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Äußerung zu Sozialhilfeempfängern: Grüne wettern gegen Metzger

Er gilt ohnehin als notorischer Parteirebell, aber das nehmen ihm die eigenen Leute sehr übel: Nachdem sich Grünen-Politiker Oswald Metzger in einem stern.de-Interview abfällig über Sozialhilfeempfänger geäußert hatte, hagelt es nun Kritik - von Seiten der Parteispitze ebenso wie aus dem Bundestag, in Berlin ebenso wie in Stuttgart.

Wenige Tage vor dem Bundesparteitag der Grünen sorgen Äußerungen des parteiinternen Kritikers Oswald Metzger in der Partei für Unruhe. Führende Grünen-Politiker haben den Haushaltsexperten und baden-württembergischen Landtagsabgeordneten für dessen Äußerungen zu Sozialhilfeempfängern in einem Interview mit stern.de gerügt. Parteichefin Claudia Roth, distanzierte sich in scharfer Form von ihrem Parteikollegen. "Oswald Metzger sollte sich wirklich schämen, was er über Sozialhilfeempfänger gesagt hat", sagte Roth der "Saarbrücker Zeitung". "Es ist völlig daneben, Menschen in einer so schwierigen sozialen Situation zu verletzen."

Metzger hatte im stern.de-Interview die Ansicht vertreten, viele Sozialhilfeempfänger sähen ihren "Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen".

Kritik aus der Bundestagsfraktion

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Christine Scheel, bezeichnete den Kommentar Metzgers als "völlig inakzeptabel" und warf ihm vor, "mit kalten, neoliberalen Vorurteilen" die sozialen Spannungen zu verschärfen. Volker Beck, der Erste Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, forderte seinen Parteifreund Metzger auf, die "pauschale Herabwürdigung" der Sozialhilfeempfänger "schleunigst wieder zurückzunehmen". Auch Winfried Kretschmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag von Baden-Württemberg, übte Kritik an Metzger. "Keine Pauschalurteile über andere Menschengruppen zu fällen, gehört zu den Maximen einer aufgeklärten bürgerlichen Gesellschaft", sagte Kretschmann. "Das abfällige Pauschalurteil eines Politikers wie Oswald Metzger über Sozialhilfeempfänger ist besonders gefährlich, weil es die Vorurteile wenig aufgeklärter Kleinbürger verstärkt. Und es ist ungerecht, weil es diejenigen Transfergeldbezieher beleidigt, die sich redlich um Arbeit bemühen und keine finden."

Metzger präzisiert Äußerungen

Metzger selbst zeigte Verständnis für die Kritik. Er könne "nicht nur austeilen, sondern auch einstecken". Seine kritischen Worte hätten sich vor allem auf die zweite und dritte Generation von Sozialhilfebiografien bezogen. Damit meine er vor allem Eltern, die nicht in der Lage seien, ihre Kinder zu motivieren, sondern diese "vor der Glotze verdummen" lassen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur DDP behauptete Metzger, die Äußerung in dem stern.de-Interview sei von ihm nicht autorisiert worden und auch verkürzt dargestellt gewesen. Er wolle die Schuld jedoch nicht auf andere schieben. Dieser Darstellung widerspricht stern.de. Der Wortlaut des Interviews wurde von der Redaktion per Email zur Autorisierung an das Landtagsbüro des Politikers in Stuttgart geschickt und von dem Büro Metzgers anschließend autorisiert.

mta mit Agenturmaterial