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FDP-Debakel: FDP-Chef Rösler tritt zurück

Keine 24 Stunden nach dem Wahldebakel der FDP gibt es eine Umwälzung an der Parteispitze. Rösler wirft hin, glaubt jedoch an den Wiederaufstieg seiner Partei. Ein neuer Mann steht schon bereit.

FDP-Chef Philipp Rösler tritt nach dem Wahldebakel vom Sonntag zurück. Das sagte er am Montagmittag in Berlin nach Beratungen der Parteigremien. Er wolle damit auch die Verantwortung für den "bittersten Abend" nach der Bundestagswahl übernehmen, sagte Rösler.

Als sein Nachfolger hat dessen ehemaliger Generalsekretär und heutiger FDP-Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, die besten Chancen. Rösler bestätigte die Kandidatur von Lindner.

"Die Arbeit wird jetzt auf den Schultern natürlich erst mal der Landesverbände liegen", sagte der scheidende Parteichef. Viele dieser Landesverbände hätten gut funktionierende Landtagsfraktionen, die versuchen könnten, die außerparlamentarische Phase auf Bundesebene zu kompensieren.

Rösler appellierte an die FDP-Mitglieder: "Jetzt muss man die Ärmel hoch krempeln." Die FDP erlebte am Sonntag bei der Bundestagswahl ein historisches Debakel. Mit einem Ergebnis von 4,8 Prozent sind die Liberalen erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nicht mehr im Bundestag vertreten.

Der scheidende Parteichef räumte ein, dass seine Partei viele Wähler enttäuscht habe. "Wir wissen, dass wir bewusst abgewählt wurden", sagte Rösler. Die FDP müsse sich nun auch inhaltlich stärker profilieren - mit Themen wie der sozialen Marktwirtschaft, Bildung und Bürgerrechten. "Wenn uns das gelingt, ist es der Beginn des Wiederaufstiegs einer liberalen Partei, der FDP."

Rösler, bisher Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler, hatte aber bereits am Wahlabend seinen Rücktritt von der Parteispitze angedeutet. Sein Rücktritt kommt daher nicht überraschend.

"An Christian Lindner kommt niemand vorbei"

Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki sowie Hessens Landeschef Jörg-Uwe Hahn plädierten schon am Vormittag offen für die Ablösung Röslers durch Lindner. "An Christian Lindner kommt niemand vorbei. Er ist jemand, der die Partei aus der Lethargie herausführen kann", sagte Kubicki. "Der nächste Parteitag muss eine neue Führung wählen. Es kann nicht so weitergehen, definitiv nicht."

FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle zeigte sich zuversichtlich, dass der designierte neue Parteichef Lindner die FDP wieder zum Erfolg führen könne. "Ich habe die Einschätzung, dass er sehr wohl diese schwierige Aufgabe meistern kann", sagte Brüderle. Zu seiner eigenen Zukunft sagte er: "Ich werde weiter ein liberaler Mensch sein und - wenn es gewünscht ist - meiner Partei mit Rat zur Seite stehen."

anb/DPA / DPA