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AMTSWECHSEL Struck ist neuer Oberbefehlshaber


Der bisherige Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Peter Struck tritt die Nachfolge des glücklosen Rudolf Scharping als Verteidigungsminister an.

Er war als Kanzleramtsminister im Gespräch zum Start der rot-grünen Regierung, später wurde er als Innenminister gehandelt, und nun tritt er die Nachfolge des glücklosen Rudolf Scharping als Verteidigungsminister an.

Unerwartet schneller Sinneswandel

Peter Struck, dem Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, waren bereits für den Fall eines Wahlsieges der SPD durchaus Chancen auf einen Wechsel ins Kabinett eingeräumt worden. Der 59-Jährige hatte aber stets erklärt, Fraktionschef bleiben zu wollen. Mit der Honorar-Affäre um Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) kam der Sinneswandel nun unerwartet schnell. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) berief Struck, den er zu Oppositionszeiten als Verwalter des »Kartells der Mittelmäßigkeit« kränkte, am Donnerstag zum Scharping-Nachfolger.

Mächtige Position

Vier Jahre lang hatte er die SPD-Fraktion geleitet, eine ständige Gratwanderung zwischen Unterstützung der Regierung und Diskussionsfreude von Abgeordneten. Eine mächtige Position aber auch: Struck saß in den Koordinierungsrunden der SPD und konnte an Kabinettssitzungen teilnehmen.

Oft spröde und missmutig auftretend

Mit dem Motto »tragen, aber treiben« hat Struck das Verhältnis der Fraktion zur Regierung beschrieben. Mit seinem selbstbewussten Anspruch und seiner Meinungsfreude brachte der oft spröde und missmutig auftretende Niedersachse seine Partei in den vergangenen vier Jahren nicht nur einmal in Schwierigkeiten: Im Sommer 1999 kamen Ablösungsgerüchte auf, nachdem Struck ein an die FDP erinnerndes dreistufiges Steuersystem ins Gespräch gebracht hatte. Im vergangenen Jahr drohte Struck pünktlich zur Schlagzeilen armen Sommerzeit mit einem von der Regierung bislang sorgsam ausgesparten Überstunden-Gesetz.

Guter Vermittler

In seiner Fraktion hat sich der passionierte Motorradfahrer Struck nach seiner Wahl in den Bundestag 1980 zunächst als Steuerexperte und SPD-Obmann im Flick-Untersuchungsausschuss einen Namen gemacht. Der Jurist gilt als streitlustig, aber auch als guter Vermittler. Als ehemaliger parlamentarischer Geschäftsführer kennt er die Tricks und Hintertürchen im Parlament. Den Fraktionschef-Posten hat er letztlich dem ehemaligen SPD-Chef Oskar Lafontaine zu verdanken, auf dessen Druck Scharping diesen Platz räumen musste. In der Fraktion wird die Arbeit Strucks anerkannt, wenngleich manche auch lästern, er habe »Autorität nur aus seinem Amt heraus«.


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