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Engster Partner Warum Kasachstan für Putin eine entscheidende Bedeutung hat

Die Machthaber von Russland und Kasachstan: Wladimir Putin und Nursultan Nasarbajew
Die Machthaber von Russland und Kasachstan: Wladimir Putin und Nursultan Nasarbajew bei einem Forum zur russisch-kasachischen Integration 
© Mikhail Metzel/ / Picture Alliance
Beispiellose Proteste erschüttern das Regime in Kasachstan. Wladimir Putin eilt seinem wichtigsten Verbündeten zu Hilfe. Er kann es sich schlicht nicht leisten, diesen Partner zu verlieren. 

Das Regime in Kasachstan ruft und Putin eilt zu Hilfe: Es vergehen nur wenige Stunden bis russische Truppen in Almaty landen. Es seien Fallschirmjäger als Teil einer Friedenstruppe entsandt worden, teilte die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit am Donnerstag mit. Dem Bündnis gehören neben Russland und Kasachstan auch Armenien, Belarus, Kirgistan und Tadschikistan an. Auch diese Staaten hätten Streitkräfte nach Kasachstan entsandt, hieß es.

Dass Putin so schnell reagiert, überrascht angesichts der immensen Bedeutung Kasachstans für Russland nicht. Das zentralasiatische Land ist der wichtigste Verbündete Russlands. Der langjährige Machthaber Nursultan Nasarbajew ist einer seiner treusten politischen Freunde. 2019 trat er zwar nach drei Jahrzehnten als Präsident zurück. Doch als Vorsitzender der Partei Nur Otan und "Führer der Nation" hält er alle Fäden der Macht weiter in seinen Händen. Der offizielle Präsident des Landes Kasym-Zhomart Tokayev war bislang nur seine Marionette.

Kasachstan ist für Russland der am nächsten stehende strategische Verbündete und Partner, nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich. Schon 2010 hatten die beiden Länder gemeinsam mit Belarus die Zollunion gegründet. 2015 wurde schließlich die Eurasische Wirtschaftsunion ins Leben gerufen. Der Zusammenschluss von Armenien, Belarus, Kirgisistan; Kasachstan und Russland zu einem Binnenmarkt mit Zollunion stellt einen strategischen Gegenpol zur EU dar.

Bodenschätze und geopolitische Lage 

Es reicht ein Blick in die Steppe rund um die boomende Stadt Atyrau am Kaspischen Meer, um zu sehen, warum Kasachstan für Russland ein entscheidender Partner ist: Hier lagern große Vorkommen an Öl und Erdgas. Hunderte Bohrtürme bringen das schwarze Gold an die Oberfläche. Die meisten Pipelines gehören Gazprom und führen nach Russland.

Kasachstan ist nach Informationen der Weltbank das zehntreichste Land der Welt in Bezug auf Öl, Gas, Metalle und Mineralien. Was die Vorkommen von Chrom, Vanadium, Wismut und Fluor angeht, so ist Kasachstan sogar der Weltführer. Einen der führenden Plätze hat Kasachstan auch bei den Vorkommen von Eisen, Kupfer oder Zink. Zudem liegen ganze zwölf Prozent der weltweiten Uranreserven in Kasachstan. Solange eine Allianz besteht, hat Putin freien Zugriff auf diese Bodenschätze. 

Auch geopolitisch ist Kasachstan für Russland entscheidend. Es ist das neuntgrößte Land der Welt und liegt im Zentrum des eurasischen Kontinents. Mit Russland verbindet Kasachstan eine fast 7000 Kilometer lange Grenze – die längste Grenze, die Russland zu einem Nachbarstaat hat. Östlich grenzt Kasachstan an China. Die wichtigsten Handelsströme verlaufen durch Kasachstan. 

Weltraumbahnhof und Raketentestgelände in Kasachstan 

Nicht zuletzt liegt der Weltraumbahnhof Baikonur auf dem Territorium des zentralasiatischen Staates. Die Stadt Baikonur wird seit Ende 1994 von Russland gepachtet, steht unter russischer Verwaltung und bildet daher einen eigenständigen Distrikt innerhalb Kasachstans. Von hier starten russische Weltraum-Missionen. 

Auch das russische Raketentestgelände Sary-Shagan liegt auf dem Gebiet Kasachstans. In den letzten Jahrzehnten wurden hier Raketensysteme wie Bulawa, Topol und Avangard sowie neue Sprengköpfe für Interkontinentalraketen getestet. Das Raketentestgelände mit dem Verwaltungszentrum in der kasachischen Steppe ist seit 1958 in Betrieb. Auf dem Gelände befindet sich auch das Lasertestzentrum Terra-3.

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