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Presseschau

AfD-Parteitag: "Brutaler hätte die Schmach für Frauke Petry kaum ausfallen können"

Auf dem Bundesparteitag der AfD ging es hoch her. Der rechtsnationale Flügel stichelte gegen die geschwächte Ko-Vorsitzende Petry - die Presse blickt derweil auf die Chancen der Rechtspopulisten bei der Bundestagswahl im September.

Küss die Hand: Alexander Gauland und Frauke Petry beim Parteitag der AfD

Küss die Hand: Alexander Gauland und Frauke Petry beim Parteitag der AfD

Auf dem Bundesparteitag der AfD in Köln ging es hoch her. Jetzt setzt Bundesparteichef Meuthen auf eine Ende der Querelen. Doch der rechtsnationale Flügel stichelt gleich wieder gegen die geschwächte Ko-Vorsitzende Petry - und die Presse blickt auf die Chancen der Rechtspopulisten bei der Bundestagswahl im September.

Welt

"Gauland und Weidel wollen auch die ideologisch gar nicht wirklich festgelegten Unterprivilegierten bei der Stange halten, die sich im Aufstand gegen alle möglichen 'Eliten' wähnen. Gauland ist in Alfred Dreggers Hessen-CDU groß geworden. Das merkt man jetzt. Dregger, ein streng konservativer Pazifist, hat mit genau derselben Methode eine desolate hessische CDU binnen weniger Jahre nahe an die absolute Mehrheit geführt. Er hatte die Hessen-CDU zu einer Protestpartei gegen den 'Linksdrall' gemacht, wie das damals hieß. Das will auch Gauland."

Stuttgarter Zeitung

"Wer in der Partei etwas zu sagen hat, ist noch nicht ausgemacht. Mit dieser Aufstellung ist die AfD jedenfalls in der Parteienlandschaft einmalig. Das muss zwar kein Nachteil sein. Doch die bisherigen Erfahrungen in der Führung weisen jedenfalls darauf hin, dass es mit der Eintracht nicht weit her ist. Die Leitung der Rechtspartei ist von vornherein ein Experiment mit offenem Ausgang. Neue Köpfe machen noch keinen Neuanfang. Wegen der nationalistischen Töne hat die AfD für bürgerliche Wähler an Anziehungskraft verloren. Das zeigt sich in gesunkenen Umfragewerten. Ob das Spitzenteam diese Entwicklung umkehren kann, ist unwahrscheinlich."

Kölner Stadt-Anzeiger

"Die Kölner Bürger sorgten dafür, dass aus einem Protest-Wochenende gegen die Politik der AfD, das aus dem Ruder zu laufen drohte, ein umgekehrtes, positives Zeichen wurde: Für die Offenheit unserer Gesellschaft. Für ein Miteinander, das von gegenseitiger Achtung und Respekt geprägt ist. Dafür gilt auch den Organisatoren der Kölner Protestbündnisse bis hin zum Festkomitee Kölner Karneval Dank. An diesem Wochenende hat die Stadt aus einer negativen Ausgangssituation heraus das Bestmögliche gemacht. Und damit allemal einen Grund geliefert, Stolz auf sie zu sein."


Nürnberger Nachrichten

"Was sich die Sympathisanten der AfD jetzt bereits in aller Ernsthaftigkeit fragen sollten: Wen werden sie da überhaupt wählen, wenn sie die 'Alternative für Deutschland' ankreuzen? Seit dem Parteitag vom Wochenende ist das völlig unklar. Die meisten dieser AfD-Spitzenpolitiker sind einander spinnefeind. Sie sprechen kaum miteinander, sehen sich häufig nicht mal in die Augen. Aber sie werden schlau genug sein, es bis zur Bundestagswahl nicht zum Äußersten kommen zu lassen - sich zu trennen oder gegenseitig aus der Partei zu mobben. Sonst würden sie Gefahr laufen, doch noch unter die Fünfprozenthürde zu rutschen. Fazit: Wer der AfD seine Stimme gibt, der weiß nicht, was er bekommt."

Märkische Allgemeine

"Gauland plus Weidel - diese Kombination wurde in Köln artig beklatscht, löst aber bei vielen in der AfD schon wieder Augenrollen aus. Weder der zugeknöpfte Bildungsbürger Gauland noch die kühle Karrieristin Weidel machen die Partei für kleine Leute attraktiver. Die AfD wird von Ängsten zusammengehalten. Ausländerfeindlichkeit und nationalistische Reflexe ersetzen jede Strategie. Die Partei bleibt eine unkalkulierbare Sammelbewegung von enttäuschten Konservativen, smarten neuen Nationalisten und verbrämten Rechtsextremen, gefährlich und gefährdet zugleich."

Neue Osnabrücker Zeitung

"Der Antrieb von Politikern sollte der Wunsch nach Verantwortung und damit verbundener Gestaltungsmacht sein. Die AfD ist anders. Sie will nicht gestalten, sondern spalten. Das hat der Parteitag von Köln deutlich gemacht. Der Schwenk nach rechts außen ist vollzogen. Sie stellt sich selbst außerhalb unserer Werteordnung, weil sie durch eine rechte Kulturrevolution eine ganz neue schaffen will, an deren Ende die AfD mit absoluter Mehrheit regiert. Das ist die selbst ernannte Alternative für Deutschland. Der größte Feind der AfD auf ihrem vorläufigen Weg in den Bundestag bleibt aber die AfD selbst. Die Ernennung des Spitzenduos Weidel/Gauland war mit 67,7 Prozent weder rechnerisch noch menschlich, durch Ausbootung weiterer Kandidaten, ein Signal der Geschlossenheit."

Straubinger Tagblatt

"Brutaler hätte die Schmach für Frauke Petry kaum ausfallen können: Die Chefin der AfD hat die Machtfrage gestellt und die Delegierten auf dem Kölner Parteitag haben sie gnadenlos abblitzen lassen. Ihr Versuch, den Einfluss des rechtsnationalen Flügels in der rechtspopulistischen Partei rechtzeitig vor der Bundestagswahl zurückzudrängen, um sie für breitere Wählerschichten zu öffnen, ist so heftig nach hinten losgegangen, dass sie konsequenterweise zurücktreten müsste. Denn die Vorsitzende, die aus taktischen Gründen schon Tage zuvor den Verzicht auf eine Spitzenkandidatur verkündet hat, ist blamiert, steht ohne Rückhalt da, ist faktisch entmachtet."

Rheinpfalz

"Nach Köln wissen die Wähler: Die AfD will bis auf Weiteres nicht gestalten. Sie will stattdessen die Bühne des verachteten Systems nutzen, um publikumswirksam Systemkritik zu betreiben oder sogar, wenigstens in Teilen, das System zu überwinden. Immerhin herrscht Klarheit. Und die Bürger haben die Wahl am 24. September."

Thüringische Landeszeitung

"Die AfD will nicht nur für diejenigen, die sie als ausländisch betrachtet, die Grundlagen verändern. Ein Land, in der die AfD das Sagen hätte, wäre ein anderes Land. Ein Land, in dem das Alleinerziehen als 'Notfall' gelten würde und als 'Ausdruck eines Scheiterns eines Lebensentwurfs'. Wurde so beschlossen. Ein Land mit Meldepflicht für Abtreibungen. Original AfD: 'Bei Nichterfolgen soll eine spürbare Strafe ausgesprochen werden.' Und weiter heißt es: 'Schwerwiegendes Fehlverhalten gegen die eheliche Solidarität muss bei den Scheidungsfolgen wieder berücksichtigt werden.' Das sind nur ein paar Punkte für Anderland. Wer wissen will, was die AfD vorhat, muss nur das Programm lesen."

Mittelbayerische Zeitung

"Mit der krachenden Demontage der Vorsitzenden Frauke Petry, dem Spitzenteam mit dem Nationalkonservativen Alexander Gauland und der heimlich-unheimlichen Aufwertung des Provokateurs Björn Höcke hat die AfD deutliche Zeichen gesetzt, wie und wohin sie künftig marschieren wird: Zerstritten nach ganz Rechts. Mit dieser Partei ist kein Staat zu machen. Die AfD will mit einem widerlichen Gebräu aus Fremdenhass, Europafeindlichkeit und völkischem Getue zurück in die Zukunft."

Märkische Oderzeitung

"Im Gegensatz zu Petry hat Gauland erkannt, dass die Gefahr, an Zustimmung innerhalb und außerhalb der Partei zu verlieren, auch besteht, wenn man sich von dem Rechtsaußen Björn Höcke trennen würde. Also versucht er erst einmal, alle unter einen - am besten seinen - Hut zu bringen. Die einzige Chance, die Petry in der Partei wohl noch hätte, wäre ein Bündnis mit Björn Höcke. Auch das sagt viel über die AfD."

jen