Attentat von Passau Mannichl ruft zum Kampf gegen Rechts auf


Er hat keine Angst: Polizeichef Mannichl ist aus dem Krankenhaus entlassen worden und will trotz des Mordanschlags auf ihn weiter gegen Rechtsextremismus kämpfen. Offenbar stand Mannichl länger als ein Jahr im Visier der NPD wie jetzt bekannt wurde.

In einem ersten Statement nach dem Messerattentat hat der Passauer Polizeichef Alois Mannichl zum weiteren entschlossenen Kampf gegen den Rechtsextremismus und seine Vertreter aufgerufen. Niemand dürfe sich von Einzelnen "in Angst und Schrecken" versetzen lassen, sagte er bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus am Freitag in Passau. "Wir müssen im Kampf gegen den Rechtsextremismus so weiter machen", sagte Mannichl.

Der Polizeichef sprach von einem "feigen Anschlag" auf ihn und erklärte, er verlasse die Klinik absichtlich nicht durch den Hinterausgang, weil er zeigen wolle, dass er sich von Rechtsextremen nicht daran hindern lasse, "aufrecht durchs Leben" zu gehen. Der Polizeichef bedankte sich bei der Bevölkerung und Politikern für die Anteilnahme und Unterstützung. Auch den Ärzten des Krankenhauses und seiner Familie dankte Mannichl, der teilweise mit den Tränen kämpfte.

Merkel: "Angriff auf uns alle"

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstrich, dass ein entschiedenes Handeln der Politik gegen den Rechtsextremismus notwendig sei. "Wenn hier ein Vertreter unseres Staates, aber auch wenn andere Menschen durch Rechtsextreme angegriffen werden, dann ist das ein Angriff auf uns alle", sagte sie der "Passauer Neuen Presse" in ihrer ersten persönlichen Stellungnahme zu dem Fall.

Die Bedrohung durch Feinde des Rechtsstaats müsse sehr ernst genommen werden - nicht nur in Passau, sagte Merkel. Bund und Länder müssten diese Herausforderung und die rechtsextremistischen Strukturen weiter entschieden bekämpfen. Neben der Politik sei die gesamte Gesellschaft gefordert. Nötig sei vor allem Zivilcourage, um den Rechtsextremismus überall da zu bekämpfen, wo er sich im öffentlichen Raum zeigt.

Der Polizeidirektor war am vergangenen Samstag vermutlich von einem Neonazi vor der Tür seines Hauses in Fürstenzell bei Passau niedergestochen worden. Die Polizei nimmt an, dass es sich um einen Racheakt von Rechtsextremisten handelte, weil Mannichl bei etlichen Einsätzen immer wieder beherzt gegen Neonazis eingeschritten war.

Eine 50-köpfige Sonderkommission fahndet in Deutschland und in Österreich nach zwei Tatverdächtigen mit auffälligen Tätowierungen. Ein Münchner Ehepaar sitzt wegen Verdachts der Beihilfe zum versuchten Mord in Untersuchungshaft. Am Abend des kommenden Montags soll in Fürstenzell mit einer Lichterkette ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und Gewalt gesetzt werden.

Mannichl stand nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" schon mehr als ein Jahr im Visier der NPD. Mehrere Polizeiaktionen unter Mannichls Leitung gegen Rechtsextremisten in Niederbayern hatten für erheblichen Unmut in der NPD-Führung gesorgt, wie E-Mails und Erklärungen belegen.

NPD-Mitglied: Mannichl ein "Schläger"

In einer E-Mail an die Parteiführung sei Mannichl als "demokratischer Schläger" bezeichnet worden. Der Absender, ein NPD-Mitglied, erbat dem Bericht zufolge Hilfe von der Parteizentrale, die auch darauf reagierte. "Wenn etwas sinnvoll gegen Euren geliebten Polizeichef Mannichl unternommen werden soll, dann muss das sehr präzise vorbereitet und durchgeführt werden", habe Frank Schwerdt, Justiziar und rechte Hand des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt, am 16. Mai 2007 an ein Passauer NPD-Mitglied geschrieben.

Das habe sich allein auf mögliche juristische Auseinandersetzungen "vor ordentlichen Gerichten" bezogen, sagte Schwerdt auf Anfrage des "Spiegel". Er habe nur dazu geraten, "durch Sammlung von Fakten Klagen präzise vorzubereiten und durchzuführen".

DPA/AP AP DPA

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