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40. Jahrestag von Brandts Kniefall Bundespräsident Wulff besucht Warschau


Bundespräsident Wulff reist heute zu einem Kurzbesuch nach Polen. Anlass ist der 40. Jahrestag des Kniefalls des damaligen Bundeskanzlers Brandt und der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages in Warschau.

Bundespräsident Christian Wulff ist am Dienstagmorgen nach Warschau gereist. Anlass des Besuchs in dem Nachbarland ist der Kniefall von Willy Brandt auf den Tag genau vor 40 Jahren vor dem Denkmal zur Erinnerung an den Ghetto-Aufstand. An diesem Tag im Jahr 1970 wurde auch der Warschauer Vertrag unterzeichnet, mit dem die Bundesrepublik die polnische Westgrenze anerkannte.

Der Bundespräsident wird an dem Gedenktag mit dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski zusammenkommen. Beide werden mit polnischen Schülern diskutieren und zusammen mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel an einer Veranstaltung der SPD-nahen Friedrich-Ebert- Stiftung teilnehmen.

Der maßgebliche Architekt der Ostverträge in den siebziger Jahren, Egon Bahr (SPD), hat derweil die zentrale Rolle Polens für die Zukunft Europas hervorgehoben. "Für das, wie es in Europa weitergeht, ist Polen unentbehrlich", sagte Bahranlässlich des 40. Jahrestags von Brandts Kniefall. Der deutsche Bundeskanzler Brandt war am 7. Dezember 1970 überraschend vor dem Ghetto-Denkmal auf die Knie gegangen. Die demütige Geste gab der Annäherung von Ost und West im Kalten Krieg einen entscheidenden Impuls.

Bahr forderte eine "wirkliche Belebung" des Weimarer Dreiecks aus Deutschland, Frankreich und Polen. Es sei altes Ost-West-Denken zu glauben, der deutsch-französische Motor allein sei ausreichend. Das informelle Bündnis hatte im September seine Arbeit eingestellt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr polnischer Kollege Donald Tusk stellten am Montag eine Wiederbelebung in Aussicht.

Es sei für ihn eine große Freude zu sehen, dass auch die schwarz-gelbe Bundesregierung die Bedeutung des östlichen Nachbarn Polen hoch einschätze, sagte Bahr. Von der erfolgreichen Ostpolitik müsse vor allem die Erkenntnis bleiben, dass Gewaltverzicht und Vertrauensbildung in politischen Beziehungen der Kernpunkt bleiben müssten, hob der 88-Jährige hervor. Vor 40 Jahren waren die von Brandt initiierten Ostverträge heftig umstritten gewesen, Brandt wurde wegen der Grenzanerkennung von manchen sogar Landesverrat vorgeworfen. Am Dienstag wird auch Bundespräsident Christian Wulff in Warschau des Kniefalls gedenken.

Bahr, der Brandt seinerzeit auf dem Staatsbesuch in Polen begleitete, sagte AFP, die Polen hätten damals "genauso überrascht reagiert wie der Rest der Welt". Für die zunächst in "sehr kühler Atmosphäre" verlaufenen Verhandlungen habe der Kniefall "wie eine psychologische Erleichterung" gewirkt, auch wenn keiner der polnischen Gesprächspartner direkt darauf Bezug genommen habe. "Wir konnten plötzlich miteinander vernünftig und menschlich reden." Brandt unterzeichnete damals auch den Warschauer Vertrag, mit dem Deutschland die Oder-Neiße-Grenze anerkannte.

Eine Geste wie den Kniefall hätte nach Ansicht Bahrs in der damaligen Zeit kein anderer deutscher Politiker im Osten so glaubwürdig vermitteln können wie Brandt, der in der Emigration gelebt habe, Risiken eingegangen und im Widerstand gewesen sei. "Brandt war ein Glücksfall, niemand hätte das statt seiner machen können - einer, der persönlich keine Schuld trug, hat für die Deutschen um Vergebung gebeten", sagte Bahr.

DPA/APN/AFP DPA

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