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Verwundeter Präsident in Saudi-Arabien: Opposition im Jemen bejubelt Sieg über Salih

War das das Ende seiner Macht? Der bei einem Anschlag verwundete jemenitische Präsident Ali Abdullah Salih wird in Saudi-Arabien medizinisch versorgt. Im ganzen Land gehen Tausende Regierungsgegner auf die Straßen und feiern das Ende seiner Herrschaft.

In mehreren Städten im Jemen haben am Sonntag Tausende von Menschen die Ausreise des verletzten Präsidenten Ali Abdullah Salih nach Saudi-Arabien gefeiert. "Es ist vorbei, das Regime ist gestürzt", riefen viele vor der Universität in der Hauptstadt Sanaa, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. "Heute ist ein neuer Jemen geboren", skandierten andere an dem zentralen Ort der monatelangen Proteste gegen Salih. Auch die Aktivistin Shatha al-Harazi berichtete von singenden und feiernden Menschen, die diesen Schritt als einen Sieg ansähen. Das Staatsfernsehen sendete indes Durchhalteparolen zur Unterstützung der Regierung.

Bei einem Anschlag am Freitag war Salih schwer verletzt worden. Nach der Ankunft in Riad sei der Präsident in ein Militärkrankenhaus in Riad gebracht worden, meldete der Nachrichtensender Al-Dschasira. Nach der Explosion einer Granate stecke in der Herzgegend des 69-jährigen Salih ein Schrapnell von 7,6 Zentimeter Länge, berichtete der britische Rundfunksender BBC unter Berufung auf Regierungskreise.

Vize-Präsident trifft US-Botschafter

Die Opposition fordert seit Monaten mit Massendemonstrationen den Rücktritt des seit 1978 herrschenden Präsidenten. Der blutige Machtkampf zwischen Salih und einflussreichen Gegnern aus seinem eigenen Haschid-Stamm war in den vergangenen Tagen eskaliert. Salihs Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi, der die Amtsgeschäfte des Präsidenten vorübergehend übernommen hat, traf sich nur wenige Stunden nach Salihs Ausreise mit dem US-Botschafter Gerald Feierstein, wie der Nachrichtensender Al-Arabija meldete.

Die USA messen dem Jemen große Bedeutung bei, weil das arabische Land ein Rückzugs- und Rekrutierungsland für das Terrornetzwerk al Kaida ist. In den vergangenen Jahren hatte die US-Armee mehrfach mit Duldung Salihs im Jemen Terrorverdächtige mit Kampfdrohnen getötet.

Ungeachtet einer von Saudi-Arabien vermittelten Waffenruhe haben Augenzeugen am Sonntag erneut Schüsse und Explosionen in Sanaa vernommen. Zehn Menschen seien bei einem Granatenangriff auf ein Gebäude verletzt worden, das von abtrünnigen Militärs genutzt werde, berichtete Al-Dschasira. Die Schüsse waren nach Angaben der Augenzeugen vor allem im Stadtteil Hassaba zu hören, wo es in den vergangenen Wochen zu heftigen Kämpfen zwischen Salih-Anhängern und Mitgliedern des Hasched-Stamms gekommen war.

Staaten ziehen Diplomaten ab

Am Samstag hatten weitere Staaten ihre Diplomaten aus der hart umkämpften Hauptstadt Sanaa abgezogen. Auch Deutschland schloss vorübergehend seine Botschaft. Außenminister Guido Westerwelle forderte die rund 30 noch im Jemen verbliebenen Deutschen auf, sich in Sicherheit zu bringen. Die Bundesregierung folgte damit anderen Staaten. Auch Großbritannien appellierte an seine Bürger, den Jemen umgehend zu verlassen.

Die EU-Außenbeauftragte Cathrine Ashton verlangte einen sofortigen Waffenstillstand. Regierungstruppen und Stammesmilizen sollten sich zurückhalten und die "Eskalation der Gewalt" beenden, sagte Ashton in Brüssel. Die USA verurteilten die "sinnlose Gewalt" in dem vom Terror heimgesuchten Armenhaus der arabischen Halbinsel.

joe/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters