Vor Klimakonferenz in Kopenhagen EU kritisiert CO2-Zusagen als unzureichend


Wenige Tage vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen erhöht die Europäische Union ihren Druck auf China, die USA und Japan. Die bisherigen Angebote zum Kampf gegen die Erderwärmung seien "nicht genug", da müsse "mehr getan werden".

Die Europäische Union hat China, die USA, Japan und andere Länder eindringlich aufgefordert, größere Anstrengungen zur Verringerung der Treibhausgase zu unternehmen. Die Zusagen für den Klimagipfel in einer Woche in Kopenhagen seien nicht ausreichend, warnte der EU-Ratspräsident, Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt. "Was an globalen Bemühungen auf den Tisch gelegt worden ist, ist nicht genug", sagte Reinfeldt am Montag auf dem EU-China-Gipfel mit Regierungschef Wen Jiabao. "Es muss mehr getan werden."

Die USA hätten eine historische Verantwortung wegen der bereits angesammelten Treibhausgase und außerdem einen hohen Ausstoß an Kohlendioxid pro Kopf, hob er hervor. Aber auch China - mittlerweile der größte Treibhausgas-Verursacher weltweit - müsse vorangehen. "Wir können das Problem des Klimawandels für die Menschheit nicht lösen, wenn China nicht Führung und Verantwortung übernimmt."

Zu großen Anstrengungen ruft auch Gastgeberland Dänemark auf. Die dänische Regierung schlägt vor, die C02-Emissionen bis zum Jahr2050 um 50 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Nach dem dänischen Entwurf für eine Übereinkunft, den die Nachrichtenagentur Reuters am Montag einsehen konnte, sollen die Industrienationen mit 80 Prozent den Löwenanteil der Kürzungen tragen. Indien als eines der führenden Schwellenländer lehnte den Vorschlag indes umgehend als Weg in eine Sackgasse ab.

Erderwärmung soll 2020 ihren Höhepunkt erreichen

Dem Vorstoß aus Kopenhagen zufolge soll die Erderwärmung 2020 ihren Höhepunkt erreichen. Der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur soll auf zwei Grad begrenzt werden. Nicht genannt werden in dem Entwurf Zwischenziele für Industrienationen, wie sie von den Entwicklungsländern gefordert werden.

Der gastgebende dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen strebt ein politisch bindendes Abkommen an. In Anhängen sollen für jedes Land Verpflichtungen festgeschrieben werden. Auf der vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen geplanten Konferenz sollen die Grundlagen für ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Klimaprotokoll erarbeitet werden. Dieses war von 37 Industrienationen ratifiziert worden. Nicht dabei waren die USA, der nach China größte Klimaverschmutzer.

China fordert Geld und Technik

Die Verhandlungen vor dem Treffen sind vor allem in der Frage festgefahren, wer in welchem Ausmaß den Kohlendioxid-Ausstoß verringern muss - und wer die Kosten dafür übernimmt. Es wird erwartet, dass die führenden Schwellenländer China und Indien für die Dritte Welt eigene Vorschläge vorlegen werden. Die Entwicklungsländer verlangen für den Klimaschutz jährliche Hilfen im Milliardenbereich. Sie haben den Vorstoß von Frankreich und Großbritannien grundsätzlich begrüßt, einen mit jährlich zehn Milliarden Dollar gespeisten Fonds einzurichten, fordern aber erheblich höhere Mittel und haben bis zu 300 Milliarden Dollar ins Gespräch gebracht.

Gegenwärtig gibt es für die Entwicklungsländer keine bindenden Vorschriften für den Schadstoffausstoß. China und Indien sind jedoch grundsätzlich zu Kürzungen bereit, sofern ihnen die reichen Länder Geld und Technik zur Verfügung stellen.

DPA/Reuters/AFP DPA Reuters

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