller Journalisten", sagte der Reporter. Er will nun im Laufe des Tages gemeinsam mit seinen Kollegen das Land verlassen – ohne die beschlagnahmte Ausrüstung.

Die für Lateinamerika zuständige US-Diplomatin Kimberley Breier twitterte nach dem Vorfall: "Die Nachricht von der Festnahme und der Beschlagnahmung der Ausrüstung ist die jüngste Erinnerung daran, dass die Pressefreiheit in Venezuela nur jenen zugestanden wird, die die Lügen des Regimes verbreiten."

Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) erklärte, es sei in Zeiten der politischen Krise unabdingbar, den Menschen in Venezuela das Recht auf Informationen zu gewährleisten. In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen (ROG) lag Venezuela im vergangenen Jahr auf dem 143. von 179 Plätzen. "Polizei und Geheimdienst gehen rigoros gegen Medienberichte über die wirtschaftliche und politische Dauerkrise vor. Journalisten werden willkürlich festgenommen und in Verhören misshandelt, ihre Ausrüstung zerstört, ausländische Reporter abgeschoben", heißt es in dem Jahresbericht der Organisation von 2018. Inzwischen befinde sich die Zensur in dem Land auf einem "neuen Höhepunkt".

Unter anderem befindet sich dort nach ROG-Angaben der deutsche Journalist Billy Six in Haft. Ein Militärgericht wirft ihm demnach Spionage, Rebellion und die "Verletzung von Sicherheitszonen" vor. Das Verfahren sei eine "Farce", so der ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. Es handele sich um ein "politisches Verfahren". Six arbeitete laut ROG unter anderem für die rechtskonservativen Medien "Junge Freiheit" und "Deutschland-Magazin".

Der vorübergehend festgenommene US-Journalist Jorge Ramos erklärte zu der sich zuspitzenden Lage in Venezuela: "Wenn dies ausländischen Journalisten passiert, stellen Sie sich vor, was mit den Venezolanern passiert."

Quellen: Univision, CBS News, Reporter ohne Grenzen, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

wue