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Wahlempfehlung aus New York: Obama erobert Bloomberg im Sturm

New Yorks Bürgermeister hält eine Woche vor der Wahl eine Lobeshymne auf den Präsidenten. Michael Bloomberg, ein Ex-Republikaner, rät seinen Landsleuten, Barack Obama erneut zu wählen.

Von Thomas Schmoll

Michael Bloomberg war einmal Demokrat. 2001, dem Jahr, in dem er erstmals zum Bürgermeister von New York gewählt wurde, wechselte er zu den Republikanern. Die wiederum verließ er 2007. Er entschloss sich damals, von nun an als parteiloser und unabhängiger Politiker zu agieren. Bloomberg kann es sich locker leisten, seine Wahlkämpfe aus eigener Tasche zu finanzieren. Ihm gehört die gleichnamige Finanzagentur. Mit Bloomberg häufte Bloomberg der Forbes-Liste zufolge ein Privatvermögen von 25 Milliarden Dollar an.

Der Bürgermeister lebt echte politische Unabhängigkeit vor - immer wieder. Mal nimmt er liberale, dann wieder konservative Positionen ein. Er macht sich - wie Barack Obama - für gleichgeschlechtliche Ehen stark, schimpft aber - im Gegensatz zum US-Präsidenten - auf die "Occupy Wall Street"-Bewegung, weil sie Banker vertreiben wolle, was New York Milliarden kosten würde. Nun präsentierte sich Bloomberg eine Woche vor der US-Präsidentenwahl wieder einmal als politischer Freigeist. Seinen Landesleuten empfahl er, Obama erneut ihr Vertrauen zu schenken. "Die Zerstörung, die Hurrikan 'Sandy' nach New York und in große Teile des Nordostens gebracht hat - verlorene Leben, Häuser, Geschäfte -, macht deutlich, was bei der Präsidentschaftswahl am Dienstag auf dem Spiel steht", führte der Bürgermeister aus. New York und die übrigen betroffenen Regionen beklagen mehr als 50 Tote und Schäden von 20 bis 50 Milliarden Dollar.

Bloomberg bezeichnet Romney als Umfaller

"Unser Klima ändert sich", stellte Bloomberg unter Verweis auf "Sandy" und "Irene" vor einem Jahr fest. "Und während die Zunahme extremer Wetterlagen, die wir in New York und in der Welt erlebt haben, eine Folge davon sind oder nicht sein mögen: Das Risiko, dass es so sein könnte - angesichts der Zerstörung in dieser Woche - sollte alle gewählten Führer dazu zwingen, sofort zu handeln." Im selben Atemzug bescheinigte der New Yorker Bürgermeister Obama Verdienste beim Umwelt- und Klimaschutz, während er Herausforderer Mitt Romney als Umfaller darstellte.

Der Republikaner habe in dessen Zeit als Gouverneur von Massachusetts zwar ebenfalls Maßnahmen in der richtigen Richtung ergriffen, befand Bloomberg. Nun aber habe Romney diese fortschrittlichen Positionen geräumt. Der Obama-Herausforderer habe in allen wichtigen Bereichen einschließlich des Umweltschutzes den Kurs gewechselt. "Wenn die Version Romneys von 1994 oder 2003 zur Wahl stünde, hätte ich ihn gut wählen können." Aber so? Nein. Denn: "Wir brauchen Führung vom Weißen Haus."

Obama nutzte geschickt die Gunst der Geisterstunde

Bis "Sandy" in New York zuschlug, lagen die zwei Konkurrenten um das Präsidentenamt in Umfragen gleichauf. Obama nutzte geschickt die Gunst der Geisterstunde, profilierte sich als beherzter Krisenmanager und legte in der Wählergunst zu. Und nun kam Bloomberg. Der Bürgermeister ist beliebt in ganz Amerika, sein Wort hat Gewicht. Sie dürfte sogar noch entscheidender sein als die Lobhudelei des Republikaners und Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie, der gar nicht mehr aufhören wollte, Obama für sein Krisenmanagement zu preisen. Die Zusammenarbeit mit dem Präsidenten sei nicht nur "sehr gut" gewesen, nein, sogar "wundervoll", bekundete Christie, offiziell ein Unterstützer Romneys.

Der wiederum muss sich noch immer mit einer länger zurückliegenden Aussagen über die staatliche Katastrophenschutzbehörde Fema herumschlagen. Im Bemühen, sich als Sparkommissar zu präsentieren, der es "unmoralisch" findet, immer höhere Schuldenberge aufzutürmen, schlug Romney vor, die Einrichtung zu privatisieren. Nachdem er nach "Sandy" auf Fragen zu seiner Haltung zur Fema herumeierte, gab er später in einer Erklärung Plattitüden von sich. "Ich glaube, dass die Fema eine Schlüsselrolle in der Zusammenarbeit mit Bundesstaaten und Kommunen zur Vorbereitung und Reaktion auf Naturkatastrophen spielt." Als Präsident werde er dafür sorgen, dass die Behörde die Mittel erhält, die sie brauche, "ihre Mission zu erfüllen". Fragt sich nur, ob solche Aussagen reichen, Präsident zu werden.