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Antisemitismus: Günzel erwägt Klage gegen Struck

Günzel erwägt Klage gegen Struck

Der seines Kommandos enthobene General Reinhard Günzel hat den gegen ihn erhobenen Vorwurf des Antisemitismus als "aberwitzig" zurückgewiesen. Der Offizier erwägt nach einem Bericht von "Bild am Sonntag" auch Klage gegen Verteidigungsminister Peter Struck, der Günzel nach dessen Lob für eine umstrittene Rede des CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann entlassen hatte.

Dem Münchner Nachrichtenmagazin "Focus" sagte Günzel, der Text der Rede, die Hohmann ihm zugesandt hatte, sei nach seiner "festen Überzeugung nicht antisemitisch" gewesen. Er räumte aber ein, dass ein von dem CDU-Politiker gezogener Vergleich zwischen Verbrechen von Deutschen und Juden zur Vorsicht hätte mahnen müssen.

Sein Ruf sei jedoch "in übler Weise beschädigt" worden, fügte er in "Bild am Sonntag" hinzu. Er überlege, ob er gegen Struck wegen Rufschädigung klage. Ihm sei klar, dass Struck Generale ohne Angabe von Gründen entlassen könne. Doch wehre er sich dagegen, dass Struck ihn als "verwirrt" bezeichnet habe.

Günzel: Briefgeheim "verletzt und Hohmann übel gelinkt"

Reportern des ZDF-Magazins "Frontal" warf Günzel vor, seinen Brief an Hohmann abgefilmt und dem Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellt zu haben. Damit sei das Briefgeheimnis "verletzt und Hohmann übel gelinkt" worden.

Als Kommandeur der Elitetruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) habe er stets die Zusammenarbeit mit Israel gefördert, erklärte Günzel. Mit einem israelischen General sei er befreundet. Im vergangenen Jahr habe er in der Gedenkstätte Jad Vaschem einen Kranz niedergelegt.

Der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, sah in der Hohmann-Affäre kein Anzeichen für einen neuen Antisemitismus. Er sagte der "Welt am Sonntag", die Deutschen setzten sich ehrlicher mit der eigenen Vergangenheit auseinander als andere Völker.

Wenn es um die Bundeswehr geht, dürfe es keine halbherzigen Lösungen geben

Primor begrüßte gleichzeitig die Entlassung Günzels. Wenn es um die Bundeswehr gehe, dürfe es keine halbherzigen Lösungen geben, erklärte er. Es dürfe nicht verboten sein, Juden zu kritisieren. Auch seien unter den russischen Juden, die die Revolution gestützt hätten, "manche zu weit" gegangen. Das gelte auch für manche Deutsche in der Stasi.

Dagegen erklärte die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, in der "Thüringer Allgemeinen", es gebe in der Gesellschaft einen aktuellen Antisemitismus, der ihr Sorge bereite. Die Debatte um Hohmann sei auch ein Beleg dafür, dass es auch nach 60 Jahren keinen Schlussstrich geben könne.