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Armenien-Resolution: Türkische Zeitungen toben - und zeigen Merkel mit Hitler-Bart

Empörung allüberall: Die türkischen Zeitungen wettern fast einhellig gegen die Armenien-Resolution des Bundestags. Und erinnern mit Fotomontagen an die Völkermord-Vergangenheit Deutschlands.

Die Annahme der Völkermord-Resolution zu den Massakern an den Armeniern durch den Deutschen Bundestag hat in der Türkei ein verheerendes Echo hervorgerufen. Regierungsnahe Zeitungen laufen einhellig Sturm gegen die Resolution. Aber auch von manchen kritischen Medien wird sie hart verurteilt.

Die AKP-feindliche und stramm kemalistische Zeitung "Sözcü" druckt eine Fotomontage der Bundeskanzlerin mit Hitler-Bart und in einer Nazi-Uniform vor einer Hakenkreuzflagge.


Das Blatt titelt auf Deutsch: "Schämen Sie sich!". "Sözcü" kritisiert: "Hitlers Enkel haben die Türkei des Genozids bezichtigt. (...) Deutschland, das im Zweiten Weltkrieg Völkermord begangen hat, indem es sechs Millionen Juden massakriert hat, und das mit Waffenlieferungen an die PKK den Weg dafür bereitet hat, dass unsere Kinder zu Märtyrern werden, hat den sogenannten armenischen Genozid ratifiziert ... WIR SIND WÜTEND". Auch die Zeitung "Star" ließ sich zu einem - zumindest angedeuteten - Hitlerbärtchen verleiten.

"Schande über euch"

Die Zeitung "Sabah" - die Positionen der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP wiedergibt - erscheint mit Blick auf das Bündnis zwischen Deutschland und dem Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg mit der Schlagzeile: "Unser Waffenbruder ist uns in den Rücken gefallen". Zu der Bundestags-Entscheidung meinte das Blatt: "Dadurch ist die Schicksalsgemeinschaft, die im Ersten Weltkrieg begonnen hat, Geschichte. (...) Unsere Soldaten haben ihr Leben offenbar umsonst für Deutschland gegeben."

Die einstmals AKP-kritische Zeitung "Hürriyet", die sich in den vergangenen Monaten Regierungspositionen angenähert hat, trägt vor einem Foto des Bundestags die Schlagzeile: "Schande über Euch". Weiter heißt es: "Der Bundestag hat die Resolution zum Armenier-Genozid angenommen, die eine tiefe Wunde in die jahrhundertealten Beziehungen zur Türkei reißen wird." Im Innenteil schrieb das Blatt vom "Völkermord an der Freundschaft".

Die regierungskritische Zeitung "Cumhuriyet" wählt dagegen eine nüchterne Schlagzeile. "Die Einsamkeit von 1915" schreibt das Blatt in Anspielung auf die zunehmende Isolation der Türkei in der Völkermorddebatte. "Die AKP und (Präsident Recep Tayyip) Erdogan haben einen weiteren Diplomatie-Krieg verloren".

Westliche Zeitungen unterstützen Resolution

Russischen Zeitungen fiel vor allem die Abwesenheit der Kanzlerin bei der Resolution auf. Die Moskauer Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta" schrieb: "Aus Sicht der Regierung war der Zeitpunkt für die Resolution unglücklich gewählt. Berlin fürchtet einen Bruch der Vereinbarungen mit der Türkei in der Flüchtlingspolitik. Um eine Verschlechterung der Beziehungen zu Ankara zu vermeiden, hatte Angela Merkel bereits im Frühjahr einen beispiellosen Schritt gemacht: Sie hatte Ermittlungen gegen den deutschen Satiriker Jan Böhmermann zugestimmt, der Erdogan in einer humoristischen TV-Sendung beleidigt hatte. Dieser Schritt hatte Merkels Beliebtheit klar geschadet. Die gestrige Abstimmung hätte den Ruf der Kanzlerin wieder aufpolieren können. Doch Merkel erschien nicht im Parlament. Sie hatte Wichtigeres zu tun."

Westliche Zeitungen dagegen unterstützten die Resolution und sahen sie sogar als überfällig an. Die linksliberale Madrider Zeitung "El País" schrieb: "Die Anerkennung des Völkermordes ist ein Akt der Gerechtigkeit, auch wenn es mit mehr als einem Jahrhundert Verspätung geschieht."

Die römische Zeitung "La Repubblica" meinte: "Ein Schweigen des Bundestages zum Genozid an den Armeniern hätte wie eine historische Komplizenschaft der Deutschen mit den Türken erscheinen können. (...) Die Geschichte verfolgt uns, und manchmal tauchen ihre Dämonen wieder auf. Während elf europäische Parlamente den Völkermord bereits anerkannt hatten, hatte jenes in Berlin geschwiegen. (...) Die deutschen Abgeordneten wissen, wie wichtig es ist, die eigene Schuld anzuerkennen und zu analysieren, auch eine solche, die schon lange zurückliegt und die passiv mit den Alliierten geteilt wurde (...), und deshalb konnten sie die Abstimmung nicht länger aufschieben."

Die "Neue Zürcher Zeitung" kommentierte:

"Man kann darüber streiten, welche Motive die deutschen Parlamentarier hegten, dass sie die längst überfällige Völkermord-Resolution erst jetzt verabschiedeten, nachdem sie 2015 darauf verzichtet hatten. Der Wunsch, Präsident Erdogan eins auszuwischen oder auch der Bundesregierung, die seit langem unter Verdacht steht, vor dem türkischen Machthaber zu kuschen, spielte sicher eine Rolle. Dennoch steht es dem Bundestag gut zu Gesicht, den Parlamenten anderer Länder gefolgt zu sein und so wie Frankreich, die Schweiz, Kanada oder die Niederlande den Völkermord endlich beim Namen zu nennen. Genauso wichtig war es, sich zur deutschen Mitschuld zu bekennen. Sich nur weiter zurückzuhalten, wäre letztlich nichts anderes als feige gewesen - und hätte den Vorwurf der Erpressbarkeit erst recht verstärkt."

car/DPA