SPD-Verteidigungsexperte KSK soll aus Afghanistan abziehen


Das Kommando Spezialkräfte (KSK) steht in der Kritik, weil es möglicherweise an der Misshandlung von Murat Kurnaz in Afghanistan beteiligt war. Politiker von SPD und Grünen fordern, die Elite-Einheit nun aus Afghanistan abzuziehen.

Der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels hat sich dafür ausgesprochen, das Kommando Spezialkräfte (KSK) aus Afghanistan abzuziehen. Fünf Jahre nach Beginn des Einsatzes "Enduring Freedom" müsse überprüft werden, "ob die KSK-Komponente noch gebraucht wird", sagte Bartels der "Stuttgarter Zeitung". Die KSK war massiv in die Kritik geraten, weil sie möglicherweise an Misshandlungen des ehemaligen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz beteiligt. Ein Untersuchungsausschuss soll die Vorfälle aufklären.

Auch Claudia Roth, Parteivorsitzende der Grünen, hat für einen Abzug der KSK plädiert: "Ich finde die Vorstellung unerträglich, dass deutsche Soldaten mitmachen oder zuschauen, wenn Menschen gequält werden, wenn Leute ohne Rechtsbeistand in Lager verschleppt werden." Damit werde der Einsatz in Afghanistan diskreditiert. "Wie soll man einer Beteiligung unter diesen Bedingungen und ohne zu wissen, was die KSK als Teil von Enduring Freedom dort überhaupt tut, noch zustimmen können", erklärte die Grünen-Chefin. Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP im Bundestag, Jörg van Essen, erklärte, erst müssten die Ergebnisse des Untersuchungsausschuss vorliegen, dann könnte man über einen eventuellen Abzug entscheiden.

Ex-Kommandeur kritisiert Schröder

Der ehemalige Kommandeur des KSK, Reinhard Günzel, hat die Bundeswehr-Einheit verteidigt. "Die Politiker tragen für den Einsatz Verantwortung. Sie haben unsere Männer dahin geschickt", sagte Günzel dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Ich erinnere da nur an unseren hoch verehrten Herrn Bundeskanzler, der von uneingeschränkter Solidarität gesprochen hat." Zur Jahreswende 2001/2002 hatte Günzel nach eigener Aussage keinen Kontakt mit Kurnaz gehabt, der zu dieser Zeit in Afghanistan interniert war.

Das Verteidigungsministerium hatte am Donnerstag eingeräumt, dass die KSK Kontakt mit Kurnaz in Afghanistan gehabt habe. Nach Informationen von stern.de waren die KSK-Einheiten an der Bewachung eines US-Gefängnisses in Kandahar beteiligt. In einem Interview mit dem stern hatte Kurnaz vor rund zwei Wochen berichtet, er sei auch von deutschen Soldaten misshandelt worden.

Reuters/KSK Reuters

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