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Westerplatte: Europa gedenkt des Ausbruchs des 2. Weltkriegs

Wie vor 70 Jahren heulten auf der polnischen Westerplatte um Punkt 4.45 Uhr die Sirenen. Damals war es der Auftakt zum Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen. 70 Jahre später markierte der Warnton den Beginn der europäischen Gedenkfeierlichkeiten an die Gräuel des Zweiten Weltkriegs.

Mit minutenlangem Heulen der Hafensirenen haben auf der polnischen Westerplatte gegen 4.45 Uhr am Dienstagmorgen die Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges begonnen. Am Ehrenmal für die Helden des siebentägigen Abwehrkampfes gegen den deutschen Überfall hielten Soldaten verschiedener Waffengattungen Wache. An den Feierlichkeiten nahmen Polens Präsident Lech Kaczynski und Ministerpräsident Donald Tusk sowie polnische Kriegsveteranen teil.

Eingeladen waren auch ehemalige deutsche Soldaten des Kriegsschiffes "Schleswig-Holstein". Mit dem Beschuss des zur Festung ausgebauten polnischen Munitionsdepots auf der Westerplatte durch das deutsche Schiff hatte am 1. September 1939 der Krieg begonnen. Gut 200 polnische Soldaten leisteten den deutschen Verbänden sieben Tage lang Widerstand. Die Westerplatte gilt als Polens wichtigster Erinnerungsort, noch vor Auschwitz und Warschau.

Messerstich in Polens Rücken

Polens Präsident Lech Kaczynski hob hervor, die polnischen Soldaten hätten den deutschen Angreifern noch Widerstand geleistet, als die Rote Armee am 17. September 1939 bereits in Ostpolen einmarschiert war. "An diesem Tag hat Polen einen Messerstich in den Rücken erhalten", sagte Kaczynski. Diesen Stich habe das bolschewistische Russland (den Polen) versetzt. Er verwies auf den Hitler-Stalin-Pakt als Ursache der Aggression.

Kaczynski verglich den sowjetischen Mord an polnischen Offizieren in Katyn mit dem Holocaust. Es gebe einen Vergleich zwischen diesen Verbrechen, obwohl ihr Ausmaß sehr verschieden gewesen sei: "Juden starben, weil sie Juden waren. Polnische Offiziere starben, weil sie polnische Offiziere waren", sagte der Präsident. Im Wald von Katyn und an zwei anderen Orten hatte der sowjetische Geheimdienst rund 15.000 polnische Offiziere ermordet.

Tusk warnt vor Geschichtsfälschung

Auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk sprach vom "Überfall" Hitler-Deutschlands und der Sowjetunion auf Polen. Er versicherte allerdings, sein Land wolle das Gedenken nicht gegen andere verwenden. Tusk warnte davor, die Geschichte zu vergessen oder zu fälschen. Ohne "aufrichtiges Gedenken und die Wahrheit" könnten Polen, Europa und die Welt nicht sicher sein. Er sprach sich für "gemeinsame Erinnerung" aller ehemaligen Kriegsteilnehmer aus.

Tusk unterzeichnete die Gründungsurkunde für das geplante Museum des Zweiten Weltkrieges in Danzig. Die Einrichtung soll die Kriegserfahrungen aller beteiligten Nationen berücksichtigen. Im Programmrat sind auch deutsche und russische Historiker vertreten. Das Museum soll bis 2014 entstehen.

Am Nachmittag wird auf der Westerplatte der Weltkriegsgedenktag mit internationaler Beteiligung begangen. Unter den 20 europäischen Regierungschefs werden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Regierungschef François Fillon und der russische Ministerpräsident Wladimir Putin anwesend sein.

DPA / DPA