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Wahlen im Irak: Unter Feuerschutz zum Urnengang

Es gilt ein striktes Fahrverbot und die Regierung hat vorübergehend sogar die Landesgrenzen geschlossen. Trotzdem explodierten beim Auftakt der irakischen Parlamentswahlen mehrere Bomben und rissen drei Sicherheitsbeamte in den Tod. Ein gefährlicher Tag für Wähler und Kandidaten.

Im Irak haben am Donnerstagmorgen die Wahlen zum ersten regulären Parlament nach den Sturz des Regimes von Saddam Hussein vor fast drei Jahren begonnen. Insgesamt sind 15 Millionen Iraker aufgerufen, ihre Vertreter für eine volle Legislaturperiode von vier Jahren zu wählen. Bestimmt werden 275 Abgeordnete aus 7648 Kandidaten. 231 Listenverbindungen, Bündnisse und Parteien treten an. Die bekanntesten davon haben sich in fünf Koalitionen verbündet, die sich weitgehend an Religionsgemeinschaften und Volksgruppen orientieren. (siehe Liste am Ende des Artikels)

Rund 150.000 irakische Soldaten und Polizisten sowie noch einmal so viele US-Soldaten sind im Einsatz, um Selbstmordanschläge und andere Gewaltakte zu verhindern. Die irakische Regierung hat zudem vorübergehend die Landesgrenzen geschlossen und in Bagdad und anderen Städten ein striktes Fahrverbot angeordnet.

Und dennoch: Unmittelbar nach Öffnung der Wahllokale um 7.00 Uhr Ortszeit (5.00 Uhr MEZ) waren in Ramadi und Bagdad Explosionen zu hören, wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete. In Ramadi sei eine Bombe an einer Straße detoniert. In Bagdad sei in der Nähe der von hohen Betonmauern umgebenen Grüne Zone eine Mörsergranate eingeschlagen. In diesem Bereich befinden sich die meisten Ministerien und ausländischen Botschaften. Zunächst gab es keine Berichte über Schäden oder mögliche Verletzte.

Bombe auch in Mossul

In der nordirakischen Stadt Mossul riß ein Sprengsatz drei Sicherheitsbeamten vor einem Krankenhaus in den Tod. Der Anschlag ereignete sich zwischen dem Krankenhaus und einem nahe gelegenen Stimmlokal, wie die US-Streitkräfte mitteilten. Vor einem weiteren Wahllokal sei eine Mörsergranate eingeschlagen, hieß es weiter. Dabei sei aber niemand verletzt worden.

Ein irakischer Fernsehsender zeigte Bilder von bekannten Irakern, die ihre Stimmzettel gleich am Morgen in der von hohen Betonmauern umgebene Grüne Zone in Bagdad abgaben. Präsident Dschalal Talabani habe im Kurdengebiet gewählt, hieß es. Ein Viertel der Mandate muss von Frauen besetzt werden. Die 6200 Wahllokale schließen um 17.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MEZ). Ergebnisse werden erst in einigen Tagen erwartet.

Das neue Parlament soll eine Regierung für die nächsten vier Jahre und einen Staatspräsidenten bestimmen. Bis zur Bekanntgabe von Ergebnissen dürften einige Tage vergehen. Wenngleich es keine verlässlichen Meinungsumfragen gibt, gehen Beobachter davon aus, dass die Vereinigte Irakische Allianz (UIA) die meisten Stimmen erhalten wird. Sie ist auch Bestandteil der noch amtierenden Regierungskoalition.

Der Präsident wird dann die größte Gruppierung im Parlament mit der Nominierung eines Ministerpräsidenten beauftragen. Bis eine arbeitsfähige Regierung steht, dürften Monate vergehen. Anders als bei der Wahl des Übergangsparlaments im Januar beteiligen sich diesmal auch Gruppen der sunnitischen Bevölkerungsminderheit. Dabei garantiert das überarbeitete Wahlrecht der sunnitischen Minderheit eine größere Vertretung im neuen Parlament als bisher.

Von ihrer Beteiligung am politischen Prozess erhoffen sich vor allem die USA und Großbritannien ein Abflauen des Aufstandes, der den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Erholung des ölreichen Landes behindert.

Die 307 Parteien in fünf Blöcken

Vereinigte Irakische Allianz
Die Schiiten waren Sieger der letzten Wahlen und sind auch diesmal die stärkste Kraft. Dabei sind jetzt ihre Wahlparolen deutlich islamistischer gefärbt.
Kurdische Allianz
Für die Souveränität kurdischer Gebiete im Norden des Irak kämpfen zwei große kurdische Parteien, die sich zu einem Wahlbündnis zusammengeschlossen haben: die Patriotische Union Kurdistans (PUK) und die Kurdisch-Demokratische Partei.
Irakische Nationale Liste
Irakischer Nationalkongress
Hinter Ahmed Chalabi, dem inoffiziellen US-Verbündeten, stehen ebenfalls säkulare Schiiten. Wegen ihrer Zusammenarbeit mit den USA haben sie einen schweren Stand.
Irakische Konsensus Front
DPA/AP / AP / DPA
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