Washington Memo Ein Schauspieler als Präsident


Bush tritt von einem Fettnäpfchen ins nächste, viele Republikaner freuen sich auf das Ende seiner Amtszeit - doch wer kommt danach? Arnold als gebürtiger Österreicher darf nicht, ein neuer Schauspieler-Star blitzt am Himmel des Capitols auf: Frank Thompson, Star der Fernsehserie "Law and Order".
Von Katja Gloger, Washington

Der Präsident hat es wahrlich nicht einfach dieser Tage. Erst der Besuch von Elisabeth. Erst mussten Gattin Laura und Außenministerin Condoleezza ihren George W. lang und breit dazu überreden, sich in einen edlen Frack zu schmeißen. Schließlich sollte er für das Staatsdinner mit Ihrer Majestät Queen Elisabeth anständig angezogen sein. Dann verplapperte er sich kardinal beim Trinkspruch auf die Königin - verlegte ihr Geburtsjahr mal eben um zweihundert Jahre auf 1776 zurück. The Queen? Was not amused.

Gleich um die Ecke vom Weißen Haus, in der World Bank, dräut weiterer Ärger. Da will sein Freund und Bank-Präsident Paul Wolfowitz partout nicht zurücktreten. Er hatte seiner Freundin satte Gehaltserhöhungen beschafft - und fühlt sich auch noch im Recht.

Kriegsgegner selbst in der tiefsten Provinz

Am Freitag wenigstens sollte es ruhiger werden. Da soll Bush eine Rede zum Semesterabschluss an einem Benediktiner-College in Pennsylvania halten. Eigentlich eine sichere Sache auf sicherem Terrain, wird das doch von einem ehemaligen Glaubens-Beauftragten aus dem Weißen Haus geleitet. Und was passiert? Auch dort, in der tiefen Provinz, werden ihn Kriegsgegner empfangen. "Du sollst nicht töten" haben sie auf ihre Plakate geschrieben.

Und dann natürlich die täglichen Hiobsmeldungen aus dem Irak, der Krach mit dem Kongress, der Skandal um den Justizminister... kein Wunder, dass sich mehr und mehr Republikaner nach dem Ende dieser unseligen Amtszeit sehnen.

Die Suche nach einem neuen Reagan

Ein neuer Reagan muss her! Samt Camelot! Die perfekte Mischung aus sonnengebräuntem Optimismus und dem so wunderbar realitätsnahen Pragmatismus, der Ronald Reagan auszeichnete. Hatte er nicht die Sowjetunion als Imperium des Bösen verdammt, nur um sich mit dem Präsidenten an einen Tisch zu setzen? Hatte der Amerika nicht wieder nach vorne gebracht, nach den dunklen Jahren der moralinsauren Carter-Präsidentschaft? Seine schmutzigen Politdeals verzieh man ihm rasch. Reagan war entwaffnend ehrlich, dem Volk nah, ein Schauspieler, der die Rolle seines Lebens gefunden hatte.

Es gäbe diesen neuen Ronald Reagan - und eigentlich heißt er Arnold Schwarzenegger. Er wäre der Wunschkandidat vieler Republikaner - doch er ist eben gebürtiger Österreicher, und als Nicht-gebürtiger Amerikaner darf man in den USA nicht Präsident werden.

Die Alternative: Fred Thompson

Doch dann wäre da noch ein gewisser Fred Thompson, 64. Groß gewachsen, das Gesicht ein wenig verknittert, ein angenehmer Bariton. Ein Mann aus dem Süden, ehemals Senator aus Tennessee. Brav christlich, stramm konservativ, gegen Abtreibung und gegen Waffengesetze, und dazu mit jenem wunderbar schwingenden südlichen Slang ausgestattet, der den Wohlfühlfaktor hat, wie man ihn als Präsident wohl braucht.

Und tatsächlich, dieser Fred Thompson ist im Hauptberuf Schauspieler. Er war schon alles. Präsident und Stabschef im Weißen Haus. Chef der CIA. Admiral. Spielte neben Sean Connery in "Jagd auf Roter Oktober", mit Robert de Niro im "Kap der Angst", mit Clint Eastwood in "The Line of Fire." Im Moment mimt er in der erfolgreichen Serie "Law and Order" den strammkonservativen Staatsanwalt Arthur Branch. Zehn Millionen Zuschauer schalten jeden Freitag ein - es ist die längste Krimiserie in der Geschichte des amerikanischen Fernsehens. " Ich habe wohl im Showgeschäft anfangen müssen, damit meine politischen Überzeugungen endlich ernst genommen werden", pflegte Thompson zu scherzen.

Denn eigentlich hatte der Jurist und Sohn eines Gebrauchtwagenhändlers seine politischen Ambitionen aufgegeben. Nach dem tragischen Drogen-Tod seiner Tochter hatte er sich vor Ablauf seiner Amtszeit 2002 aus dem Senat verabschiedet. Hatte sein Leben umgekrempelt, seine langjährige Lebensgefährtin geheiratet und in den vergangenen drei Jahren noch zwei Kinder bekommen. Doch dann, im März dieses Jahres, sagte Fred Thompson in einem Fernsehinterview, er "denke über eine Kandidatur nach". Frisch vom Filmset in den Wahlkampf - wer hatte so schon Wahlen gewonnnen? Genau: Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger.

Verzweiflung oder purer Zweckoptimismus?

Es war eine Andeutung, doch sie reichte, die Strategen der Republikanischen Partei in helle Aufregung zu versetzen. Und ihn in Umfragen auf den dritten Platz unter den republikanischen Kandidaten zu katapultieren. Keiner der momentan zehn Kandidaten begeistert das Wahlvolk wirklich. Weder John McCain mit seiner Unterstützung des Irak-Krieges noch der unberechenbare Rudi Giuliani. Weder der vielen Evangelikalen suspekte superreiche Mormone Mitt Romney noch Mike Huckabee, einst Gouverneur in Arkansas, der bislang vor allem dadurch auffiel, dass er 50 Kilo abspeckte und ein Buch darüber schrieb.

Vielleicht ist es schiere Verzweiflung, vielleicht purer Zweckoptimismus - doch überall im Land legen sich Republikaner für Thompson ins Zeug. Ein ehemaliger Abgeordneter aus Oklahoma: "Fred Thompson ist AC. All class." Senatspräsident Peter Kinder aus Missouri: " Wie Ronald Reagan ist auch er eine große Führungspersönlichkeit. Wir alle brauchen ihn. Amerika braucht ihn." In Texas forderten ihn zwei Drittel der republikanischen Abgeordneten auf, zu kandidieren. Und schon versprechen ihm erste evangelikale Führer ihre einflussreiche Unterstützung.

Auf einer Linie mit Kennedy

Auch der Kommunikationsprofessor Larry Sabato jubelt: "Es gibt diese undefinierbare Fähigkeit, ganz leicht mit Menschen kommunizieren zu können. Kandidaten haben sie oder haben sie nicht. John F. Kennedy hatte sie. Ronald Reagan. Barack Obama hat sie. Und Fred Thompson."

Noch hat sich Thompson nicht zu einer Kandidatur entschieden. Er weiß, er müsste rasch viele Millionen Dollar für den Vorwahlkampf sammeln - denn aufgrund vorgezogener primaries werden die Kandidaten für das Präsidentschafts-Rennen schon Anfang des kommenden Jahres feststehen.

Am vergangenen Freitag testete er im ebenso konservativen wie stinkreichen Balboa Beach Club in Kalifornien die Stimmung. Blieb dabei allerdings so allgemein, dass sich selbst Gutmeinende nicht mehr an Inhalte erinnern konnten. Ja, er sprach von illegalen Immigranten und der "gefährlichen Welt", in der sich Amerika befinde. Er lobte – natürlich - Ronald Reagan, und dann hatte der Profi-Akteur auch noch Probleme mit dem Mikrophon. Und dennoch - danach schwärmten Viele: "Er sah eben so wunderbar nach einem Präsidenten aus."

Das soll schon ausgereicht haben, um Präsident zu werden.


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