Atomwirtschaft Zweifel an Gorleben


Umweltminister Jürgen Trittin hat ernste Zweifel an der Eignung von Gorleben für ein Endlager geäußert. Eine Entscheidung soll aber nicht vor 2015 fallen.

Die Suche nach einem atomaren Endlager soll noch einmal bei Null beginnen. Dies geht aus einem offiziellen Gutachten hervor, das Umweltminister Jürgen Trittin in Berlin entgegennahm. Er äußerte ernste Zweifel an der Eignung von Gorleben für ein Endlager. Angesichts des Widerstands der Region müsse man „sich die Frage stellen, ob Gorleben nicht ein verbrannter Standort ist„. Eine Entscheidung soll aber nicht vor 2015 fallen.

Trittin hatte 1999 den Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte„ (AKEnd) berufen und damit die Suche nach einer Alternative für Gorleben begonnen. Im Atomkonsens hatte er 2000 durchgesetzt, dass die unterirdische Erkundung in dem niedersächsischen Salzstock für drei bis zehn Jahre ausgesetzt wird. Doch erklärte die Bundesregierung damals: „Das Moratorium bedeutet keine Aufgabe von Gorleben als Standort für ein Endlager.„

Regierung plant Inbetriebnahme bis 2030


Die Atomwirtschaft hält Gorleben, in dessen Erkundung sie nach eigenen Angaben 1,3 Milliarden Euro gesteckt hat, nach wie vor für geeignet, wie das Deutsche Atomforum betonte. Dennoch hielt sich die Lobby-Organisation mit Kommentaren zur möglichen Aufgabe des Standorts zurück. Sprecher Christian Wilson verwies nur darauf, dass der Staat verpflichtet sei, rechtzeitig ein mögliches Endlager auszuweisen. Die Bundesregierung plant die Inbetriebnahme bis 2030. Wilson äußerte hier keine Einwände.

Die 14 Wissenschaftler des AKEnd machen in ihrem Schlussbericht abstrakte Vorschläge zur Auswahl eines zentralen Endlagers für rund 220.000 Tonnen Atommüll, darunter 24.000 Tonnen hochradioaktive Abfälle aus Kernkraftwerken. Zu den möglichen Kriterien zählen sowohl technische Vorgaben, wie die Sicherheit eines Wirtsgesteins, als auch soziale Bedingungen wie etwa die Zustimmung der Anwohner. Die Kriterien sollen bis 2004 gesetzlich festgeschrieben werden.

Suche nach möglichen Standorten


Auf dieser Grundlage sollen bis 2010 in ganz Deutschland mögliche Standorte gesucht werden. Mindestens zwei geeignete Orte sollen danach unterirdisch erkundet werden. Danach soll die Entscheidung fallen.

Der von der Bundesregierung anstrebte Gesamtzeitrahmen bis 2030 werde vom AKEnd als „ambitioniert, aber machbar„ bezeichnet, sagte Trittin. Die von der FDP erneuerten Vorwürfe, er verzögere die Standortsuche, hält Trittin deshalb für verfehlt. Unrealistisch seien auch Pläne der EU-Kommission, die Mitgliedstaaten bereits bis 2018 zur Inbetriebnahme eines Endlagers zu zwingen.

Der Grünen-Politiker betonte, dass es bei der Suche nicht nur auf geologische Kriterien ankomme. Obwohl nach Orten gesucht werde, die über etwa eine Million Jahre den Atommüll sicher einschließen, gebe es wahrscheinlich eine Reihe möglicher Standorte in Deutschland. Ebenso wichtig sei aber die vom AKEnd aufgestellte Bedingung der Akzeptanz der Anlage bei der örtlichen Bevölkerung.

In jedem Fall sollen die betroffenen Regionen von Anfang an mitbestimmen können. Hintergrund sind die Ergebnisse einer Umfrage von 2002, wonach eine Mehrheit der Bundesbürger die Endlagerung zwar als drängendes Problem sieht, ein Lager aber nicht in der Nähe ihres Wohnorts wünscht.

DPA

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