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Very British: Der Erzbischof und die Scharia

Große Aufregung in England: Plädierte der Erzbischof von Canterbury wirklich für die Einführung der Scharia in Großbritannien? In ihrer Kolumne "Very British" beschreibt stern-Korrespondentin Cornelia Fuchs, welch wichtige Debatte Rowan Williams im Grunde anstoßen wollte.

Der Aufschrei war groß, die Bilder von Auspeitschungen und abgetrennten Händen schrecklich. "Der Erzbischof von Canterbury hält die Einführung der Scharia für unvermeidlich", schrien die Schlagzeilen. "Bash the Bishop" folgte auf den Titelseiten der Boulevard-Zeitungen. Zurücktreten solle dieser Dr. Rowan Williams, sich entschuldigen, die lautesten Kommentatoren forderten gleich einen intellektuellen Bann des streitbaren anglikanischen Kirchenoberhauptes mit dem weißen Bart und Haupthaar.

Der sollte angeblich in einer Rede zur Eröffnung einer Konferenz über islamisches Recht die Einführung der Scharia in England gefordert, ja, dies in einem Radio-Interview der BBC sogar als "unvermeidlich" bezeichnet haben. Es gab keine englische Nachrichten-Sendung, die danach ohne Bilder aus Saudi-Arabien oder dem Iran auskam, die nicht streitbare Menschen zur Diskussion darüber einlud, ob die Scharia tatsächlich einen Platz habe in Großbritannien. Und was sich der Erzbischof bei solchen Gedanken gedacht haben könne.

Entschuldigung mit einer feinen Prise Ironie

Der hat sich nun bei seiner Synode und bei seiner ganzen englischen Gemeinde entschuldigt - jedoch nicht für seine Rede über islamisches und englisches Recht. Sondern dafür, dass er seine Worte offensichtlich so schlecht gewählt habe, dass sie in dieser Preisklasse missverstanden werden konnten. Williams zitierte mit feiner englischer Ironie einen historischen Text über eine Studenten-Vereinigung: "Die vorherrschende Stimmung war die des heftigen Widerspruchs zu Dingen, die der Sprecher nie gesagt hatte."

Und wer sich in Ruhe die Williams Rede durchliest, der muss dem Erzbischof zustimmen - die Aufregung war eine große, aber sie beschäftigte sich nicht wirklich mit den geäußerten Ideen.

Rowan Williams war weit entfernt davon in seiner Rede die Einführung der Scharia zu fordern. Ganz im Gegenteil warnte er sogar vor der Gefahr, dass "Primitivisten" unter dem Deckmantel unbeaufsichtigter religiöser Hinterhof-Gerichte die Menschenrechte ihrer eigenen Gläubigen beschneiden könnten, insbesondere die Rechte von Frauen.

Was Williams wirlich will

Was Rowan Williams jedoch unvermeidlich findet, ist die Beschäftigung mit den Bedürfnissen der islamischen Minderheit in England - und die Vereinbarkeit dieser Bedürfnisse mit dem bestehenden Gesetz. Als Beispiel nennt er die islamischen Wirtschafts-Gesetze, nach denen kein Zins verdient werden darf. In Großbritannien gibt es bereits einige Banken, die für islamische Kunden Konten ohne Zinsgewinne anbieten. Doch ganz entgegen der aufgeregten Diskussion will Williams wegen dieser Fragen kein zweites Gesetz in Großbritannien etablieren.

Was er jedoch will - und hier beginnt es ganz abseits von den Horror-Szenarien der britischen Zeitungen wirklich interessant zu werden - was Williams will, ist, dass die besonderen Bedürfnisse religiöser Menschen in einer immer mehr säkularisierten Gesellschaft wie Großbritannien mehr Beachtung finden. Als Beispiel führt er dabei gar kein islamisches an - sondern die katholischen Adoptionsagenturen, die sich im Königreich weigern, Kinder an homosexuelle Paare zu vermitteln. Sie haben deshalb die Lizenz zur Adoptionsanbahnung verloren.

Moralische Vorgaben der Religion contra weltlich geprägte Gesetzgebung

Williams dagegen pocht auf ein Recht der Gläubigen, ihren Glauben - wie im Fall der Adoptions-Organisation - gegen und trotz der Gesetze zu leben. Er sieht die Bruchstelle gar nicht zwischen einem islamischen und dem britischen Gesetz, sondern zwischen dem religiösen Subjekt und einem säkularisierten Gesetzgeber. Dessen Leitmotiv nennt er einen "legalen Universalismus", der, wenn er nicht von einem theoretischen, insbesondere religiösen Unterboden ausgehe, zu einem "sterilen Positivismus" verkomme.

Williams sieht sich als religiösen Mensch in Großbritannien durchaus nicht entfremdet von einer islamischen Minderheit, die ihre Religion so gut es geht unter britischen Gesetzen leben möchte. Stattdessen spricht er in seiner Entschuldigung davon, dass man den Trend im Auge behalten muss, der Gläubigen verbietet, nach den moralischen Vorgaben ihrer Religion zu leben. Er sieht diesen Trend auch als Gefahr für seine eigene Kirche.

Gesellschaft entfernt sich immer weiter von der Religion

Der wirklich interessante Diskussionspunkt liegt also gar nicht in der Frage, ob es bald in Großbritannien Peitschenschläge für Ehebruch geben wird (im Übrigen sowieso ein sehr umstrittener Teil einer überaus konservativen Interpretation der Scharia, der nicht von der Mehrheit der muslimischen Glaubensgruppen vertreten wird). Sondern es geht vielmehr darum, ob in einer Gesellschaft, die sich immer weiter von jeglicher Religion entfernt, noch Platz ist für die Vorgaben dieser Religionen. Oder, anders gesagt, ist das Recht des homosexuellen Paares, ein Kind zu adoptieren, inzwischen wichtiger, als das Recht der katholischen Vermittler, jeglichen Kontakt mit diesem Paar abzulehnen? Darf ein christlicher Arzt Abtreibungen ablehnen oder hat das Recht der Patientin auf eben diese Abtreibung Vorang? Was hat Vorrecht: das Recht eines Tieres oder die religiös vorgeschriebene Schlachtung?

Der britische Kolumnist David Aaronovitch sah nach genauem Studium der Rede des Erzbischofes entsprechend die Probleme ganz woanders als bei der Scharia: "Warum sollte diese Argumentation nicht von Scientologen aufgenommen werden, von Mormonen, von Fußball-Vereinen oder von irgendeiner Organisation, die soziale Identität schafft?" Warum, fragt er, sollte dann ein Taxifahrer und heißer Fan der Tottenham Spurs nicht einfach einen Arsenal-Fan aus seinem Taxi hinausschmeißen? Oder, anders gefragt, wenn Williams darauf besteht, dass Gläubige das Recht darauf haben, dass ihre religiösen Vorschriften ernst genommen werden und in Einzelfällen auch gegen geltende Gesetze wirken könnten - wie definiert er, wann dies zu weit gehen würde und plötzlich nicht mehr gilt? Wer kann was in Frage stellen? Welche Gesetze sind sakrosankt? Und welche können nach Belieben umgangen werden?

Das wäre die Debatte gewesen, die Williams hätte auslösen können. Und die irgendwann geführt werden muss.

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?