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Telefonat mit Trump : Warum die Ukraine-Affäre auch auf Selenskyj einen Schatten wirft

Die Ukraine-Affäre bringt Donald Trump an den Rand eines möglichen Impeachments. Doch das Ränkespiel Trumps gegen seinen Rivalen Biden zieht auch den ukrainischen Präsidenten Selenskyj mit in die Bredouille und spielt dessen Feind in die Hände.  

"Niemand kann auf mich Druck ausüben, weil ich Präsident eines unabhängigen Staates bin", verkündete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj noch lautstark am Dienstag. "Es gibt nur eine einzige Person, die das kann: mein sechsjähriger Sohn", fügte er scherzhaft hinzu. Nur einen Tag später veröffentlichte das Weiße Haus das Protokoll eines Telefonats, zwischen Selenskyj und Donald Trump (die Mitschrift gibt das Gespräch jedoch weder vollständig noch wortwörtich wieder), welches das Gegenteil belegt.

Das bekannt gewordene Telofonat zwischen Trump und Selenskyj ist auch für den ukrainische Präsidenten heikel 

Das bekannt gewordene Telofonat zwischen Trump und Selenskyj ist auch für den ukrainische Präsidenten heikel 

DPA

In den Gespräch drängte Trump seinen Amtskollegen dazu Korruptionsermittlungen gegen den Sohn seines Rivalen Joe Biden aufzunehmen. Für die US-Demokraten ein Beleg, dass Trump mit Hilfe einer ausländischen Regierung seinem Konkurrenten schaden und damit den Wahlkampf beeinflussen wollte. Sie werfen dem Präsidenten Verfassungsbruch vor und leiteten erste Schritte zu einem eventuellen Amtsenthebungsverfahren ein.

Doch das Telefonat bringt nicht nur Trump in Bedrängnis. Auch für Selenskyj ist die Veröffentlichung des Gesprächs belastend. Das Protokoll straft den ukrainischen Präsidenten nicht nur Lügen, sondern führt auch vor, wie abhängig die Ukraine von den USA ist – ein Umstand, den Selenskyj immer wieder bestreitet. 

Selesnkyj spielt seinem Feind in die Hände

Zudem macht der Gesprächsverlauf den ukrainischen Präsidenten der Korruption und Vetternwirtschaft verdächtig. Es ist vor allem eine Passage, die seinen Landleuten übel aufstößt. Als Trump Selenskyj darum bittet, dass die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft gegen Bidens Sohn ermitteln möge, erwidert Selenskyj: "Da wir eine Mehrheit im Parlament haben, wird der zukünftige Generalstaatsanwalt zu 100 Prozent mein Mann sein [...] Er wird seine Arbeit im September aufnehmen. Dann wird er sich mit dem Fall vertraut machen und speziell die von Ihnen erwähnte Firma untersuchen", verspricht er dem US-Präsidenten.

Damit sagt Selenskyj nicht nur zu, auf Wünsche eines ausländischen Staatschefs hin auf die ukrainische Justiz Einfluss zu nehmen, sondern ist sich auch noch sicher, den Generalstaatsanwalt unter seiner Kontrolle zu haben. Dabei sieht die ukrainische Verfassung eine Gewaltenteilung zwischen der Exekutive und Judikative vor. Im Präsidentschaftswahlkampf war Selenskyj mit dem Versprechen angetreten, für ebendiese Trennung zu sorgen und die Korruption im Land zu bekämpfen. Doch dieses Versprechen scheint wenige Monate nach seiner Wahl bereits vergessen zu sein.

Stattdessen zeigt die Abschrift des Telefongesprächs, wie Selenskyj anbiedernd Trump mit Lob überschüttet und versessen darauf ist, ihm zu gefallen. Ein Verhalten, das vor allem einem gefallen dürfte: Wladimir Putin. Dieser erzählt seit Jahren den Ukrainern, dass ihr Land von der Regierung in Kiew an die USA verscherbelt wird. Selenskyj liefert ihm einen Beleg. 

ivi