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Vorwahlen in den USA: Republikaner träumen vom Super-Erlöser

Romney, Santorum, Gingrich - keiner kann die US-Republikaner überzeugen. Einige rufen nun sogar nach einem ganz neuen Kandidaten und wollen das Ergebnis des Super Tuesday ignorieren.

Von Nora Schmitt-Sausen

Wir haben nicht gut gewonnen, aber wir haben gut genug gewonnen. Und das ist es, was zählt." Dieser eigentlich aufmunternd gemeinte Satz von Mitt Romney nach seinem Vorwahl-Sieg in Michigan klang in den Ohren mancher wie eine Bankrotterklärung seiner Kandidatur. Denn er ist genauso wie sich der Multimillionär seit Monaten präsentiert: leidenschaftslos, minimalistisch, wenig überzeugend. Das gilt auch für seinen Erfolg wenige Tage später im Bundesstaat Washington. Romney ist wie ein lahmes Rennpferd, das es versäumt hat, aus dem Startblock heraus für klare Verhältnisse zu sorgen.

Wohl auch deshalb ebbt die Kritik an dem lauwarmen Dauerfavoriten des republikanischen Bewerberfelds trotz seiner Siege nicht ab. Nur leider überzeugen auch seine Mitbewerber wenig. Die Folge: Die Konservativen sehnen sich nach einem unverbrauchten Gesicht, das die tief zerstrittene Partei vereint. Sie träumen von einem "White Knight", einem Weißen Ritter, der mit Glanz und Gloria zur Hilfe eilt und der Vorwahl-Posse ein Ende setzt. Und das kurz vor dem Höhepunkt der US-Vorwahlen, dem Super Tuesday: Zehn US-Bundesstaaten stimmen am Dienstag amerikanerischer Zeit darüber ab, welcher Republikaner am 6. November den Demokraten Barack Obama herausfordern soll.

Kommt nun ein völlig neuer Kandidat?

Wer aus dem Super Tuesday als Sieger hervorgeht, ist also nicht unbedingt auf der sicheren Seite. Sollte Romney bis zum Nominierungsparteitag im August nicht genügend Delegiertenstimmen hinter sich vereint haben, wird über die republikanische Präsidentschaftskandidatur an Ort und Stelle entschieden. Es ist möglich, dass dann ein völlig neuer Kandidat das Rennen macht.

Einflussreiche konservative Kommentatoren und selbst einige Parteigrößen sprechen inzwischen laut aus, was schon lange hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird: Werft das aktuelle Bewerberfeld über den Haufen. "Wir sollten zum Parteitag fahren und ein frisches Gesicht küren", sagte Paul LePage, republikanischer Gouverneur in Maine, jüngst in einem Interview. Die Kandidatensuche sei zu schmutzig und verlogen verlaufen und schmälere die Chancen der Republikaner, im Herbst Barack Obama zu schlagen. Auch die Basis sei offen für ein solches Manöver, glaubt Steve Schmidt, Berater von John McCain in 2008. "Je länger dieses Rennen dauert, desto häufiger sagen die republikanischen Wähler 'Wir mögen keinen von ihnen, wir wollen neue Kandidaten im Rennen sehen'".

Chris Christie lässt die Konservativen träumen

Um Namen sind die Konservativen wieder einmal nicht verlegen. Der Protagonist der konservativen Träume ist Chris Christie, der schwergewichtige Gouverneur von New Jersey. Schon im vergangenen Jahr tauchte sein Name auf dem sich ständig drehenden Kandidatenkarussell auf. Er war ein besonders heiß gehandelter Bewerber. Im Herbst verzichtete Christie jedoch offiziell auf eine Kandidatur.

Doch keine Frage: Der 49-Jährige zählt zu den aufsteigenden Größen innerhalb der Partei. Nicht nur, weil er mit Nancy Reagan und Henry Kissinger prominente Befürworter hat. Auch die republikanische Basis findet Gefallen an ihm. Bei einer Umfrage der Qinnipiac Universität ist er klarer Favorit, sollten sich die Republikaner tatsächlich für einen neuen Kandidaten entscheiden. Doch Christie wiegelt ab. Er sei nicht daran interessiert als später Retter aufzutauchen.

Und schon wieder ein Bush

Neu auf dem republikanischen Radar ist der Name eines Mannes, der viele aufhorchen lässt: Jeb Bush. Er ist nicht nur ehemaliger Gouverneur des wichtigen Bundesstaates Florida, sondern hat einen bekannten Stammbaum. Jeb ist der Bruder von George W. Bush. Während die einen beim Namen Bush frohlocken, löst er bei anderen blankes Entsetzen aus.

Denn das Ex-Staatsoberhaupt gilt laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup einer der schlechtesten US-Präsidenten des vergangenen Jahrhunderts. Dieser (gedanklichen) Verbindung könne Jeb Bush kaum entkommen. Dennoch: Das Getuschel um Bush nimmt eher zu als ab. Zumal sich der 59-Jährige selbst zu Wort meldet - und Romney und seine Rivalen lautstark kritisiert.

Selbst Sarah Palin ist wieder im Gespräch

Ein Bewerber ganz anderen Kalibers wäre Mitch Daniels, amtierender Gouverneur von Indiana. Er gilt als seriöser und versierter Politiker. Der 62-Jährige könnte einen starken Gegenpol zu Langweiler Romney, Super-Christ Rick Santorum und Lautsprecher Newt Gingrich darstellen. Doch so sehr ihn einige treiben: Auch Daniels wiegelt ab.

In der blanken Verzweiflung über das aktuelle Bewerberfeld fällt gar der Name von einer, die längst abgeschrieben schien: Sarah Palin. Die ehemalige Gouverneurin von Alaska und einstige "running mate" von John McCain hatte lange Zeit mit einer Bewerbung kokettiert. Mangels Unterstützung nahm sie von der Kandidatur Abstand. Aus der aktuellen Diskussion hält sie sich heraus. Nur so viel: Es gebe Schlimmeres als eine Vorwahl, die sich bis zum Parteitag hinziehe. "Es ist noch viel Raum für Debatten und Diskussion. Ich würde niemanden ermuntern, das Feld zu räumen."

Bei dieser Vorwahl ist alles möglich

Last but not least werden der Budget-Experte Paul Ryan und Floridas Star-Latino Marco Rubio als mögliche Erlöser gehandelt. Potentielle Obama-Schasser sind bei dieser Vorwahl schnell aus dem Hut gezaubert. Besonders Fantasievolle wollen gar, dass einer der Genannten noch in diesem Monat in den Ring steigt. Sie schauen auf den Super Tuesday am Dienstag und beobachten, ob sich einer der aktuellen Bewerber deutlich absetzen kann. Am Super Tuesday wird in zehn Bundesstaaten gewählt.

Noch sind die Spekulationen um den "White Knight" weit von der politischen Realität entfernt. Allein schon deshalb: Wichtige Deadlines, um sich in die Vorwahl einzuschalten, sind längst verstrichen. Personal und Finanzen für eine landesweite Kampagne müssten quasi über Nacht bereit stehen. Und mit einem öffentlich ausgetragenen Showdown auf dem Parteitag könnte sich die republikanische Partei letztendlich mehr schaden als nutzen.

Andererseits hat die Kandidatensuche der Republikaner eines bewiesen: Bei dieser Vorwahl ist alles möglich.

  • Nora Schmitt-Sausen