HOME

Zahlreiche Tote im Jemen: Der Machtkampf in Sanaa eskaliert

Die Hauptstadt wird immer mehr zum Schlachtfeld. Alleine in der Nacht zum Donnerstag starben nach Angaben des Verteidigungsministeriums 28 Menschen durch eine Explosion in einem Waffendepot. Seit Montag wurden in Sanaa nach inoffiziellen Schätzungen mehr als 80 Menschen getötet.

Bei einer Explosion in einem Munitionsdepot in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums mindestens 28 Menschen getötet worden. Wie das Ministerium am Donnerstag auf seiner Internetseite zudem mitteilte, gehört das Depot dem mächtigen El-Ahmar-Stamm. Stammesvertreter und jemenitische Sicherheitskräfte liefern sich seit Tagen heftige Gefechte. Das Verteidigungsministerium teilte überdies mit, dass Jemens Staatschef Ali Abdallah Saleh die Festnahme von Sadek el Ahmar, des Chefs des El-Ahmar-Stammes, und von dessen Brüder angeordnet habe.

Durch den Aufstand der Stammeskrieger gerät die Regierung von Präsident Ali Abdallah Saleh immer stärker unter Druck. Sie warnte am Mittwoch vor einer Eskalation der Gewalt, sollten die Anhänger von Stammesführer Scheich Sadek el Ahmar nicht mehrere von ihnen besetzte Regierungsgebäude in der Hauptstadt Sanaa räumen. Dort war es erneut zu Gefechten zwischen der Stammesmiliz und Sicherheitskräften gekommen. US-Präsident Barack Obama und die Bundesregierung riefen Saleh auf, sein Versprechen einer geordneten Machtübergabe zu halten.

Mitglieder der Hasched-Föderation unter Scheich Sadek el Ahmar besetzten das Gebäude der staatlichen Fluggesellschaft Yemenia und versuchten, das Innenministerium zu stürmen. In der Nacht hatten sie bereits stundenlang das Gebäude der amtlichen Nachrichtenagentur Saba unter ihrer Kontrolle. In der Stadt waren erneut heftige Schusswechsel zu hören. Die Regierung stellte die Stammeskrieger vor ein Ultimatum: Sollten sie die besetzten Gebäude nicht freiwillig räumen, würden sie gewaltsam dazu gezwungen.

Scheich Amar ist Chef der Föderation der Hasched, des größten Stamms des Landes, dem auch Präsident Saleh angehört. Scheich Ahmars Vater war Salehs wichtigster Verbündeter, sein Sohn aber schlug sich im März auf die Seite der Protestbewegung. Auslöser der jüngsten Gefechte war offenbar die Weigerung des Präsidenten, ein vom Golfkooperationsrat ausgearbeitetes Abkommen für eine geordnete Machtübergabe im Jemen zu unterzeichnen.

cjf/AFP / AFP