Trotz Kritik und Protesten hat in Tschechien das traditionelle Pfingsttreffen der Sudetendeutschen begonnen. Der sogenannte Sudetendeutsche Tag findet in diesem Jahr erstmals in der nach dem Zweiten Weltkrieg verlorenen Heimat statt. Bei einem Begegnungsfest im Stadtzentrum von Brünn (Brno) trafen sich Vertriebene und Tschechen an einem langen Tisch bei Musik und Tanz. "Für mich ist das der größte Tag seit der Wende", sagte ein Teilnehmer, selbst Sohn eines Tschechen und einer Deutschen.
Die Eröffnungsveranstaltung in Kooperation mit dem Dialogfestival "Meeting Brno" fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Nur wenige Dutzend Meter entfernt hielten Gegendemonstranten ein Spruchband mit der Aufschrift "Gegen eine weitere Aufweichung der Benes-Dekrete" hoch. Die Präsidentendekrete bildeten nach dem Zweiten Weltkrieg und den Schrecken der Nazi-Besatzung die Grundlage für die Vertreibung von rund drei Millionen Deutschen aus der damaligen Tschechoslowakei.
Hauptveranstaltung am Sonntag
Bereits am Vorabend hatte der Sprecher der Sudetendeutsche Volksgruppe, der CSU-Politiker Bernd Posselt, am Brünner Hauptbahnhof der Opfer des Holocaust gedacht. Zur Hauptveranstaltung auf dem Messegelände am Sonntag wird unter anderem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erwartet. Bayern übernahm 1954 offiziell die Schirmherrschaft über die Volksgruppe. Das diesjährige Motto des Treffens lautet "Alles ist Begegnung". Die Minister der tschechischen Regierung des Milliardärs und Rechtspopulisten Andrej Babis wollen dem Treffen fernbleiben.
Sudetendeutscher Tag, auf Deutsch Dossier zur Vertreibung der Bundeszentrale für politische Bildung Festival "Meeting Brno", auch auf Deutsch