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Waffengewalt Blutiges Feiertagswochenende: In den USA sterben 150 Menschen bei 400 Schießereien

Chicago Schießerei
Polizeieinsatz nach einer Schießerei in Chicago Ende Juni: Die Stadt hat ein erhebliches Problem mit Gewalt
© Scott Olson/Getty Images / AFP
Ein sechsjähriges Mädchen stirbt bei einer Schießerei. In Chicago sind es 14 Menschen. Auf einem Golfplatz liegen drei Leichen, darunter ein Profigolfer, mit einer Kugel im Kopf. Die Gewaltbilanz am Feiertagswochenende in den USA ist erschütternd.

Die Polizei von Kennesaw im US-Bundesstaat Georgia hat drei Leichen auf einem Golfplatz gefunden – eines der Opfer ist der bekannte Profi-Golfer Gene Siller. Die Beamten fanden ihn mit einer Schusswunde am Kopf. Er starb noch vor Ort. In einem Pick-up-Truck in unmittelbarer Nähe lagen die Leichen zwei weiterer Menschen – auch sie hatten Schussverletzungen. Medien berichten unter Berufung auf Zeugen, dass der Truck auf den Golfplatz gefahren sei und Golfer Siller habe nachsehen wollen, was passiert sei. Dabei sei er erschossen worden.

150 Tote an einem Wochenende

Die Opfer sind nur drei von mindestens 150 Menschen, die am Nationalfeiertagswochenende rund um den 4. Juli erschossen wurden, wie aus der Statistikseite "Gun Violence Archive" hervorgeht. In Norfolk, Virginia starben vier Kinder, darunter ein sechsjähriges Mädchen. In Chicago wurden 83 Menschen angeschossen, darunter ebenfalls eine Sechsjährige sowie ein Fünfjähriger, 14 Personen starben. Unter den Verletzten befanden sich zwei Polizeibeamte.

Seit Jahren schon steigt die Zahl der Toten durch Schusswaffen in den USA wieder stark an. Waren es 2012 noch ungefähr 12.000 Menschen (ohne Suizide), lag ihre Zahl 2020 schon bei mehr als 15.000 – die Zahl der Verletzten ist ungefähr doppelt so hoch. Laut des Weißen Hauses in Washington hat die Zahl der Tötungsdelikte im ersten Quartal dieses Jahres um 24 Prozent im Vergleich mit dem ersten Quartal des vergangenen Jahres zugenommen und um 49 Prozent zu 2019.

Allein in New York hat die Polizei 40 Prozent mehr Zwischenfälle mit Waffen registriert als im ersten halben Jahr 2020: 767 Schießereien mit 885 Opfern, wie US-Medien berichten. Auch erlebt Chicago seit Jahren eine Welle von Gewalt und Morden, auch wenn die Zahlen zuletzt wie jetzt am Wochenende ganz leicht rückläufig sind. Konservative Politiker beschuldigen die demokratischen Bürgermeister, die sowohl Chicago (Lori Lightfoot) als auch New York City (Bill de Blasio) regieren, zu lasch gegen Kriminelle vorzugehen. In der Ostküstenmetropole wird 2022 das nächste Stadtoberhaupt gewählt, derzeit liegt mit dem Ex-Polizisten Eric Adams ein Kandidat der Demokraten vorne, der mit "sicheren Straßen für New York" wirbt.

Weiter keine Verschärfung der Gesetze

Auch US-Präsident Joe Biden beschäftigt das Thema Waffengewalt. Er selbst und viele seiner Parteifreunde fordern schon lange strengere Regelungen für den Besitz von Pistolen und Gewehren, doch der Widerstand dagegen ist riesig. Zudem liegt die Hoheit darüber bei den einzelnen Bundesstaaten, so dass Washington ohnehin nur eingeschränkt Einfluss hat. Zuletzt hatte Biden eine neue Strategie gegen Gewaltkriminalität vorgestellt. Unter anderem soll das FBI stärker gegen organisierte Kriminalität vorgehen und Waffenhändler bestraft werden, die ihre Produkte an nicht berechtige Bürger verkaufen oder diese nicht ausreichend prüfen.

Europäische Vergleichszahlen gibt es in der Form nur für einzelne Länder. In Schweden zum Beispiel, EU-weit vorne was Waffengewalt betrifft, gab es 2019 knapp 50 Schießereien. Die Mordrate dort lag 2017 bei 1,08 – das heißt, auf 100.000 sterben 1,08 Menschen durch die Hand anderer. Europaweit lag die Quote bei 0,7 (Deutschland 0,44), in den USA bei 5,32.

Quellen:CNN, DPA, AFP, "Tagesanzeiger", Gun Violence Archive, "Handelsblatt" , Statista, "New York Post", CBS Chicago


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