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US-Wahlkampf: Wo ist Melania Trump?

Seit ihrer peinlichen Rede auf der Convention der Republikaner Ende Juli wurde Donald Trumps Ehefrau kaum mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Nun wuchern Spekulationen, was ihr widerfahren sein könnte.

Donald-Trump-Gattin Melania Trump

Da ist sie: Melania Trump nebst Gatten Donald bei der Beerdigung der konservativen Ikone Phyllis Schlafly am 10. September

Ging es um Fotos, war Melania Trump nie schüchtern. Mal posierte sie nackt, mal in einer 200.000 Dollar teuren Robe und mal lasziv auf einem Piano liegend. Ihr letzter großer Auftritt war allerdings ein Desaster. Das war, als sie Ende Juli vor die republikanischen Delegierten in Cleveland trat und ihnen erklären sollte, was für ein großartig liebevoller Ehemann Donald Trump sei. Geplant war es als die große Melania-Show. Dumm nur, dass wenige Stunden nach ihrer Rede bekannt wurde, dass wichtige Teile davon abgeschrieben waren. Und zwar ausgerechnet von der First Lady Michelle Obama.


Was für eine Schande. Alle Welt machte sich lustig über Melania Trump. Und viele fragten sich, unter welchem Stein sie sich verkriechen werde? Genau das scheint sich die gebürtige Slowenin zu Herzen genommen zu haben. Denn seit dem Auftritt in Cleveland vor sieben Wochen wurde sie kaum mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Nur einmal, vergangene Mittwoch, saß sie bei einem Auftritt Trumps in New York im Publikum. Geredet oder Interviews gegeben hat sie gar keine mehr. Das sorgt bei vielen Amerikanern für Irritationen. Nacheinander fragten der Nachrichtensender CNN und die "Washington Post" "Wo ist Melania Trump?" Immerhin gab es auf die CNN-Frage online eine Antwort: "Ich genieße mein Leben, meine Familie und liebe unser Land" twitterte sie - und bekam knapp 8000 Likes dafür.


Viele Fragen an Melania Trump

Die Spekulation der "Washington Post", ihr Winken auf der Bühne in Cleveland sei ihr Abschiedsauftritt gewesen, ließ Melania bislang unkommentiert. Tatsächlich tauchte sie zwei Tage später wieder auf, blieb aber bei der Beerdigung der konservativen Ikone Phyllis Schlafly im Hintergrund.

Die letzten Wochen ließen aber auch sonst viele Fragen offen. Vor allem Melanias Weg zu einem Arbeitsvisum für die USA und später die Green Card ist noch immer nicht eindeutig geklärt. Einige Daten, die Melania dazu bisher genannt hat, scheinen zeitlich nicht mit ihren Aufenthalten in den USA zusammenzupassen. So hält sich seit längerem der hartnäckige Verdacht, sie habe geschummelt. Sollte es so sein, wäre das natürlich für Donald Trump, dem selbsternannten Kämpfer für härtere Einwanderungsgesetze, ein Fiasko.

Anwaltsschreiben sorgte für noch mehr Verwirrung

Statt der von ihm schon vor Wochen versprochenen Pressekonferenz zu dem Thema, veröffentlichte Melania am Dienstag ein kurzes Anwaltsschreiben. Die darin aufgelisteten Daten und Fakten sind aber weiterhin widersprüchlich. Was zur Klärung beitragen sollte, sorgte nur für mehr Verwirrung. Auf Twitter wiesen viele auf die Schwachpunkte hin.



Auch zahlreiche Journalisten stellten die Korrektheit der etwa einseitigen Auflistung schnell in Frage. Melania, die als Melanija Knavs geboren wurde, betonte in der Vergangenheit, sie habe sich jederzeit an "alle Einwanderungsgesetzte gehalten". Ob das stimmt? Auch die Trump-Kampagne war bislang nicht in der Lage eine lückenlose Dokumentation für diese Aussage vorzulegen.

Was wäre Barack ohne Michelle Obama?

Normalerweise sind die Ehefrauen in den USA wichtiger Bestandteil jeder Präsidentschaftskampagne. Man stelle sich nur mal Barack Obama ohne Michelle an seiner Seite vor. Melania tat sich von Anfang an mit der ihr zugedachten Rolle schwer. Wenn sie überhaupt dabei war, stand sie meist nur lächelnd im Hintergrund.

Zum ersten Mal ans Mikrofon griff sie auf einer Wahlparty in South Carolina. Mit ihrem starken Akzent sagte sie über ihren Ehemann: "He will be the best president." Danach ließ sie sich noch von CNN und MSNBC zur besten Sendezeit interviewen. Immer perfekt durchgestylt, viele ihrer Sätze klangen auswendig gelernt. Der Auftritt vor der Nominierung ihres Mannes sollte vor allem bei Frauen Sympathien wecken. Wenn die Ehefrau nett ist, dann wählt vielleicht manch eine, die vorher unentschieden war, doch den Obermacho Donald Trump.


Auf Twitter herrscht Ruhe

Dieses Kalkül scheint nun nicht aufzugehen. Statt einer strahlenden Melania spricht Amerika seit Wochen nur über die verschwundene Melania. Ihren Twitter-Account, der früher reich gefüllt war mit Fotos aus dem Privatjet und ihrem luxuriösen Leben, benutzt Melania derzeit fast nur noch als Ablagefläche für Statements und Antworten auf Anschuldigungen. Erst vergangene Woche reichte sie Klage gegen einen Blogger und eine britische Zeitung ein, die in Artikeln, die inzwischen zurückgezogen wurden, über ein angebliches Vorleben im Rotlicht-Milieu spekulierten.

Sie spielt wohl keine Rolle mehr

Die wichtigsten Beobachter der Trump-Kampagne sind sich inzwischen darüber einig, dass es offensichtlich nicht geplant sei, dass Melania noch eine wichtige Rolle im Wahlkampf ihres Mannes spielen wird.

Ein so ungewöhnliches Verhalten sorgt für Diskussionen. Auf Twitter sind inzwischen die Hashtags #WhereIsMelania und #FreeMelania sehr populär. Besonders oft wird die Frage gestellt, ob es Melania nicht mehr erlaubt sei zu reden.


Das ist eine Anspielung auf Donald Trumps Angriff auf die Khan-Familie. Der Vater eines im Irak gefallenen muslimischen US-Soldaten, Khizr Khan, kritisierte auf dem Demokraten-Parteitag Donald Trump scharf. Trump konterte gewohnt fies und attackierte die Ehefrau. "Wenn sie sich seine Frau ansehen, wie sie da stand. Sie hatte nichts zu sagen", so der New Yorker Milliardär. Und weiter: "Vielleicht durfte sie gar nichts sagen."

Inzwischen werden sogar T-Shirts mit der Aufschrift "Free Melania" angeboten.

Woher kommt das Geld für das Donald-Trump-Porträt?

Als sei das noch alles nicht genug,  sind nun neue Anschuldigungen bekannt geworden. Diesmal haben sie aber nichts mit Melania Trumps Green Card zu tun. Sondern sie soll, laut einer Recherche der "Washington Post", 2007 ein knapp zwei Meter großes Portrait ihres Mannes für 20.000 Dollar ersteigert haben. Allerdings wurde das Bild nicht mit Geld aus dem Privatvermögen der Trumps bezahlt, sondern mit Geldern aus der angeblich wohltätigen Donald-J.-Trump-Foundation. Die New Yorker Staatsanwaltschaft will nun klären, ob das rechtmäßig war.

Statt Melania wird Donald Trump derzeit oft von seiner Tochter Ivanka zu Auftritten begleitet. Er, der in einem Interview einmal sagte, dass er Ivanka heiraten würde, wenn sie nicht seine Tochter wäre, scheint einen Ersatz gefunden zu haben. Schon geistert seit ein paar Tagen die Frage durch Amerika: Wird Ivanka seine First Lady?