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Debatte zur Homo-Ehe: CSU-Politiker redet sich bei Anne Will um Kopf und Kragen

Bei Anne Will wurde die Homo-Ehe am Mittwochabend kontrovers diskutiert. CSU-Politiker Thomas Goppel zeigte sich dabei nicht immer von der besten Seite. Einen Gesprächspartner beleidigte er sogar.

Von Moritz Dickentmann

Moderatorin Anne Will im Gespräch mit CSU-Politiker Thomas Goppel

Moderatorin Anne Will im Gespräch mit CSU-Politiker Thomas Goppel

Spätestens seitdem sich Irland Ende Mai per Volksentscheid dazu entschloss, künftig homosexuellen Paaren die Heirat zu ermöglichen, wird das Thema auch hierzulande kontrovers diskutiert. Wie unterschiedlich dabei die Ansichten der von SPD, Grünen und Linken regierten Bundesländer im Vergleich zu Teilen der Union sind, wurde zuletzt durch eine Äußerung der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer deutlich. Diese hatte sich gegenüber der "Saarbrücker Zeitung" klar gegen eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare positioniert und zudem vor "weitreichenden Folgen" gewarnt. Konkret befürchtete die CDU-Politikerin, ein Ja zur Homo-Ehe könnte den Weg freimachen für Ehen unter Verwandten oder gleich mehreren Personen. Eine Aussage, die Kramp-Karrenbauer neben einen Shitstorm ebenso eine Anzeige wegen Beleidigung und Volksverhetzung einbrachte.

Auch beim NDR-Talk von Anne Will am Mittwochabend wurde angeregt zum Thema "Streitfall Homo-Ehe - Bekommen wir bald irische Verhältnisse?“ debattiert. Als Gäste geladen waren SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, AfD-Frontfrau Frauke Petry, der schwule Priester Norbert Reicherts sowie der ehemalige Staatsminister Bayerns, Thomas Goppel (CSU). Letzterer präsentierte sich gegenüber Diplom-Theologe Reicherts während der 75-minütigen Sendung mehrfach nicht von der besten Seite.  

Goppel in Kramp-Karrenbauer-Manier

Gleich zu Beginn macht der 68-Jährige klar, dass eine Familie seiner Meinung nach "eine bestimmte Einheit" ist - konkret: eine aus Vater, Mutter und Kind. Diese Einheit könne durch das Verfassungsgericht oder eine Zweidrittel-Mehrheit im Bundestag zwar geändert werden, so Goppel. Was er jedoch persönlich davon hält, führt er im nächsten Satz aus: "Irland hat gerade Laune und deswegen wollen wir auch - und da mach ich nicht mit".

 In Petry hat der CSU-Mann an diesem Abend ein Gegenüber, das auf seiner Linie argumentiert. So bezweifelt die AfD-Politikerin angesichts 70.000 gleichgeschlechtlicher, nicht eingetragener Lebenspartnerschaften im Vergleich zu 18 Millionen Ehen zunächst eine gesellschaftliche Relevanz. Als ihr Reicherts entgegnet, die Gesellschaft (diese glaube, er und sein Partner seien bereits verheiratet und er müsse das immer richtigstellen) sei in diesem Punkt offenbar schon deutlich weiter als die Politik, fällt Petry - wie öfters am Abend - nicht mehr als ein abschätziges Lächeln ein.

Ganz anders Goppel, der, auf eine Öffnung der Ehe angesprochen, in Kramp-Karrenbauer-Manier kontert: "Wer anfängt mit der Feststellung, dass Männer mit Männern und Frauen mit Frauen zusammensein können, warum soll der was dagegen haben, dass die Liebe auch woanders aufkreuzt? Bei Sohn und Vater und was weiß ich.“

Theologe Reicherts platzt fast der Kragen

Den nächsten Fauxpas leistet sich der 68-Jährige, als es ums Thema Gleichstellung geht. Während Fahimi erklärt, zwecks einer Abnahme von Diskriminierung auch das Grundgesetz ändern zu wollen, "wenn es notwendig ist", befindet Goppel, dass vor dem Gesetz nicht alle Menschen gleich seien. Erst auf Wills erneutes Nachhaken rudert er zurück: "Doch, vor dem Gesetz. Das Gesetz ist auf alle anzuwenden."

 Zehn Minuten später läuft der Politiker abermals zur "Hochform" auf. Nachdem er die seiner Meinung nach zunehmende Säkularisierung beklagt und Reicherts seine Erfahrungen als schwuler Geistlicher erläutert hat, greift Goppel den Theologen persönlich an. "Warum ist die Gesellschaft daran schuld, wenn Sie nicht zurechtkommen? Sie kommen nicht zurecht mit Ihrer eigenen Lebensweise", so sein Vorwurf. Reicherts platzt da fast der Kragen. "Es reicht. Ich lasse mich gerne von Ihnen beleidigen, aber so geht es nicht. Ich habe überhaupt kein Problem mit meiner Lebensweise, anscheinend haben Sie Probleme mit meiner Lebensweise", kontert der 50-Jährige.

Als Will in der hitzig geführten Debatte irgendwann konkret fragt, ob Goppel Homosexualität als etwas Normales empfindet, antwortet der: "Sie gehört zur Gesellschaft dazu. Dass sie normal ist, würde ich nicht beschreiben." Ein Adoptionsrecht für homosexuelle Paare komme für ihn daher auch nicht infrage. Er sehe nicht ein, etwas aufzugeben, was gut funktioniert, "nur damit sie lustig werden", so Goppel an Reicherts gewandt.

Unverständnis auf Twitter

Nicht nur im Publikum machte sich der 68-Jährige - und ebenso Petry - wegen der teils fragwürdigen Argumentation Feinde. Auf Twitter kommentierten viele User den Auftritt der beiden mit Unverständnis.



Einige Kommentatoren springen Goppel und Petry allerdings zur Seite:


Hier können Sie die Aufzeichnung von Anne Wills Sendung noch einmal in voller Länge sehen.

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