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Grünen-Politiker Sven Lehmann: Offener Brief an AKK: Ihre Witze "zeugen von Unkenntnis und sind diskriminierend"

Die Aufregung um Witze über "das dritte Geschlecht", die Annegret Kramp-Karrenbauer auf einer Karnevalsbühne machte, reißt nicht ab. Grünen-Politiker Sven Lehmann greift die CDU-Chefin in einem offenen Brief direkt an.

Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU, und Sven Lehmann, Grüne

Grünen-Politiker Sven Lehmann greift CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer wegen ihrer Karnevalswitzeleien über "das dritte Geschlecht" in einem Offenen Brief an.

Der Auftritt von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer beim "Stockacher Narrengericht" erhitzt auch Tage später noch die Gemüter. Grund sind Witzeleien von AKK über Intersexuelle. "Wer war denn von euch vor Kurzem in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen", kalauerte Kramp-Karrenbauer während der Veranstaltung . "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette." Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann sah sich - wie viele andere - veranlasst, zu reagieren. Er richtete seine Kritik in einem Offenen Brief direkt an die CDU-Vorsitzende.

Lehmann, als Kölner mit Karneval bestens vertraut, kritisierte Kramp-Karrenbauer scharf. "Erstens: Ihre Äußerungen zeugen von Unkenntnis in der Sache. Zweitens: Ihre Äußerungen sind diskriminierend und verächtlich machend", fasst der Sprecher für Queer- und Sozialpolitik der Grünen-Fraktion im Bundestag den Inhalt seines Briefes in einem Tweet selbst zusammen. Das Schreiben trägt den offiziellen Briefkopf des Abgeordnenten und ist in aller Form "an die Vorsitzende der CDU Deutschlands" gerichtet.

Karneval keine Entschuldigung für AKK

Vor allem gegen Ende des Schreibens greift Lehmann Kramp-Karrenbauer scharf an: "Sie als Vorsitzende der CDU Deutschlands hätten die Möglichkeit und die Verpflichtung, für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft einzutreten. Eine Gesellschaft, in der jeder Mensch sicher und frei leben kann. Sie haben sich für einen anderen Weg entschieden. Ihre Äußerungen empfinde nicht nur ich, sondern sehr viele Menschen als herablassend, diskriminierend und verächtlicht machend." Schließlich fordert der 39-Jährige die CDU-Chefin auf, sich öffentlich zu entschuldigen. Unterstützt wird er dabei inzwischen vom Bundesverband der Lesben und Schwulen in der CDU: "Natürlich ist eine Entschuldigung fällig. Das erwarten wir", sagte Verbandschef Alexander Vogt im SWR. Auch im Karneval gebe es Grenzen.

Bisher ist eine Reaktion Kramp-Karrenbauers auf die Kritik nicht bekannt. Dass sie die Äußerungen während einer Fastnachtsrede machte, will Lehmann nicht als Ausrede gelten lassen. "Fasching und Karneval sind Feste der Toleranz und Lebensfreude; Feste, bei denen alle Menschen zusammen kommen können, um friedlich und unter Gleichen miteinander zu feiern", schreibt der Kölner Grüne.

"Nach einer Phase der Modernisierung"

Sorgen äußert Lehmann, dass Kramp-Karrenbauer offenbar für eine größere gesellschaftliche Gruppe spreche, "wie man am unwidersprochenen Applaus nach Ihrer Redepassage sehen kann". Und er zeigt sich enttäuscht, "dass Sie als Vorsitzende der CDU es offenbar für nötig erachten, nach einer Phase der Modernisierung durch Angela Merkel nun wieder eine Stimmung bedienen zu müssen, die nicht ohne billige Kalauer auf Kosten gesellschaftlicher Minderheiten auskommt." Überrascht hat das den Grünen allerdings nicht. Schließlich seien von einer Politikerin, die in der Vergangenheit die gleichgeschlechtliche Ehe in die Nähe vin Inzest gerückt habe, "keine emanzipatorischen Vorstöße" zu erwarten.

Auch Lehmanns Brief erntet reichlich Reaktionen in den sozialen Medien. Viele bedanken sich schlicht bei dem Kölner Politiker. Andere sehen sich veranlasst, für die Ungehemmtheit im Karneval einzustehen:

Aber auch Lehmann wird für seine Haltung hart angegangen:

Einen ganz eigenen Standpunkt zum Thema vertritt übrigens Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Sie springt ihrer Vorsitzenden bei, indem sie die Ansicht vertritt, dass "das dritte Geschlecht" weiter diskriminiert werde, wenn man darüber keine Witze machen dürfe.

Das Netz ist über Kramp-Karrenbauers Büttenrede empört
dho