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Stichwahl: CDU-Mann Ursu gewinnt Bürgermeisterwahl in Görlitz – AfD-Kandidat Wippel unterliegt

Die Görlitzer haben entschieden: CDU-Politiker Octavian Ursu ist der neue Oberbürgermeister ihrer Stadt. Sebastian Wippel, der erster AfD-Rathauschef Deutschlands hätte werden können, unterlag in der Stichwahl.

Der neue Oberbürgermeister von Görlitz ist der CDU-Politiker Octavian Ursu. Bei der Stichwahl in der sächsischen 55.000-Einwohner-Stadt erhielt der 51-jährige Diplom-Musiker laut vorläufigem Ergebnis 55,1 Prozent der Stimmen (14.043). 

Gegenkandidat Sebastian Wipper von der AfD konnte nach Auszählung aller 75 Wahlbezirke und der Briefwahlzettel nur 44,9 Prozent der Wählerstimmen (11.390) auf sich vereinigen. Der 37-jährige Polizeibeamte hätte der erste AfD-Bürgermeister einer deutschen Kommune werden können.

Große Aufmerksamkeit wegen möglichen AfD-Erfolges

Vor allem deshalb stand die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz überregional im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Sogar Medienvertreter aus dem Ausland sind vor Ort, um den Ausgang der Abstimmung zu verfolgen.

"Ich freue mich", sagte Gewinner Ursu nach der Auszählung der Nachrichtenagentur DPA. "Nun geht es darum, auf die anderen zuzugehen, die mich nicht gewählt haben." 

AfD-Kandidat Wippel gestand die Niederlage ein und gratulierte seinem Kontrahenten zum Wahlsieg. "44,9 Prozent sind ein respektables Ergebnis, wenn man bedenkt, dass alle anderen Parteien alle ihre Kräfte gegen uns mobilisiert haben", schrieb er in einer ersten Reaktion auf seiner Facebook-Seite und bot eine konstruktive Zusammenarbeit der AfD-Fraktion mit Ursu an. "Wir lieben diese Stadt und werden weiter für unsere Überzeugungen kämpfen!"

Ursu folgt im Rathaus auf den parteilosen Siegfried Deinege, der seit 2012 im Amt war. Der 64-Jährige hatte zuletzt an die Bürger seiner Stadt appelliert, für ein tolerantes Görlitz zu wählen. Wahlberechtigt waren rund 46.000 Görlitzer, die Beteiligung lag bei 56 Prozent.

Die Wahl des Oberbürgermeisters in Görlitz gilt auch als Stimmungstest für die sächsische Landtagswahl im September. Jüngste Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der AfD und der CDU um den stärksten Wählerzuspruch in dem Bundesland voraus.

Hollywood mischte sich in Görlitzer OB-Wahl ein

Im ersten Wahlgang vor drei Wochen hatte Wippel 36,4 Prozent der Stimmen erhalten, Ursu 30,3. Die beiden dahinter platzierten Kandidatinnen Franziska Schubert (Grüne/Bürgerbündnis; 27,9 Prozent) und Jana Lübeck (Linke; 5,5 Prozent) zogen ihre Kandidatur zurück. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 59 Prozent.

Vor der Bürgermeisterwahl in Görlitz meldeten sich sogar Filmemacher aus Hollywood zu Wort. Sie zeigten sich besorgt über die Möglichkeit eines AfD-Sieges. Wenn die Stimmung künftig "von Hass und Fremdenfeindlichkeit" geprägt sei, könnte das Filmemacher davon abhalten, in die Stadt zu kommen, die wegen ihres historischen Stadtbildes gern genutzter Drehort der Traumfabrik ist.

Quellen: "Sächsische Zeitung", Statistisches Landesamt Sachsen, Nachrichtenagentur DPA