HOME

ARD-Sommerinterview: Das denkt die Kanzlerin über Flüchtlingsmädchen Reem

TV-Sommerinterviews sind eigentlich nicht für ihre Schwere bekannt. In der ARD sprach Angela Merkel dennoch über ernste Themen. Wie etwa über die Begegnung mit der jungen Palästinenserin Reem.

Angela Merkel beim Sommerinterview mit Tina Hassel und Rainald Becker im ARD-Hauptstadtstudio

Angela Merkel beim Sommerinterview mit Tina Hassel und Rainald Becker im ARD-Hauptstadtstudio

Turbulente Zeiten erfordern selbst im Sommer zuweilen ernste Interviews.  Lesen Sie die wichtigsten Aussagen von Angela Merkel (CDU) im ARD-Sommerinterview  mit Tina Hassel und Rainald Becker 

Griechenland:

Angela Merkel rief dazu auf, in der Griechenland-Debatte nach vorne zu schauen und nicht länger über ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone zu diskutieren. Die Option eines "Grexits" habe zwar auf dem Tisch gelegen, "aber wir haben uns für eine andere entschieden", sagte Merkel. "Und es zählt jetzt, was das Ergebnis dieser Beratungen war." Die Euro-Partner hätten sich darauf geeinigt, mit Griechenland Verhandlungen über ein neues Hilfspaket zu führen. "Das muss jetzt umgesetzt werden."

Wolfgang Schäuble: 

Während Merkel für ein drittes Hilfspaket warb, hielt Wolfgang Schäuble ein zeitweises Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone für die bessere Lösung. Der Bundesfinanzminister räumte in einem "Spiegel"-Interview Meinungsverschiedenheiten mit der Kanzlerin in der Griechenland-Frage ein und brachte sogar seinen Rücktritt ins Spiel. Merkel dazu: "Bei mir war niemand und hat um irgendeine Entlassung gebeten. Und ich habe auch nicht die Absicht, diese Diskussion weiter zu führen." Man werde jetzt an die Arbeit gehen - in der Koalition und in der Union. "Da muss sich niemand Sorgen machen."

Flüchtlingsmädchen Reem: 

Merkels Aufeinandertreffen mit dem palästinensischen Flüchtlingsmädchen Reem hatte vor wenigen Tagen eine Debatte ausgelöst. Die Kanzlerin hatte das Mädchen gestreichelt, als dieses bei einem Bürgerdialog aufgrund der ihr drohenden Abschiebung in Tränen ausgebrochen war. Merkel: "Ich glaube, dass das so ok war." Sie finde, die Geste sei in Ordnung gewesen.

"Ich glaube (...), dass es wichtig ist, wenn eine Bundeskanzlerin mit Menschen diskutiert, wo sie die Sachlage nicht ganz genau kennt, dass ich da nicht sage: Weil Du gerade die Bundeskanzlerin getroffen hast, ist aber Dein Schicksal schneller zu lösen als das von vielen, vielen anderen", sagte Merkel. "Trotzdem möchte man ein weinendes Mädchen trösten. Aber ich kann dadurch nicht die Rechtslage verändern."

Merkel hatte sich nach dem Vorfall viel Spott im Internet gefallen lassen müssen. Unter dem Hashtag #merkelstreichelt äußerten Menschen sich empört und abfällig über das Verhalten der Kanzlerin. Dazu sagte sie: "Was soll ich mich ärgern? Ich habe Probleme zu lösen."

Flüchtlingsdebatte:

 Merkel fordert eine gerechtere Verteilung von Flüchtlingen in Europa. Das Dublin-Abkommen entspricht nicht mehr den Begebenheiten, wie wir sie mal hatten", sagte sie. Die EU-Staaten müssten zu einer fairen Lastenverteilung kommen, was die Aufnahme von Flüchtlingen angehe.

Mit Blick auf die anstehenden Beratungen der EU-Innenminister zu dem Thema sagte die Kanzlerin: "Die Gespräche laufen gar nicht so schlecht." Die Ressortchefs wollen an diesem Montag in Brüssel über die Umverteilung von rund 60.000 Flüchtlingen in Europa entscheiden - unter anderem zur Entlastung der Mittelmeerländer Italien und Griechenland, wo besonders viele Bootsflüchtlinge ankommen.

kis / DPA