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Attentat von Passau: Ermittler nehmen zwei Verdächtige fest

Fahndungserfolg nach dem Mordversuch an dem Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl: Wie der Leitende Oberstaatsanwalt mitteilte, haben die Ermittler im Raum München einen Mann und eine Frau festgenommen. Offenbar hatte ein Autokennzeichen auf die Spur der Verdächtigen geführt.

Nach dem vermutlich von einem Neonazi begangenen Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl sind am Dienstag erneut zwei Verdächtige festgenommen worden. Das bestätigte die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU). Die Staatsanwaltschaft Passau teilte mit, aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung seien am Nachmittag ein Mann und eine Frau aus München vorläufig festgenommen worden. "Es gibt einen gewissen Tatverdacht. Die beiden werden jetzt überprüft", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Helmut Walch. Ob sich der Tatverdacht erhärtet, könne noch nicht abschließend beurteilt werden.

Nach Angaben der "Passauer Neuen Presse" führte das Kennzeichen eines Autos, das in Tatortnähe gesehen wurde, auf die Spur der zwei neuen Verdächtigen. Beide sollen im Sommer bei der Beerdigung eines Altnazis in Passau gewesen sein. Damals hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen Polizeibeamten und Rechtsextremisten gegeben. Die Kriminalpolizei kündigte an, erst am Mittwoch weitere Auskünfte zum Stand der Ermittlungen zu veröffentlichen.

Nach dem Anschlag wollen die Ministerpräsidenten über ein neues NPD-Verbotsverfahren sprechen. Bayern änderte seine Haltung in dieser Frage: der Landtag beschloss am Dienstag einstimmig, es solle ein weiteres Verfahren gegen die rechtsextremistische Partei vor dem Bundesverfassungsgericht geprüft werden. Das Thema soll bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Donnerstag in Berlin erörtert werden, kündigte der rheinland-pfälzische Regierungschef Kurt Beck (SPD) an. Beck ist seit langem für ein Verbot der NPD. Die Forderung stößt allerdings bei anderen Politikern auf breite Skepsis.

Mannichl war am Samstag vor seinem Haus in Fürstenzell bei Passau niedergestochen worden, er überlebte den Anschlag schwer verletzt. Bereits am Wochenende waren zwei zunächst Verdächtige aus dem Raum Passau gefasst worden. Die 26 und 27 Jahre alten Männer hatten aber Alibis, zudem hatte Mannichl sie auf Fotos nicht als Täter identifizieren können.

Die Ermittler vermuten, dass der Mordanschlag auf Mannichl mit dem Polizeieinsatz während der Beerdigung zusammenhängt. Denn der Mann, der Mannichl überfallen hatte, soll bei dem Überfall zu dem Polizeidirektor gesagt haben: "Viele Grüße vom nationalen Widerstand, du linkes Bullenschwein, du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum." Die Kripo geht von einem Racheakt aus, nachdem der 52 Jahre alte Beamte in der Vergangenheit immer wieder gegen rechtsextremistische Gewalttäter vorgegangen ist.

Die Ermittlungen wegen versuchten Mordes führt eine inzwischen auf 50 Beamte erweiterte Sonderkommission. In ganz Bayern und Österreich wird nach einem 1,90 Meter großen, kahlköpfigen Mann mit kräftiger Statur gesucht. So hatte Mannichl den Messerstecher beschrieben. Der Polizeichef ist nach Angaben seiner Kollegen weiter auf dem Weg der Besserung.

DPA/AP / AP / DPA