Abschaltung Atomausstieg oder Altersschwäche?


Nach 31 Jahren Stromproduktion schaltet der E.ON-Konzern den Atommeiler im niedersächsischen Stade ab.

Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg beginnt mit der Stilllegung des ersten Kraftwerkes. Nach 31 Jahren Stromproduktion schaltet der E.ON-Konzern den Atommeiler im niedersächsischen Stade am Freitag ab. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte in einem dpa-Gespräch: "In Stade wird sichtbar Ernst gemacht mit dem Atomausstieg." Für die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist die Stilllegung jedoch noch kein Grund zum Feiern. Bislang habe es 19 Atomkraftwerke gegeben, jetzt seien es eben 18, sagte die Atomexpertin Susanne Ochse der dpa: "Luftsprünge und eine Party gibt es erst, wenn das letzte Atomkraftwerk vom Netz ist."

Abbruch dauert zehn Jahre

Der Energiekonzern E.ON will den im Januar 1972 in Betrieb genommenen Atommeiler an der Elbe wie bei einer routinemäßigen Revision herunterfahren und dann nicht wieder ans Netz gehen lassen. Der Abbruch des Druckwasserreaktors soll 2005 beginnen und zehn Jahre dauern. Das Atomkraftwerk könnte nach Betreiberangaben eigentlich noch bis Ende 2004 laufen. Das vorzeitige Abschalten begründet E.ON mit wirtschaftlichen und nicht mit technischen oder politischen Gründen.

Laut Trittin wird Deutschland etwa im Jahr 2020 frei von Kernenergie sein. Zu Spekulationen, nach der Bundestagswahl 2006 könne eine neue Regierung unter Führung der Union den Atomausstieg rückgängig machen, sagte Trittin, mit dieser Forderung habe Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) bereits im Herbst 2002 Wahlkampf gemacht. "Sie wissen, wie das ausgegangen ist."

Energiekonzerne "lauern" auf den Regierungswechsel

Die Greenpeace-Expertin Ochse sagte dagegen: "Es ist überhaupt nicht klar, ob alles so kommt, wie die rot-grüne Bundesregierung sich das vorstellt." Die Energiekonzerne zumindest wollten keinen Atomausstieg. "Die lauern nur auf den nächsten Regierungswechsel und hoffen, dass der Ausstieg rückgängig gemacht wird."

Die rot-grüne Koalition in Berlin und die Energiewirtschaft hatten im Juni 2001 ein Abkommen über die geordnete Beendigung der Kernenergie unterzeichnet. Dieser so genannte Energiekonsens war erst nach jahrelangen zähen Verhandlungen zu Stande gekommen.

Ab 2010 geht es "Schlag auf Schlag"

Ochse betonte, der "richtige Atomausstieg" beginne erst nach der Bundestagswahl 2010. Erst dann gehe es beim Abschalten "Schlag auf Schlag". "Vorher tröpfeln die Atomkraftwerke nur vom Netz." So würden voraussichtlich 2005 Obrigheim, 2009 Biblis A und 2010 Neckarwestheim 1 stillgelegt. Allein im Jahr 2014 gingen dann aber drei Reaktoren gleichzeitig vom Netz.

Auch Obrigheim früher vom Netz?

Nach Einschätzung des Energiekonzerns EnBW könnte das älteste deutsche Atomkraftwerk in Obrigheim (Baden-Württemberg) jedoch schon früher als geplant vom Netz gehen. Sollte die genehmigte Reststrom-Menge vor dem 15. November 2005 aufgebraucht sein, sei ein vorzeitiges Abschalten möglich. Das Umweltministerium Mecklenburg- Vorpommerns genehmigte unterdessen die Demontage der 1990 stillgelegten Reaktoren im früheren Kernkraftwerk Nord in Lubmin bei Greifswald. Der Rückbau des größten ostdeutschen Kernkraftwerkes soll 2010 beendet sein.

DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker