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Völkermord: Karadzic-Prozess startet am 26. Oktober

Der Völkermord-Prozess gegen den ehemaligen bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic beginnt nach mehreren Verzögerungen am 26. Oktober. Die endgültige Festsetzung eines Datums erfolge «im Interesse von Gerechtigkeit und Klarheit», erklärte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon.

Der Völkermord-Prozess gegen den ehemaligen bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic beginnt nach mehreren Verzögerungen am 26. Oktober. Diese endgültige Festsetzung eines Datums erfolge «im Interesse von Gerechtigkeit und Klarheit», erklärte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon in seiner am Donnerstag veröffentlichten Anordnung.

Spätestens bis zum 19. Oktober muss die Staatsanwaltschaft beim UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag eine gestraffte Version ihrer umfangreichen Anklageschrift vorlegen. Karadzic bekommt dann eine Woche Zeit, die nochmals leicht überarbeitete Anklage zu studieren. Dem einstigen Präsidenten der Republika Srpska in Bosnien und Herzegowina werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Fällen vorgeworfen, darunter Völkermord in zwei Fällen.

Karadzic soll einer der Hauptverantwortlichen für die Massaker an bis zu 8000 bosnischen Muslimen 1995 in der damaligen UN-Schutzzone Srebrenica sein. Sie gelten als die schwersten Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Karadzic und der damalige Kommandeur der bosnisch-serbischen Truppen, Ratko Mladic, waren dafür bereits 1995 angeklagt worden.

Ein Jahr später erließ das UN-Kriegsverbrechertribunal auch internationale Haftbefehle gegen sie. Der 67-jährige Mladic ist immer noch flüchtig. Der heute 64-jährige Karadzic hatte sich jahrelang unter falschem Namen in Belgrad aufgehalten, wo er mit einem Vollbart zur Gesichtstarnung unbehelligt als alternativer Arzt arbeitete. Er wurde schließlich im Juli 2008 festgenommen und an das UN-Gericht in Den Haag überstellt.

Vergeblich versuchte Karadzic vor dem Tribunal, den Prozess mit der Begründung zu verhindern, die USA hätten ihm 1996 Straffreiheit als Gegenleistung für sein Untertauchen zugesichert. Das Immunitätsversprechen sei vom damaligen US-Sondergesandten für den Balkan, Richard Holbrooke, abgegeben worden.

Der heutige US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, der damals Architekt des Dayton-Abkommens zur Beendigung des Bosnien- Konflikts war, hat die Darstellung Karadzics mehrfach als falsch zurückgewiesen. Zudem befand das Haager Gericht, dass es als unabhängige juristische Instanz ohnehin nicht an etwaige Zusagen durch Holbrooke gebunden wäre.

Das Tribunal lehnte auch einen Antrag des Angeklagten auf eine mehrmonatige Verschiebung seines Prozesses ab. Karadzic, der sich auf eigenen Wunsch mit Hilfe juristischer Berater selbst verteidigt, hatte geltend gemacht, dass er mehr Zeit benötige, um die tausende Seiten und Einzeldokumente umfassende und mehrfach überarbeitete Anklage zu studieren.

DPA / DPA