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"Keine Sau braucht die FDP": Liberale klären Humor-Kampagne auf

Mehrere Stunden lang schrieb die FDP in Brandenburg sich auf Wahlplakaten scheinbar selbst ab. Jetzt haben die Liberalen ihre Kampagne "Keine Sau braucht die FDP" erklärt und Plakatschnipsel ergänzt.

Keine Sau braucht die FDP. Das stand zumindest für einige Stunden so auf den Wahlplakaten der Liberalen in Brandenburg. Fünf Wochen vor der Landtagswahl schien die FDP sich nach ihren jüngsten Wahlschlappen selbst völlig abgeschrieben zu haben. Beim Anruf in der Geschäftsstelle ertönte sogar vom Band: "Keine Sau braucht die FDP, deswegen können wir Ihren Anruf leider nicht entgegennehmen."

Jetzt hat die Partei ihre scheinbare Anti-Werbekampagne aufgeklärt. Spitzenkandidat Andreas Büttner sagte am Donnerstag in Potsdam, neue, ergänzte Plakatschnipsel sollten die Aussagen jeweils ins Gegenteil drehen. Jetzt heißt es stattdessen etwa: "Jeder Arbeitslose braucht die FDP, damit neue Jobs kommen" oder "Jeder Brandenburger braucht die FDP".

Man habe die Stimmung in der Bevölkerung aufgegriffen, um wieder wahrgenommen zu werden, begründete Büttner die ungewöhnliche Kampagne. Ziel sei der Einzug in den Landtag. Dazu müssten die Liberalen klarstellen, weshalb sie weiterhin notwendig seien. Die märkischen Liberalen wollen in ihrem Wahlkampf vor allem Landesthemen wie Mittelstand, Bildung und Verkehrspolitik ansprechen, aber auch um die Zielgruppe der Lesben und Schwulen werben.

Lindner hat "erst einmal den Atem angehalten"

FDP-Chef Christian Lindner hat Verständnis für seine Parteikollegen in Brandenburg. Zwar habe er bei dem Slogan "Keine Sau braucht die FDP" auch "erst einmal den Atem angehalten", sagte er am Donnerstag im ZDF. Doch er habe verstanden, dass die Kollegen mit der "ironischen, pointierten und provokanten Zuspitzung" nach Möglichkeiten suchten, in die Öffentlichkeit zu kommen, um für ihre Argumente zu werben.

Lindner verwies darauf, dass die FDP seit dem Ausscheiden aus dem Bundestag im vergangenen September Schwierigkeiten habe, mit Inhalten in die Medienberichterstattung zu kommen. "Das Kernproblem einer Partei in der außerparlamentarischen Opposition ist es, Aufmerksamkeit zu gewinnen", sagte er im ZDF. Die Parteispitze mische sich zudem nicht ein in die Wahlkampfgestaltung der Landesverbände. Diese entschieden selber über "die Art und Weise, wie sie den Wahlkampf führen".

In Brandenburg und Thüringen wird im September jeweils ein neuer Landtag gewählt, in beiden Bundesländern muss die FDP um ihren Wiedereinzug ins Parlament fürchten. Auch die thüringische FDP setzt mit dem Spruch "Wir sind dann mal weg!" auf Ironie. Der wurde später mit "genau wie der Mittelstand" oder mit "genau wie die Landärzte" ergänzt.

Prognosen sehen schlecht aus

Im September 2009 war der FDP bei der Landtagswahl mit 7,2 Prozent überraschend der Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde gelungen. Die Partei hatte damals bei den Zweitstimmen um 3,9 Prozentpunkte zugelegt und war erstmals seit 1994 wieder im Landtag vertreten.

Prognosen rechnen bei den Landtagswahlen am 14. September nur noch mit einem Zweitstimmen-Ergebnis der Liberalen weit unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. Spitzenkandidat Büttner kämpfe vor der Landtagswahl mit deutlichen Bekanntheitsproblemen, heißt es im jüngsten im Juni erhobenen Ländertrend Brandenburg des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap.

jen/AFP / AFP