VG-Wort Pixel

Petition in Vorbereitung Wegen Sklaverei – Jamaika will Milliarden-Entschädigung von Großbritannien

Auf einem historischen Schwarzweiß-Foto sind afrikanische Sklaven zu sehen
Das undatierte Foto zeigt eine Sklavenauktion auf Jamaika. Die Menschen wurden im 17. und 18. Jahrhundert wie Waren verkauft
© Soul of Africa Museum / Picture Alliance
Jamaika war einst ein wichtiger Stützpunkt für den Sklavenhandel. Dafür könnte der Karibikstaat jetzt eine Milliardenentschädigung von Großbritannien verlangen.

Auf Jamaika ist derzeit eine Petition ein viel diskutiertes Thema: Der Karibikstaat plant, Milliarden von Großbritannien einzufordern. Mit dem Geld soll Jamaika für das Leid des Sklavenhandels im 17. und 18. Jahrhundert entschädigt werden.

Initiiert wurde die Petition von dem auf der Insel sehr bekannten Labour-Politiker Mike Henry. Darin wird eine Reparationssumme von 7,6 Milliarden Pfund gefordert, heißt es in mehreren Medien. Die ehemalige britische Kolonie ist zwar seit 1962 unabhängig, jedoch gehört Jamaika weiterhin zum Commonwealth. Offiziell ist damit Königin Elisabeth II das Staatsoberhaupt des Inselstaates.

"Für eine Wiedergutmachung wird es höchste Zeit", wird Jamaikas Kulturministerin Olivia Grange von ITV zitiert. "Unsere afrikanischen Vorfahren wurden mit Gewalt aus ihrer Heimat verschleppt", unterstrich die Labour-Politikerin. Die Menschen hätten unvorstellbare Grausamkeiten ertragen müssen, um Zwangsarbeit für das britische Weltreich zu leisten.

Jamaika spielte unter britischer Herrschaft Schlüsselrolle im Handel mit Sklaven

Jamaika spielte im Sklavenhandel des 17. und 18. Jahrhunderts eine Schlüsselrolle. Offiziellen Schätzungen zufolge wurden in dieser Zeit 600.000 Menschen aus Afrika auf die Insel verschleppt, erst von den Spaniern und dann von den Briten. Die Insel diente auch als Umschlagplatz für die Zwangsarbeiter, die in der gesamten Karibik vor allem in der Landwirtschaft harte körperliche Arbeiten verrichten mussten.

Noch ist unklar, wie viel Geld Jamaika offiziell von Großbritannien fordern wird und ob diese Reparationsforderungen Aussicht auf Erfolg haben. Zu der endgültigen Summe der Forderung wollte sich Ministerin Grange nicht äußern. Adressat werde dann aber die Queen sein, heißt es in den Medien.

Auf die Summe von 7,6 Milliarden Pfund kommt Labour-Politiker Henry mittels einer historischen Rechnung. Seinen Angaben zufolge bekamen nach der Abschaffung der Sklaverei die ehemaligen Sklavenhalter Entschädigungen in dieser Höhe. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters musste Großbritannien einen für damalige Verhältnisse immens hohen Kredit dafür aufnehmen – die Zinsen seien erst 2015 komplett beglichen worden.

"Ich fordere, dass die Sklaven den gleichen Betrag bekommen wie die Sklavenhalter”, sagte Henry. Sein ganzes Leben kämpfe er schon gegen die Folgen der Sklaverei, mit denen die Opfer entmenschlicht wurden, sagte der 86-jährige Politiker. Er hofft, mit dem Geld die Nachfahren der Sklaven zu entschädigen – auf Jamaika ist dies der Großteil der heute dort lebenden Bevölkerung.

Millionen Menschen aus Afrika wurden für Zwangsarbeit verschleppt

Großbritannien hatte den Handel mit Sklaven 1807 verboten, aber diese Art der Zwangsarbeit endete erst 1834 auf dem amerikanischen Kontinent mit dem vollständigen Verbot.

Nach Berechnungen der Vereinten Nationen wurden im 17. und 18. Jahrhundert etwa 15 Millionen Menschen Opfer von Sklaverei. In der Karibik schufteten die aus Afrika stammenden Menschen beispielsweise auf Zuckerrohr-, Tabak- oder Bananenplantagen.

Quellen: ITV, Reuters

Jen Reid: Statue von "Black Lives Matter"-Aktivistin in Bristol ist abgebaut

Sehen Sie im Video Im Juni 2020 hatten Demonstranten in Bristol die Statue eines Sklavenhändlers umgestürzt und ins Hafenbecken geworfen. Als Ersatz wurde später die Statue von Jen Reid auf dem Sockel platziert – allerdings ohne Genehmigung.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker