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Westjordanland: Fatah-Anhänger stecken Regierungssitz in Brand

Hunderte Fatah-Sicherheitskräfte haben das Regierungsgebäude in Ramallah gestürmt und in Brand gesetzt. Inzwischen ist der einzige christliche Minister im Kabinett zurückgetreten.

Nach neuen internen palästinensischen Kämpfen ist der Tourismusminister Dschauda Morkos zurückgetreten. Nach palästinensischen Angaben reichte Morkos, der einzige Christ im Kabinett der radikal-islamischen Hamas-Regierung, seinen Rücktritt ohne Angabe von Gründen ein. Politische Beobachter sprachen jedoch von einem Protestschritt des Politikers aus Bethlehem angesichts der wachsenden internen Kämpfe zwischen der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Hamas.

Am Montagabend hatten bewaffnete Männer den Regierungssitz des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija in Ramallah gestürmt und teilweise verwüstet. Sie sollen der Fatah von Abbas nahestehen. In Rafah im südlichen Gazastreifen wurden bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und Hamas-Mitgliedern zwei Menschen getötet und 15 verletzt.

Unterstützung von Kämpfern der Al-Aksa-Brigaden

Bei der Stürmung des zweistöckigen Regierungskomplexes zerstörten die Männer Mobiliar und Computer, nachdem sie bereits Fensterscheiben des Parlaments und der Kabinettsräume zerschossen hatten. Unterstützung erhielten sie von Kämpfern der Al-Aksa-Brigaden.

Abbas hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs zu Gesprächen mit Vertretern der Hamas-Regierung in Gaza auf. In Rafah im Gazastreifen hatten zuvor Hamas-Kämpfer nach Berichten von Augenzeugen das Feuer auf ein Gebäude der Fatah-Sicherheitskräfte eröffnet. Die folgenden Auseinandersetzungen, bei denen die Angreifer auch eine Grante auf das Gebäude warfen, zogen sich über Stunden hinweg hin. Ein Hamas-Mitglied und ein Passant wurden den Berichten zufolge getötet, 14 Menschen verletzt.

Chance für Gespräche

Die Auseinandersetzungen begannen während der Beerdigung eines in Zusammenstößen mit der Fatah getöteten Hamas-Kämpfers. Das von der Hamas dominierte palästinensische Parlament verzichtete unterdessen im Machtkampf mit Abbas zunächst auf die angedrohte direkte Konfrontation. Es verschob heute eine Abstimmung gegen das von Abbas anberaumte Referendum zur indirekten Anerkennung Israels. Damit solle den Gesprächen zwischen der Fatah-Bewegung des Präsidenten und der Hamas noch eine Chance gegeben werden, erklärten Abgeordnete. Das Votum wurde auf den 20. Juni verschoben. Nach dem Willen von Abbas sollen die Palästinenser am 26. Juli über ein 18-Punkte-Papier entscheiden, das in Israel inhaftierte prominente Palästinenser verfasst haben. Es sieht die Errichtung eines palästinensischen Staates neben dem israelischen Territorium vor. Die darin enthaltene indirekte Anerkennung Israels wird von radikalen Palästinensern einschließlich der regierenden Hamas vehement abgelehnt.

Olmert bekräftigt Willen zu Verhandlungslösung

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert bekräftigte heute in London, seine Regierung werde sich weiter um Friedensgespräche mit den Palästinensern bemühen. Er sei aber auch bereit, einseitig zu handeln. "Wir sind bereit, uns für die Bildung eines palästinensischen Staates aus dem Großteil der besetzten Gebiete zurückzuziehen", sagte Olmert. "Dies ist eine große Möglichkeit für uns und die Palästinenser." Der britische Premierminister Tony Blair sicherte Olmert die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft für eine Verhandlungslösung zu. Bis Montagmittag wurden nach Militärangaben binnen 24 Stunden 39 weitere Raketen vom Gazastreifen auf israelisches Territorium abgeschossen. Verletzt worden sei niemand, hieß es.

Der israelische Verteidigungsminister Amir Perez erklärte, die Luftwaffe wolle sich ein bis zwei Tage mit einer größeren Offensive zurückhalten, um den palästinensischen Sicherheitskräften eine Chance zu geben, die Attacken zu stoppen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) kündigte am Montag in Genf an, seine Hilfe für Einsätze in Israel und den palästinensischen Gebieten in diesem Jahr um rund ein Viertel aufzustocken. Die zusätzlichen Mittel, die den Etat auf etwa 33 Millionen Euro erhöhen, sollen vor allem in die Gesundheitsversorgung im Gazastreifen und Westjordanland fließen.

Weitere Explosion

Israelische Medien berichteten unterdessen, eine Explosion am Strand von Gaza, bei der am Freitag sieben Angehörige einer palästinensischen Familie getötet worden waren, sei nach Armeeuntersuchungen vermutlich nicht von einer israelischen Granate verursacht worden. Die Ergebnisse einer Untersuchung sollten am Abend Verteidigungsminister Amir Perez übergeben und erst danach offiziell veröffentlicht werden. Die Armee gehe davon aus, dass die Familie möglicherweise von einer palästinensischen Bombe getötet worden ist.

AP / AP