Zahlen, Daten, Fakten Englischkurse, Billigflieger und Plastik-Ritter


Vorurteile und Irrtümer

Die Grenze zwischen dem griechischen und dem türkischen Teil von Zypern am Ledra Checkpoint in Nikosia ist seit vorigem Jahr jederzeit passierbar - nicht nur für Touristen, sondern auch für alle Zyprioten, mit Ausnahme der türkischen Siedler aus Anatolien. Obwohl nach der Volksabstimmung im April eine Wiedervereinigung der beiden Inselteile in weite Ferne gerückt ist, werden viele Inseltürken von Europa profitieren. 60.000 von ihnen haben einen Pass der - griechischen - Republik Zypern beantragt und werden somit EU-Bürger werden. Obwohl sie aus Englischkursen für Ausländer einen boomenden Wirtschaftszweig gemacht haben, ist die Muttersprache der Malteser nicht Englisch, sondern Malti, ein semitisches Idiom.

Probleme

Die Umweltverschmutzung ist eines der Hauptprobleme im dicht besiedelten Malta, wo der höchste Berg die Müllkippe Maghtab ist. Billig-Reeder nutzen beide Inseln als Firmenstandort. Zwar sind seit dem Untergang des maltesischen Frachters "Erika" vor der bretonischen Küste die Kontrollen verschärft worden, aber mit einer Flotte von über 30 Millionen Bruttoregistertonnen (BRT) ist Malta immer noch auf Platz 22 der Schwarzen Liste für Schiffe. Auf Zypern sind Schiffe mit insgesamt 26 Millionen BRT registriert. Der EU sind aber vor allem die 30 Offshore-Banken und 1100 Offshore-Unternehmen ein Dorn im Auge, die bis vor kurzem lediglich 4,25 Prozent Körperschaftssteuer zahlen mussten und in denen gerüchteweise auch die russische Mafia ihr Geld wäscht. Mittlerweile wurden die Abgaben auf zehn Prozent hochgeschraubt, was immer noch erheblich weniger ist als in der restlichen EU.

Wirtschaft

Hauptdevisenquelle beider Länder ist der Tourismus. Zunehmend setzen sie auf Dienstleistungen und High Tech. Investoren werden durch niedrige Steuern angelockt, auf Malta sogar mit Steuerbefreiung während der ersten zehn Jahre. Auf Zypern werden Kleider für Quelle und C&A hergestellt, auf Malta 30.000 Jeans täglich für die Marken Levi's, Wrangler, Lee, H&M und Gap. Die deutsche Firma Brandstätter lässt auf Malta sämtliche Playmobil-Männchen produzieren.

Rekorde und Rückstände

Malta ist dichter besiedelt als jedes andere Land der EU. Zypern hat die höchste Geburtenrate der neuen EU-Mitglieder und Malta die viertgrößte Handelsflotte der Welt, gefolgt von Zypern, das in Limassol mit dem größten Schiffsmanagement-Zentrum der Welt aufwarten kann.

Maltesische Verhältnisse

Das Durchschnittseinkommen der Maltesen liegt bei 15 060 Euro im Jahr; der Spitzensteuersatz beträgt 35 Prozent. Die Sozialabgaben, im Schnitt zehn Prozent des Bruttolohns, werden zur Hälfte von Arbeitnehmer und -geber gezahlt. Das Gesundheitswesen ist gratis.

Charlie Attard, 53, ist Besitzer einer Autowerkstatt in Gzira und verdient 1200 Euro pro Monat. Er ist verheiratet, hat eine 20-jährige Tochter und einen 16-jährigen Sohn. Er lebt in seinem eigenen 5-Zimmer-Haus. Attard fährt einen Volkswagen Vento, Baujahr 1994. Im vorigen Sommer reiste Attard mit seiner Familie nach Paris.

Yvonne Borg, 58, ist Lehrerin an der St. Elmo-Grundschule in Valletta und verdient netto 1070 Euro im Monat. Sie ist verheiratet, ihre Tochter lebt in Atlanta. Ihr 5-Zimmer-Haus mit Garten gehört dem Staat; dafür zahlt sie nur 122 Euro Miete pro Jahr. Ihr Daihatsu ist neun Jahre alt. In den Ferien fährt sie an die nahe St. Paul's Bay. Vor zwei Jahren hat sie ihre Tochter in den Vereinigten Staaten besucht.

David Montebello, 40, kam im "British Hotel" in Valletta zur Welt, das sein Großvater 1930 kaufte, und das Montebello jetzt mit zwei Verwandten betreibt. Er verdient 3900 Euro im Monat, ist verheiratet und hat drei Töchter. Seine 6-Zimmer-Villa in Naxxar ist etwa 153.000 Euro wert, er besitzt auch eine Ferienwohnung. Die Familie hat einen Opel Astra, Baujahr 2003, und einen Kia-Jeep. Mit Frau und Kindern war Montebello vorigen Sommer in Florida, im Jahr zuvor machte er eine Kreuzfahrt in der Karibik.

Zyprische Verhältnisse

Zyprioten verdienen im Schnitt 15 440 Euro im Jahr, wer unter 15.480 Euro verdient, zahlt keine Abgaben. Höhere Einkommen werden mit 20 bis 25 Prozent besteuert, ab 25.800 Euro greift der Spitzensteuersatz von 30 Prozent. Sozialabgaben von 12,6 Prozent werden zu gleichen Teilen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Staat finanziert. Das Gesundheitswesen ist für sozial Schwache kostenlos; die übrigen zahlen einen Eigenanteil von 50 Prozent.

Panikos Panayi, 40, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Mit seiner Autowerkstatt in Nikosia verdient er rund 1670 Euro im Monat. Sein 160-Quadratmeter-Haus hat er selbst gebaut. Panayi hat einen Toyota, Baujahr 1999, und einen Mazda. Seine letzten Ferien hat er mit seiner Familie bei Larnaka am Meer verbracht.

Katia Angelidou, 33, ist Grundschullehrerin an der Agio-Kasinanos-Schule in Nikosia. Sie verdient 2380 Euro im Monat und wohnt mietfrei in einer kleinen Wohnung im Haus ihrer Familie. Ihr Opel Astra ist acht Jahre alt. Weil sie zurzeit im britischen Nottingham promoviert, bleibt ihr kaum Zeit für Ferien.

Georgios Vassilopoulus, 45, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Ihm gehört das "Classic Hotel" in Nikosia; seine Familie besitzt eine der 50 größten Firmen der Insel. Er verdient 10.000 Euro im Monat und wohnt in einer Villa mit Pool, deren Wert er auf 1,7 Millionen Euro schätzt. Sein BMW ist zwei Jahre alt. In seiner Freizeit geht er wandern im Gebirge oder zum Tauchen nach Ägypten.

Stefanie Rosenkranz print

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