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M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier: AKK - Annegrets karnevalistische Kernschmelze

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich über Intersexuelle lustig gemacht. Nicht beim Junggesellenabschied, sondern beim Karneval. Micky Beisenherz ist wenig amüsiert: Der lahme Witz war handwerklich auch noch jämmerlich vorgetragen.

Annegret Kramp-Karrenbauer beim Karneval

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer steht vor dem Narrengericht in Stockach

DPA

Liebe Annegret Kramp-Karrenbauer,

die Welle der Wut, die Ihnen entgegen schlägt, hat mich fast davon abgehalten, diesen fast schon fertigen Text zu vollenden. Allein schon deshalb, weil es ein Signum unserer Zeit ist, dass Twitter alle drei Tage wie ein amoklaufender Eierkocher durchdreht und jedes Thema in der gleichen Intensität durchbrodelt. Da werden die für mich wenig nachvollziehbaren Glückwünsche des Bundespräsidenten an das iranische Mullah-Regime in der gleichen Lautstärke verteufelt wie die Doppelnamenwitze eines Bernd Stelter. Da banalisiert sich ein Medium gerade selbst. Schade eigentlich.

Aber zurück zu Ihnen. Mir war der Karneval lieber, als die dummen Witze noch ÜBER Frauen mit Doppelnamen gemacht wurden, als VON ihnen. Jetzt bin ich der Auffassung, dass grundsätzlich erstmal jeder noch so lahme Gag erlaubt sein muss. Speziell im Wildpinkel-Olympia Fastnacht, das für humoristische Qualitätsprüfung so bekannt ist wie Wiesenhof für ausgeprägte Tierliebe.

Man weiß: Im Karneval lässt ein jeder los. Oder jeder lässt einen los. Wie auch immer. Es ist eine Art intellektueller Junggesellenabschied. Dort dummen sich selbst der Primitivität eher unverdächtige Menschen ein paar Grad herunter, um das Publikum in der Mehrzweckhalle zu erreichen. Entweder, weil sie es müssen. Oder, weil sie es wollen.

Markus Söder zum Beispiel schwillt hier untenrum regelmäßig an, als säße er auf einem Gymnastikball. Der Fasching, so scheint es, besitzt den Schlüssel für diesen einen Raum in einem selbst, der bei zivilisierten Menschen für gewöhnlich verschlossen bleibt. Kinder, Betrunkene oder Karnevalisten sagen immer die Wahrheit.

Der Witz, also Ihr neuer Signature-Gag ging so: "Wer war denn von euch vor Kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette." Höhöhöhö.

Mario Barth ist ein sehr guter Performer

Latte Macchiato. Berlin. Und Frauen mit ... ja, was eigentlich? Zum Piepen. Mario Barth hätte aus diesem drögen Jokus vermutlich sogar noch einen veritablen Lacher herausgequetscht. Denn Mario Barth ist, das muss man ihm lassen, ein sehr guter Performer. Und Sie, Annegret Kramp-Karrenbauer: nicht. Das muss man ja mal fachlich monieren: Der lahme Witz war handwerklich auch noch jämmerlich vorgetragen.

Nun ist Mario Barth nicht Vorsitzender einer großen Partei, hat keinerlei politische Ambitionen, und wir sollten jeden Tag dankbar sein, dass es nicht so ist, aber - und jetzt kommt ein Aber von der Größe des Saarlandes -: Sie, Frau Kramp-Karrenbauer haben Einfluss. 

Okay, Sie sind nicht Greta Thunberg. Aber doch immerhin Vorsitzende der CDU. Und offenkundig nicht gänzlich desinteressiert an der Kanzlerschaft. Da muss man sich zumindest im Vorwege die Frage stellen, welcher Gag es wert ist, gemacht zu werden. Humor ist am Ende immer eine Einzelfallentscheidung, klar: Bei wem ist es mir egal, ob wer angepisst ist. Ist der Spruch es wert, diese oder jene zu verletzten. Pointe hin, Pointe her. Irgendwer ist immer beleidigt.

Blöd, wenn man sich nicht zu doof ist, sich genau über DIE Gemeinschaft zu amüsieren, die gerade nach Kräften versucht, ihre gesellschaftliche Stellung zu verbessern und um Anerkennung ringt. Noch blöder, wenn ich halt eben nicht ein weitestgehend wirkungsloser Komiker wie Bernd Stelter bin, sondern eine Person, die sich in einer Position befindet, das Bild der Gesellschaft nachhaltig zu verändern.

Wir leben im Jahr 2019

RICHTIG blöd wird es, wenn der Gag eben deshalb nicht als humoristischer Arm der Inklusion durchgeht, weil ich ohnehin schon dafür bekannt bin, ein besonders rückständiges Gesellschaftsbild zu vertreten und Ressentiments zu fördern. (Vor allem, wenn man vorher 20 Minuten recht engagiert über die Stärkung der Rolle der Frau geredet hat und sich mit einem einzigen humoristischen Polenböller direkt das komplette Gesicht weghaut.)

So bleibt mit dem Blick auf Kleiderwahl und Inhalt ihrer Rede die Frage: Wussten Sie womöglich gar nicht, dass Sie auf einer Karnevalsveranstaltung waren? Wähnten Sie sich gar auf einem Parteitag?

Wir leben im Jahr 2019. Da spielt es fast weniger eine Rolle, was gesagt wird, sondern vor allem, von WEM es kommt. Und wenn der intersexuelle Sitzpinkler von einer Frau (die sonst als lustige Landtagsputze ihren humoristischen Leistungszenit erreicht) angegangen wird, die - so ganz unironisch - die "Ehe für alle" zu einer Art Türöffner zu einer Gesellschaft erklärt hat, in der man künftig seine Schwester oder einen Esel heiraten darf, dann darf man durchaus mal irritiert aufhorchen. Wenngleich mir bis heute nicht klar ist, ob das für jemanden aus dem Saarland etwas Negatives ist - oder eine heimliche Sehnsucht.

(Humor. Einzelfallentscheidung. Gerade das komplette Saarland als Leser verloren. Billigend in Kauf genommen.)

Hysterie beiseite: Für sich genommen bleibt es ein mauer Gag. Nicht mehr. Im politischen Gesamtkontext allerdings ein weiteres Teilchen in meinem großen 1000-teiligen "Endlich ist die CDU für mich wieder herrlich unwählbar geworden"-Puzzle. Und ich dachte, nur Friedrich Merz könne das schaffen. Dafür ein ehrliches Danke.

Das ist ja das Schöne an Politik. Niemand muss bei Twitter ausrasten oder panisch Online-Petitionen ausfüllen. Man kann schlicht jemanden: nicht wählen. Und jetzt warte ich bangend ab, bis Ralf Stegner in die Bütt geht. 

Herzlichst,

ein begeisterter Sitzpinkler

Das Netz ist über Kramp-Karrenbauers Büttenrede empört
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(