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Waffengewalt in den USA New York kämpft gegen die nächste Krise – die zuletzt tödlicher war als das Coronavirus

Andrew Cuomo, Gouverneur von New York
Andrew Cuomo, Gouverneur von New York
© Spencer Platt / Getty Images / AFP
New Yorks Gouverneur wähnt seinen Bundesstaat in einer Krise. Erneut. Neben dem Coronavirus soll nun auch die rasant steigende Schusswaffengewalt eingedämmt werden.

Es geht ums Überleben, sagt Andrew Cuomo. "Es geht darum, Leben zu retten", wie er am Dienstag erklärt, "und New Yorks Zukunft hängt davon ab." Der Gouverneur wähnt seinen Bundesstaat in einer Krise. Erneut. "Wenn man sich die aktuellen Zahlen ansieht, sterben jetzt mehr Menschen an Waffengewalt und Verbrechen als an Covid." 

Nicht lange nachdem das Coronavirus im vergangenen Jahr über New York hereingebrochen war – und New York City, den Big Apple, zeitweise zum weltweiten Hotspot avancieren ließ – nahm auch die Waffengewalt in dem Bundesstaat rasant zu. In einigen Großstädten New Yorks sogar um bis zu 75 Prozent, wie die "New York Times" berichtete. Nun zieht sich das Virus zwar zurück, doch die Gewalt mit Schusswaffen bleibt weiterhin hoch.

New York ruft den "Katastrophennotfall" aus

Der Bundesstaat hat nun den "Katastrophennotfall" ausgerufen, um den tödlichen Trend umzukehren. Gouverneur Cuomo will 139 Millionen Dollar (etwa 117 Millionen Euro) zur Verfügung stellen, um etwa eine Spezialeinheit zur Bekämpfung des Schusswaffenhandels und Präventionsprogramme zu schaffen.

Der Bundesstaat müsse nun eingreifen, erklärte Cuomo, um der Gewalt entgegenzuwirken, die mittlerweile einen höheren Tribut als das Coronavirus fordere. Normalerweise sind die örtlichen Behörden zuständig.

Nach Angaben des Gouverneurs wurden über das Nationalfeiertagswochenende rund um den 4. Juli allein im Bundesstaat New York 51 Menschen getötet – während im Zusammenhang mit dem Coronavirus 13 Menschen ums Leben kamen. Eine erschütternde Bilanz, die für weite Teile der USA zutrifft (der stern berichtete). Und augenscheinlich Indiz ist für ein immer größer werdendes Problem.

Allein in New York City zählten die Polizeibehörden für das gesamte Jahr 2020 mehr als 1500 Schießereien, wie die "New York Times" berichtete, und damit fast doppelt so viele wie 2019. Ein erschreckender Wert, der seit Anfang der 2000er nicht mehr erreicht worden sei. 

Jobs, Jobs, Jobs

Der Wiederanstieg hänge auch mit der Pandemie zusammen, zitierte die Zeitung Nick Suplina, Geschäftsführer einer Non-profit-Organisation, die sich für mehr Waffensicherheit in den USA einsetzt. "Die Gemeinden brauchen dringend eine Antwort der Regierung", sagte er, "und diese haben wir heute vom Gouverneur gesehen."

Wie aus einer Pressemitteilung von Cuomos Büro hervorgeht, teilt New Yorks Regierung Suplinas Einschätzung. Demnach trage unter anderem der "destabilisierende Einfluss" der Pandemie auf Schulen und Arbeitsplätze zur zunehmenden Waffengewalt bei. Der Bundesstaat will daher einen Großteil des Geldes, rund 76 Millionen Dollar, in die Schaffung von rund 21.000 Arbeitsplätzen und Aktivitäten für jüngere Menschen investieren, die Opfer oder Täter von Schusswaffengewalt werden könnten. Nach Angaben von Cuomos Büro würden allein Sommerjobs die Wahrscheinlichkeit um 45 Prozent senken, dass Jugendliche in Schusswaffengewalt verwickelt werden könnten – allerdings ohne näher auf die entsprechende Untersuchung einzugehen.

Außerdem will Cuomo einen an die Gesundheitsbehörden angebundenen Beauftragten zur Prävention von Waffengewalt ernennen. Er soll an der Schnittstelle von Sozialdiensten, Gefängnisanstalten, Polizeikräften und anderen Behörden agieren. Cuomo unterzeichnete außerdem einen neuen Rechtstext, der es Zivilisten erleichtern soll, Klagen gegen Waffenhersteller und -händler einzureichen – Waffenhersteller sind US-weit bislang weitgehend haftungsbefreit. Ein weiteres Gesetz soll verhindern, dass gesuchte Verbrecher eine Waffe erwerben können.

Für Cuomo geht es dabei ums Überleben, wie er in einer Pressekonferenz erklärte – um das Leben von Menschen, aber auch von New York. "Die Leute kommen nicht in diese Stadt zurück", sagte er in New York City, "sie kommen in keine Stadt zurück, bis sie wissen, dass sie in Sicherheit sind." Der Bundesstaat mag sich erfolgreich aus der Coronakrise gekämpft haben, doch nun steht die nächste Mammutaufgabe bevor. 

Quellen:"New York Times", mit Material der Nachrichtenagentur AFP

fs

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